10. April 2008 Die Marktteilnehmer an den Devisen- und Rohstoffmärkten scheinen die Standfestigkeit der Europäischen Zentralbank testen zu wollen. Denn im Rahmen der Entscheidung über den Leitzins am Donnerstag ist der Euro gegen den Dollar auf ein Rekordniveau von 1,5912 Dollar gestiegen. Die Umsätze seien jedoch niedrig, heißt es aus dem Handel, es gebe keinen konkreten Auslöser für diese Kursbewegung.
Die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus, dass der Leitzins in Europa aufgrund der hohen Inflationsrate und des anhaltenden Preisdrucks in weiten Teilen der Wirtschaft auf absehbare Zeit bei vier Prozent bleiben wird. Auf der anderen Seite rechnen sie in den Vereinigten Staaten aufgrund der Wirtschaftsschwäche mit tiefen oder weiter fallenden Zinsen.
Schwacher Dollar - Preisauftrieb bei Energie und Rohstoffen
Diese Zinserwartungen bringen die amerikanische Währung immer wieder in die Defensive, obwohl das um das Öl bereinigte Handelsbilanzdefizit Amerikas deutlich zurückgeht und obwohl die Direktinvestitionen aus dem Ausland zunehmen. Die Übernahme von Millennium durch Takeda ist der aktuellste Beleg dafür.
Der schwache Dollar sorgt auf der anderen Seite bei den in Dollar gehandelten Rohstoffen für Preisauftrieb. So ist der Preis für ein Barrel Öl der Sorte WTI am Donnerstag auf 111,41 Dollar gestiegen. Das ist das höchste Niveau aller Zeiten. Die Märkte zeigten deutlich ihre Enttäuschung über die amerikanischen Lagerdaten, heißt es. Die Lagerbestände seien überraschend gefallen. Dabei sollten solche Daten kritisch betrachtet werden, zumal sie im Rahmen der Entwicklung in der Vergangenheit liegen und zumal sie mit der konjunkturellen Entwicklung deutlich kontrastieren. Aufgrund der schlechten konjunkturellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten rechnen wir für die kommenden Monate aber nach wie vor mit einer Schwäche der Ölnachfrage, erklären beispielsweise die Analysten der Deka-Bank.
Die Erklärungen für den Ölpreisanstieg der vergangenen sieben Tage seien - mit Ausnahme der Lagerdaten - nicht einfach zu finden. Die einzige nennenswerte Ölnachricht sei von der Opec gekommen, die signalisiere, dass sie bis zum nächsten geplanten Treffen im September keine Sondersitzung einzuberufen gedenke und somit an der Quotenschraube auch in den nächsten Monaten nicht drehen werde. Dies dürfte jedoch für die Märkte keine große Überraschung gewesen sein, zumal die Opec den Markt ausreichend versorgt sieht.
Kurzfristiger Widerspruch zwischen Konjunkturerwartungen und Preisentwicklung bei Rohstoffen
So liegt mit Blick auf eine ähnliche Konstellationen an anderen Rohstoffmärkten - zum Beispiel bei den Edelmetallen - die Vermutung nahe, der Preisauftrieb werde kurzfristig vor allem von spekulativen Marktteilnehmern verursacht. Entsprechende Phänomene lassen sich am Aufbau ausgeprägter Positionen an den Terminmärkten und in den Lagern von Rohstofffonds ablesen. Möglicherweise wetten manche Marktteilnehmer auch schon auf die anstehende Hurrikan-Saison, die für allerlei Meldungen sorgen dürfte, die den spekulativ sensibilisierten Markt alleine aufgrund des bestehenden Trends und des immer wieder durchscheinenden Wirtschaftsoptimismus weiter bewegen können.
Um so deutlicher könnten mittelfristig denkbare Korrekturen ausfallen, sollte die amerikanische Konjunkturschwäche deutlicher ausfallen und länger dauern, als bisher erwartet wird. Die längerfristigen Erwartungen sind eine anderen Sache. Dort dürfte die Tatsache eine Rolle spielen, dass die Produktions- und Extraktionskosten von Energie und Rohstoffen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind. Aus diesem Grund sind hohe Preise nötig, um die die Versorgung zu gewährleisten.
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Text: @cri
Bildmaterial: DekaBank, F.A.Z., FAZ.NET, Goldman Sachs Commodity Research, Nymex, BLS, Goldman Sachs Research, Sarasin