Devisenmarkt

Der Yuan wird langsam stärker

Von Claus Tigges

Das Erdbeben in China versetzte auch die Finanzmärkte in Unruhe und beunruhigte viele Privatanleger wie hier in Schanghai

Das Erdbeben in China versetzte auch die Finanzmärkte in Unruhe und beunruhigte viele Privatanleger wie hier in Schanghai

13. Mai 2008 Und er bewegt sich doch: Der chinesische Yuan ist in diesen Tagen so teuer wie noch nie seit der Aufgabe der ganz festen Wechselkursbindung an den Dollar im Sommer 2005. Zu rund 6,99 Yuan je Dollar wird der Wechselkurs derzeit von der chinesischen Regierung angegeben, deutlich stärker als zu Zeiten der starren Anbindung im Verhältnis 8,28 Yuan je Dollar. Etwa 4,5 Prozent hat die chinesische Währung damit unter der Kontrolle der Regierung in Peking seit Jahresbeginn aufgewertet, im vergangenen Jahr waren es 7 Prozent.

Über die Geschwindigkeit der Aufwertung wird seit langem heftig gestritten; vor allem die Amerikaner dringen auf eine schnellere Flexibilisierung des Wechselkurses. Der chinesische Notenbankgouverneur Zhou Xiaochuan hat jüngst bekräftigt, dass China seinen enormen Exportüberschuss verringern müsse, damit weniger Geld in die Wirtschaft drücke und die heimische Inflation antreibe.

China will die Inflation zähmen

Viermal schon hat die chinesische Zentralbank in diesem Jahr die Mindestreserveanforderungen für die Geschäftsbanken erhöht in dem Bemühen, den Preisauftrieb auf diese Weise im Zaum zu halten. Gleichwohl ist die Verbraucherpreisinflation in China mit rund 8,5 Prozent so hoch wie seit rund 11 Jahren nicht mehr. „Auf der einen Seite müssen wir den privaten Konsum anregen, auf der anderen Seite müssen wir verhindern, dass die Nachfrage die Inflation weiter anheizt“, sagte Zhou.

Carl Weinberg, Chefvolkswirt der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York, weist darauf hin, dass sich seit dem Sommer 2005 die Zuwachsraten des Imports aus China in die Vereinigten Staaten kontinuierlich verlangsamt haben. Im März habe die Einfuhr von Waren und Dienstleistungen aus China sogar unter dem Niveau des Vorjahres gelegen - zum zweiten Mal innerhalb der zurückliegenden zehn Jahre.

Chinesische Produzenten tragen die Last der Aufwertung

„Falls es das Ziel der Aufwertung war, den Anteil des chinesischen Imports in Amerika zu bremsen, so ist dieses Ziel erreicht worden“, sagt Weinberg. Der verhältnismäßig stärkere Yuan habe sich aber nicht nachteilig für amerikanische Verbraucher ausgewirkt; stattdessen hätten die amerikanischen Importeure keine Erhöhung der Dollar-Preise zugelassen und auf diese Weise die Last auf die chinesischen Produzenten abgewälzt.

„Chinesische Exporteure reagieren darauf durch eine verstärkte Ausfuhr in den Euro-Raum. Denn der Yuan hat zum Euro abgewertet, so dass sich die Gewinnmargen für sie verbessert haben“, sagt Weinberg.

Unterdessen hat der Euro seine Korrekturbewegung zum Dollar nicht weiter fortgesetzt, sondern sich wieder ein wenig von seinen jüngsten Tiefstkursen um 1,53 Dollar je Euro erholt. Am Dienstag wurden Kurse um 1,5470 Dollar je Euro genannt, was freilich immer noch ein gutes Stück unter dem Rekordniveau von etwas mehr als 1,60 Dollar je Euro ist.

Auf die Notenbanken kommt es an

Wohin die Reise das Austauschverhältnis der beiden führenden Währungen in den nächsten Wochen führt, hängt ganz wesentlich vom Kurs der beteiligten Notenbanken, der Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB), ab. Sollte sich hier ein Zusammenschmelzen des Euro-Zinsvorsprungs abzeichnen dadurch, dass die Fed wie beabsichtigt eine Pause in der Zinssenkungsrunde einlegt und die EZB unter dem Eindruck einer schwächer werdenden Konjunktur vielleicht doch den Euro-Leitzins senkt, dann dürfte der Dollar weitere Kursgewinne verbuchen.

Sollte sich hingegen herausstellen, dass die Fed zur Stabilisierung der Wirtschaft den Geldhahn noch weiter aufdreht, während die Euro-Wirtschaft verhältnismäßig stabil bleibt, dann spräche dies gewiss eher für den Euro.

Auf dem Terminmarkt jedenfalls ist jüngst die Stimmung zugunsten des Dollar umgeschlagen: Zum ersten Mal seit Ende 2005 wetten wieder mehr Investoren auf weitere Kursgewinne der amerikanischen Währung als auf Kursverluste. Es gibt also erstmals seit vielen Monaten wieder mehr Netto-Kaufpositionen als Netto-Verkaufspositionen für den Dollar auf dem Terminmarkt. Darin spiegelt sich die Erwartung, dass die Fed den Leitzins auf der nächsten Sitzung des geldpolitischen Rates Ende Juni stabil halten wird. Das mag sich freilich bis dahin ändern.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

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