Schwellenländer

Polnische Währung und Anleihen unter Druck

26. Oktober 2005 Aufgrund der anhaltenden Konvergenzphantasie, des internationalen „Anlagenotstandes“ haben sich die polnischen Finanzmärkte bis vor kurzem gut entwickelt. Sowohl Rentenmärkte als auch die Börse strebten in einem anhaltend positiven weltwirtschaftlichen und Börsenumfeld nach oben.

Die Rendite der polnischen Staatsanleihe mit einem Kupon von 6,25 Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren fiel bis auf 4,418 Prozent vor vier Wochen. Damit hatte sich das Papier des östlichen Nachbarlandes bis auf 1,4 Prozentpunkte an das damalige Niveau deutscher Papiere mit einer vergleichbaren Laufzeit herangearbeitet. Inzwischen kam es allerdings zu einer Gegenbewegung, die die Rendite für zehnjährige Papiere in Polen wieder auf inzwischen 5,098 Prozent anziehen ließ. Die Anleihe hat alleine am Mittwoch 1,77 Prozent ihres Wertes auf zuletzt 108,85 Prozent verloren.

Korrektur am Rentenmarkt, der Börse und am Devisenmarkt

Ähnlich sieht auch die Entwicklung an der polnischen Börse aus. Seit März des Jahres 2003 kannte der Index nur eine Richtung, nämlich die nach oben. Ausgehend von einem Zwischentief bei 13.420 Punkten legte der Index bis zu 156 Prozent zu. Allerdings kam es in den vergangenen Tagen auch hier zu einer gewissen Gegenbewegung. Am Mittwoch liegt der Index knapp sechs Prozent unter seinem Allzeithoch.

Von diesen Entwicklungen konnte lange Zeit auch die polnische Währung profitieren, da sich ausländische Anleger für die Wertpapiere des Landes interessierten und sie nur über den Erwerb der Währung kaufen konnten. Das führte dazu, daß der Zloty von 4,9453 Zloty je Euro im Februar des vergangenen Jahres auf bis zu 3,8568 Zloty je Euro erholen konnte. Allerdings kommt es auch hier zur Ausbildung eines Kursbodens und zu Anzeichen für eine Gegenbewegung. Alleine am Mittwoch verliert der Zloty gegen den Euro knapp 1,3 Prozent oder etwas mehr als 500 Stellen auf 3,9794 Zloty je Euro.

Hintergrund ist einerseits die in den vergangenen Tagen aufkommende Risikoaversion der internationalen Anleger, die unter anderem durch aufgekommene Inflationsängste ausgelöst wurde. Allerdings ist auch ein Teil der Entwicklung „hausgemacht“. Denn nach den vergangenen Wahlen scheint es Schwierigkeiten zu geben, eine stabile Regierung bilden zu können. Und genau das macht die Märkte nervös. Denn ähnlich wie Ungarn hätte das Land eine starke Regierung mit einer sicheren Mehrheit nötig, um die schon lange immer wieder aufgeschobenen und immer überfälliger werdenden Reformen und Sparmaßnahmen umzusetzen.

Entspannung erst bei stabiler Regierung und verflüchtigtem Inflationsgespenst absehbar

Denn das Land lebt über seine Verhältnisse. Es müßte seine Wirtschaft effizienter gestalten, Staatsunternehmen privatisieren und Sozialausgaben beschränken um für mehr Wachstum zu sorgen und die Arbeitslosigkeit reduzieren zu können. Nur mit einer besseren Ausgabendisziplin dürften die Kriterien erfüllt werden können, die Bedingung für die Einführung des Euro sind. Erst dann wäre das Land auch in die Europäische Union integriert.

Sollte die Regierungsbildung scheitern, rechnen Experten mit einer weiteren Verkaufswelle am Rentenmarkt des Landes. Das dürfte auch die Währung weiter in die Defensive bringen. Erleichterung und damit wieder mehr Interesse an den Anleihen und der Währung des Landes dürfte sich erst dann wieder abzeichnen, wenn das Land eine stabile, handlungsfähige Regierung mit einem überzeugenden, marktfreundlichen Konzept hat und wenn sich gleichzeitig das internationale Inflationsgespenst etwas verflüchtigt hat. Denn dann könnten Anleger wieder etwas mehr Appetit auf riskantere Anlagen verspüren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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