Devisenmarkt

Isländische Krone im Stresstest

24. Juni 2008 Die Währung Islands befindet sich weiterhin im Stresstest. Seit Mitte des vergangenen Jahres ist ihr Kurs gegenüber dem Euro um 60 Prozent von 82 auf zuletzt 131,21 Kronen je Euro verfallen. Damit befindet sie sich auf dem höchsten Stand seit Einführung der europäischen Einheitswährung. Auch gegen den Dollar stieg der Kurs in den vergangenen Wochen deutlich an, wenn auch weniger ausgeprägt.

Die massive Abwertung in kürzester Zeit zeigt, wie riskant Auslandsanlagen in Zeiten sein können, in denen negative fundamentale Faktoren nach einer Phase ausgeprägter Risikoignoranz wieder auf die Kursentwicklung durchschlagen. Aufgrund der geringen Größe des Landes ist die Wirtschaftsentwicklung volatil.

Restriktive Geldpolitik trotz stagnierender Wirtschaft

So zogen in den Jahren 2003 bis Mitte des Jahres 2006 im Rahmen der internationalen Wirtschaftsbooms die Löhne deutlich an. Das zwang die Zentralbank, restriktiver zu werden, obwohl das Wirtschaftswachstum schon ab der zweiten Hälfte des Jahres 2005 sich im Trend abschwächte. Sie erhöhte den Leitzins von fünf Prozent noch im Dezember des Jahres 2005 auf zuletzt 15,5. Das konnte jedoch nicht verhindern, dass die Währung im Rahmen der Kreditkrise massiv abwertete. Selbst die finanzielle Unterstützung von Dänemark, Schweden und Norwegen in Form eines „Notfall-Swaps“ half bisher wenig.

Die schwache Währung wiederum führte in den vergangenen Monaten dazu, dass die Inflationsrate auf mehr als zwölf Prozent im Mai nach oben schoss. So kann die Zentralbank nicht auf den Wirtschaftsabschwung reagieren, der unter anderem dadurch ausgelöst wird, dass die großen Banken des Landes stark verschuldet sind und Schwierigkeiten haben, sich zu refinanzieren.

Am Dienstag zeigte sich, dass der Gehaltsindex Islands im Mai „nur“ noch um 7,9 Prozent auf Jahresbasis gestiegen ist, nach 8,2 Prozent noch im April. Die Unternehmen des Landes scheinen sich stärkere Lohnerhöhungen nicht mehr leisten zu können. So verbuchte das Logistikunternehmen Eimskipaferlag in den ersten beiden Quartalen des Jahres deutliche Verluste, die Aktie läuft im Trend nach unten.

Lohnzuwächse geringer als der Preisauftrieb - realer Kaufkraftverlust

Da die Lohnzuwächse geringer ausfallen als der Preisanstieg, geht die reale Kaufkraft zurück.
Auf diese Weise verdichten sich die Sorgen über eine Rezession bei gleichzeitig hohen Inflationsraten. Die isländische Zentralbank rechnet im kommenden Jahr mit einem negativen Wachstum von 2,5 Prozent, das unter anderem von einem schwindenden Konsum ausgehen werde. Die Rating-Agenturen Moody's und S&P senkten die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes in den vergangenen Monaten aus Sorge über eine Rezession.

Auf Basis dieser Konstellation dürfte sich die isländische Währung erst dann wieder erholen können, wenn sich die Lage an den internationalen Kredit- und Finanzmärkten wieder entspannt und der Risikoappetit zunimmt. Weiterhin dürfte die Stabilisierung der makroökonomischen Indikatoren notwendig sein, um wenigstens ein gewisses Grundvertrauen der internationalen Anleger wieder herstellen zu können. Aufgrund der starken Kursverluste der Währung in den vergangenen Wochen ist dieses deutlich angeschlagen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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