Devisenmarkt

Krise drückt nordische Währungen

Von Julia Roebke

17. Oktober 2008 Im Zuge der Finanzkrise fallen die skandinavischen Währungen ins Bodenlose. Ein Euro kostete am Freitag 10 schwedische Kronen. Damit fiel die Währung auf ein Rekordtief, ähnlich günstig war sie nur im September 2001. Nicht besser ergeht es der norwegischen Krone. Ein Euro kostete am Freitag auch aufgrund eines stark sinkenden Ölpreises 8,90 norwegischen Kronen, noch im August mussten nur 7,92 Kronen für den Euro gezahlt werden.

Ein Grund für den drastischen Wertverlust der schwedischen Krone ist die in der Bevölkerung als Gefahr angesehene enge geschäftliche Verknüpfung der schwedischen Banken mit dem Baltikum. Dies sei jedoch eine völlig übertriebene Angst, sagt Klaus Schrüfer, Chefvolkswirt der SEB Deutschland. Er erwartet daher, dass sich der Wechselkurs mittelfristig wieder verbessern werde.

Weitere Zinssenkungen erwartet

„Wir rechnen fest damit, dass die schwedische Notenbank nächste Woche die Leitzinsen abermals um 25 Basispunkte auf 4 Prozent senken wird“, sagt er. Für den Dezember erwartet der Volkswirt eine weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte. Das werde die Konjunktur stützen. Den Wechselkurs sieht er deshalb in einem Jahr bei 9,45 Kronen je Euro. Generell würden auch amerikanische Investoren ihr Geld aus dem Ausland abziehen und so auf den Wechselkurs drücken.

In Norwegen hatte die Zentralbank am Mittwoch angekündigt, die Leitzinsen zum ersten Mal seit 2004 auf 5,25 Prozent zu senken. „Die Zentralbank entschließt sich die Zinsen in einer Zeit zu senken, in der die Risikoabneigung extrem hoch ist“, sagt Kasper Kirkegaard, Währungsstratege der Danske Bank in Kopenhagen, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das führt zu einer schwächer tendierenden Krone.“

Fundamental überzogene Reaktion

Antje Praefcke, Devisenstrategin bei der Commerzbank, nennt noch einen anderen Grund für die schwache Notierung der beiden Währungen: „Die schwedische und die norwegische Krone weisen eine enge Korrelation mit den Aktienmärkten auf“, berichtet sie. Dass der Wechselkurs mit der schwedischen Krone auf über 10 gestiegen sei habe auch sie überrascht und sei aus fundamentaler Sicht überzogen, es entspreche jedoch der Stimmung an den globalen Aktienmärkten.

Vor dem Hintergrund deutlich schwächer tendierender Währungen haben die Premierminister von Schweden und Dänemark, Fredrik Reinfeldt und Anders Fogh Rasmussen, die Bedeutung eines Beitritts ihrer Länder zum Euro-Raum betont. Die Finanzkrise sei ein starkes Argument für die Euro-Einführung in Dänemark, sagte Rasmussen noch vor dem Krisen-Treffen der EU-Regierungschefs in Brüssel am vergangenen Mittwoch. „Wenn die Unsicherheit groß ist, ist es von Vorteil, in einer liquiden Währung wie dem Euro zu sein“, betonte auch Reinfeld.

Volksabstimmung gegen den Euro

Schweden und Dänemark gehören noch nicht zu den derzeit 15 Ländern des Euro-Raums. Das schwedische Volk lehnte am 14. September 2003 in einer Volksabstimmung die Einführung des Euro ab. Das Land hat sich jedoch im Beitrittsvertrag zur Europäischen Union dazu verpflichtet, nach Erfüllung der sogenannten Konvergenzkriterien den Euro einzuführen. Bislang vermeidet Schweden aber die feste Kopplung seiner Währung an den Euro, eine Voraussetzung für die Euro-Einführung.

Dänemark nimmt an diesem festen Wechselkursmechanismus zwar teil, nutzte jedoch nach einer Volksabstimmung im September 2000 sein vertraglich vereinbartes Recht zum Nichtbeitritt. An eine schnelle Einführung des Euro in Schweden mag Chefvolkswirt Schrüfer nicht glauben. Grundsätzlich würde er die Einführung jedoch begrüßen. Stabile Währungsbeziehungen seien für ein Land von Vorteil.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET

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