Devisenmarkt

Zunehmende Risikoscheu hilft dem Yen

26. Juli 2007 Am Devisenmarkt bietet sich den Akteuren seit einigen Tagen ein seit langem eher ungewohntes Bild. Denn der grundsätzlich schon seit einigen Jahren schwache Yen demonstriert plötzlich seit vergangenem Freitag etwas Stärke. Am Dienstag beendete die japanische Landeswährung den Handel gegenüber dem Euro bei 164,71 Yen. Die Notiz hat sich somit wieder etwas gelöst von dem am 12. Juni markierten schwächsten Stand (168,95 Yen) seit 1992. Auch gegenüber dem Dollar gibt es Besserungstendenzen zu vermelden. Hier hat sich die Notiz von 123,73 Yen auf 120,345 befestigt.

Wie meistens, wenn der Yen zuletzt in Bewegung war, wurden die Kursausschläge von Devisenexperten auf die Einflüsse der Carry Trades zurückgeführt. Bei diesen Operationen nehmen Investoren Kredite in niedrig verzinsten Währungen wie dem Yen (der Leitzins in Japan beträgt gerade einmal 0,5 Prozent) auf und investieren in höher verzinste Anlagen. Seit langem ist dies die beliebteste Erklärung für die Schwäche des Yen. Aktuell profitiert Japans Währung aber über diese Schiene, weil sich risikoscheue Anleger angeblich aus den Carry Trades zurückziehen.

Angst vor Immobilienkrise in Amerika lässt Anleger vorsichtiger werden

Denn wie es heißt, habe die gestiegene Befürchtung, dass die Immobilienkrise auf die gesamte amerikanische Wirtschaft übergreifen könnte, Investoren risikoaverser gemacht und nach sichereren Anlageformen Ausschau halten lassen. Auch die in den vergangenen Tagen gesunkenen Aktienkurse in Europa hätten zur Auflösung von Yen-Krediten beigetragen, mit denen bislang Investments in Europa finanziert worden seien.

Ein positiver Kurseffekt dürfte zudem von der Meldung ausgegangen sein, wonach der japanische Handelsbilanzüberschuss im Juni deutlich stärker als erwartet gestiegen ist. Konkret ist der Überschuss um 54,3 Prozent auf 1,227 Billionen Yen geklettert. Volkswirte hatten lediglich einen Anstieg auf 970 Milliarden Yen prognostiziert. Sehr wahrscheinlich war es nach der vorhergegangenen Verlustserie auch einfach wieder einmal Zeit für eine Gegenbewegung. Schließlich hatte der Yen in den drei Monaten zuvor gegenüber allen 16 meistgehandelten Weltwährungen an Wert verloren. Als Konsequenz daraus war die japanische Währung einfach auch überverkauft.

Vieles hängt von der weiteren Zinspolitik der japanischen Notenbank ab

Wie es mit dem Yen kurzfristig weitergehen wird, hängt ganz zentral mit der Zinsentwicklung zusammen. Ob sich der Zinsrückstand bald verringern wird, erscheint fraglich. zumindest gegenwärtig schneint es unwahrscheinlich zu sein, dass Japans Notenbank die Zinsen schneller anhebt als etwa die Europäische Zentralbank. Das Daiwa Institute of Research hat jüngst sogar gewarnt, die nächste Zinserhöhung könnte noch länger auf sich warten lassen als angenommen.

Denkbar sei dies dann, wenn die regierende Koalition bei den Oberhauswahlen am 29. Juli so stark verlieren sollte, dass sich Premierminister Abe zum Rücktritt durchringen sollte. Dann könnte der Yen gegenüber dem Dollar laut Daiwa Institute of Research bald sogar auf Kurse von 125 Yen zurückfallen. Denn bei der skizzierten politischen Konstellation dürfte die Notenbank wegen der damit verbundenen Unsicherheiten von einer Zinsanhebung Abstand nehmen. Laut einer Erhebung von Credit Suisse ist die Zahl der Marktteilnehmer, die im August mit einer Zinsanhebung rechnen, zuletzt von 72 Prozent auf 66 Prozent gefallen.

Entwicklung der Terms of Trades spricht gegen einen festen Yen

Einen ganz anderen Begründungsansatz für eine möglicherweise mittelfristig anhaltende Yen-Schwäche haben die Analysten von BCA Research ausgemacht. Sie weisen darauf hin, dass Japans Landeswährung nicht so stark unterbewertet ist, wie gemeinhin angenommen wird. So sei gemessen an der von der OECD berechneten Kaufkraftparität sogar ein Dollar-Yen-Kurs von 124 Yen zu rechtfertigen. Die Kaufkraftparität sei zwar nicht immer ein guter Anhaltspunkt zur Bestimmung von Wechselkursen, aber auch der Umstand, dass Japan in den vergangenen Jahren beim Export Marktanteile verloren habe, deute auf strukturelle Probleme hin, die wiederum auch auf dem Yen lasten dürften.

Auch hätten sich die Terms of Trades, also das Austauschverhältnis zwischen den exportierten und den importierten Gütern in den vergangenen fünf Jahren nicht zuletzt wegen der gestiegenen Rohstoffpreise zuungunsten Japans verändert. In den vergangenen dreißig Jahren sei es dem Yen bei sich verschlechternden Terms of Trades nie gelungen, sich auf realer handelsgewichteter Basis nachhaltig zu verteuern. Und solange der Ölpreis hoch bleibt, dürfte sich eine Trendumkehr bei den Terms of Trades auch nicht einstellen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

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