Agrarrohstoffe

Der Kaffeepreis tendiert nach oben

23. Oktober 2007 Nach mehreren Jahren mit fallenden Preisen hat der Kaffeepreis gemessen an der Sorte Robusta im Dezember des Jahres 2001 vorläufig einen Boden gefunden und danach wieder einen Aufwärtstrend etabliert.

An der Terminbörse Liffe in London hat der generische Terminkontrakt ausgehend von einem Tief bei 365 Dollar Tonne inzwischen um 492 Prozent auf zuletzt 2109 Dollar je Tonne zugelegt. Der Trend zeigt zumindest aus technischer Sicht weiterhin nach oben.

Markt spekuliert auf adverse Wetterbedingungen in den Anbaugebieten

Hinter der Preisentwicklung in den vergangenen Monaten dürften mehrere Faktoren gestanden haben. Erstens berichtete die internationale Kaffeeorganisation in ihrer aktuellsten Markteinschätzung im September von spekulativen Preisbewegungen, die von adversen Witterungsbedingungen in den verschiedenen Anbaugebieten ausgegangen seien.

Dazu habe ein Erdbeben in Indonesien ebenso gezählt wie eine Trockenheit in Brasilien sowie starke Regenfälle und Fluten in vielen Staaten Afrikas, Zentral- und Nordamerikas und Asiens. Während die Kaffeeexporte in den ersten elf Monaten des von Oktober bis August währenden Kaffeejahres in der Saison 2006/07 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 10,7 Prozent auf 89,47 Millionen gestiegen waren, seien sie im August im Vergleich mit dem Vorjahr um 12,56 Prozent von 8,73 Millionen Säcken auf 7,64 Millionen Säcke gefallen. Der Rückgang sei regional vor allem auf geringere Ausfuhren Brasiliens und Vietnams zurückzuführen.

Nach Angaben der International Coffee Organization wird Kaffee der Sorte Robusta vor allem im brasilianischen Bundesstaat Espirito Santo angebaut. Arabica hingegen dominiert in den Bundesstaaten Minas Gerais und Sao Paulo. Alle drei Regionen im Südosten Brasiliens waren im laufenden Jahr von starker Trockenheit betroffen, die sich erst in jüngster Zeit etwas abgemildert hat. Die Knappheit in Brasilien belaste die Märkte sowohl für Kaffee der Sorte Robusta als auch für Arabica-Bohnen, hieß es im Markt.

Gesamte Ernte geht in den Verbrauch

Die gesamte Ernte gehe in den Verbrauch. Jede Angebotsverknappung werde sich an den Märkten sofort niederschlagen, hieß es weiter. Einzelne Marktforschungsinstitute gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Kaffee in der kommenden Saison das Angebot um etwa eine Million Säcke übersteigen werde. Auf Basis solcher Prognosen dürfte kaum verwundern, dass spekulative Marktteilnehmer verstärkt auf den bestehenden Trend setzen. Genau das zeichnete sich an den jüngsten Daten an den Terminbörsen ab, die starke offene Positionen von Spekulanten auswiesen, während sich die Produzenten eher auf der Verkäuferseite befanden. Sie dürften das gegenwärtige Preisniveau als gute Gelegenheit nutzen, um sich gegen fallende Preise anzusichern.

Abgesehen von den kurzfristigen Preisbewegungen, die unter anderem auch durch die allgemeine Dollarschwäche ausgelöst sein mögen, spricht mittelfristig auch der zunehmende Wohlstand weltweit für eine zunehmende Nachfrage nach Kaffeeprodukten. Er führte in der Vergangenheit zu einem vermehrten Verbrauch von Genussmitteln. Genau dieser Trend wird noch verstärkt durch Ketten wie Starbucks oder auch McDonald's, die ihren Kunden immer mehr „trendige“ Kaffeeprodukte anbieten. Das tun sie unter anderem deswegen, weil sie dafür offensichtlich Premiumpreise verlangen können.

So spricht gegenwärtig einiges dafür, dass der Kaffeepreis eher nach oben als nach unten tendieren wird, auch wenn die Lagerbestände an den Terminbörsen im Moment vergleichsweise hoch zu sein scheinen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, GFDL

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