02. Juni 2005 Stand das Ende des vergangenen Jahres noch im Zeichen einer allgemeinen Dollarschwäche, so hat sich das Bild in den vergangenen Wochen nach einer Zwischenzeit der Konsolidierung deutlich gewandelt. Denn der Dollar erholte sich von seiner Schwächephase ein Stück weit.
Die Entwicklung fing damit an, daß die amerikanische Währung auf tiefem oder kurstechnisch auf hohem Niveau gegen den Euro konsolidierte, schließlich aufholte und den im Jahr 2002 etablierten Abwertungstrend und auch den gleitenden 200-Tagesdurchschnitt durchbrach. In jüngster Zeit ging der Euro gegen den Dollar sogar in den freien Fall über und hat mit Kursen von bis zu 1,2160 Dollar je Euro am Mittwoch im späten amerikanischen Handel den tiefsten Stand seit Oktober des vergangenen Jahres erreicht. Damit steckt die europäische Einheitswährung auch in einer massiven Unterstützungszone.
Devisenmarkt spielt kurzfristig die Zinsdifferenz ...
Hintergrund dieser Gesamtentwicklung ist zunächst die Tatsache, daß in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten die Leitzinsen Schritt für Schritt erhöht wurden, während sie in Europa nicht nur konstant blieben. Auf Grund der flauen Wirtschaftsentwicklung in den Kernländern scheint eine Zinserhöhung vorerst nicht absehbar zu sein, auch wenn die Geldmenge hoch und die Realzinsen tief sind.
Mit drei Prozent liegt der amerikanische Leitzins und ein Prozentpunkt über dem europäischen. Das scheint einige spekulative Anleger dazu zu verleiten, die Zinsdifferenz zwischen Amerika und Europa zumindest kurzfristig auszunutzen. Mit dieser Strategie spekulieren und spekulierten sie auch auf einen stärkeren Dollar. In den vergangenen Wochen dürften sie damit richtig gelegen haben.
Dabei dürfte aber auch eine abnehmende Risikoneigung der internationalen Anleger eine Rolle gespielt haben. Sie war unter anderem ausgelöst worden durch deutliche Gewinnwarnungen bei Ford und General Motors, woraufhin die Anleihen der beiden Unternehmen auf Ramschstatus heruntergestuft wurden. Aus diesem Grund reduzierten einige Anleger ihre Bestände an risikolastigen Anleihen. Seien es Unternehmensanleihen oder Rentenpapiere von Schwellenländern. Das führte dazu, daß die Währungen in einigen dieser Staaten deutlich korrigierten, nachdem sie in den vergangenen Jahren sowohl gegen Dollar als auch gegen den Euro zugelegt hatten.
... aber auch Risikoaversion und Europa-Turbulenzen spielen eine Rolle
Diese Beobachtung gilt insbesondere für den Südafrikanischen Rand, aber auch für die osteuropäischen Währungen. Dagegen konnten die südamerikanischen, aber auch die asiatischen dun arabischen Währungen in den vergangenen Wochen zusammen mit dem amerikanischen Dollar gegen den Euro aufwerten. Das heißt, die Welt war in den vergangenen Wochen zweigeteilt in einen großen Dollarblock und in einen kleineren Euroblock.
Die Entwicklung am Devisenmarkt dürfte in jüngster Zeit mitgeprägt worden sein von der Ablehnung der europäischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden und den dadurch ausgelösten Unsicherheiten. Sie könnten möglicherweise noch so lange anhalten, bis klar wird, welche politischen Kräfte sich in den Kernstaaten Deutschland und Frankreich in den kommenden Monaten durchsetzen werden und welche Strategie sie verfolgen werden.
Sollten sie zu protektionistischen Maßnahmen neigen, dürfte das der Stimmung nicht sonderlich förderlich sein. Wird jedoch klar, daß sich wirtschafts- und finanzpolitisch in den kommenden Monaten etwas bewegen wird - und zwar verläßlich und in die richtige Richtung -, dann dürfte sich auch der Euro wieder fangen.
Gleichzeitig dürften auch die Schwächen der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik mit ihren bisher wachsenden Defiziten wieder ins Gedächtnis der Märkte zurückkommen. Sollte gleichzeitig auch China und damit die asiatische Region ihre Währungen flexibilisieren, dürfte es auch dort zu zum Teil deutlichen Aufwertungen kommen. Denn die Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse müssen früher oder später dazu führen.
Insgesamt ist es zwar durchaus möglich, daß die Märkte versuchen könnten, den Euro weiter zu drücken. Er ist im Moment jedoch charttechnisch stark gestützt. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis er gegen den Dollar einen Boden findet und bis er endlich gegen die asiatischen Währungen etwas nachgeben kann. Das dürfte auch den Marktteilnehmern am Devisenmarkt klar sein. Angesichts der fundamentalen Entwicklung muß man auch als Euro-Pessimist immer damit rechnen, daß sich der Markt schnell dreht. Bei spekulativen Positionen sind straffe Absicherungsstrategien gefragt.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.104,50 $ | +1,77% |
| Silber | 17,30 $ | +2,37% |
| Platin | 1.456,00 $ | +4,22% |
| Palladium | 377,00 $ | +6,20% |
| Rohöl Brent Crude | 76,10 $ | +0,86% |
| Gas | 0,33 £ | 0,00% |
| Kaffee | 1,39 $ | −2,76% |
| Zucker | 0,27 $ | --% |
| Orangensaft | 1,32 $ | −0,26% |
| AMEX GOLD BUGS | 438,37 | +0,39% |
| AMEX OIL | 1.077,20 | +0,60% |
| Rogers International | 22,37 | 0,00% |
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