Devisenmarkt

Island versucht die Krone mit Zinserhöhung zu stabilisieren

25. März 2008 Mit Kursgewinnen von etwas mehr als sechs Prozent auf 74,40 Kronen je Dollar und etwas mehr als vier Prozent auf 116,40 Kronen je Euro macht am Dienstag die isländische Krone auf sich aufmerksam. Die Aufschläge sind einerseits auf den kurzfristigen Stimmungswandel an den Finanzmärkten zurückzuführen. Andererseits versucht die Zentralbank des kleinen Landes, den Kurs der Währung zu stabilisieren, nachdem dieser in den vergangenen Wochen massiv unter Druck gestanden hatte.

So hat die isländische Zentralbank ihre Geldpolitik am Dienstag deutlich gestrafft. Sie erhöhte den Leitzins um 125 Basis- oder 1,25 Prozentpunkte auf 15 Prozent. Die Inflation sowie die Inflationserwartungen seien höher als erwartet, und die Landeswährung habe unerwartet deutlich abgewertet. Daher sei es notwendig, auch weiterhin eine „sehr straffe Geldpolitik zu verfolgen“, erklärte die Notenbank.

Erholung von massiven Kursverlusten

Solche Äußerungen dürften kaum verwundern. Die Krone hatte im Rahmen der Kreditkrise gegen den Euro seit Oktober des vergangenen Jahres zwischenzeitlich mehr als 40 Prozent und gegen den schwachen Dollar mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Auf diese Weise wurden die Risiken offensichtlich, die mit der Geldanlage in einem kleinen engen Markt verbunden sind.

Hatte die isländische Währung aufgrund der hohen Zinsen im Rahmen des allgemeinen Booms an den Finanzmärkten aufwerten können, so macht sich die vergleichsweise geringe Liquidität des Marktes immer dann in Form massiver Kursbewegungen bemerkbar, wenn es zu Gewinnmitnahmen kam. Das zeigte sich vorübergehend im Jahr 2006 und wiederholt sich nun im Jahr 2008. Vor zwei Jahren konnte sich die Krone nach der Abwertung rasch wieder erholen. Auch diesmal ist eine gewisse Erholung alleine schon aus technischen Gründen zu erwarten. Allerdings dürfte es ratsam sein, den Optimismus nicht zu überstrapazieren.

Immerhin sind aufgrund der Kreditkrise risikoreiche und möglicherweise auch noch kreditfinanzierte Anlagestrategien nicht mehr so leicht finanzierbar wie noch vor einem Jahr. Aus diesem Grund dürften sich die Anleger genau überlegen, welche „Wetten“ sie eingehen können und wollen. Selbst ein Zinsvorsprung von etwas mehr als zehn Prozentpunkten hat nur bedingte Reize, wenn der Anleger mit ausgeprägten Unsicherheiten auf der Währungsseite rechnen muss.

Wechselkurs wird von Kapitalströmen stark beeinflusst

Die Volatilität ist begründet. Der Wechselkurs der Krone wird stark von Kapitalströmen beeinflusst. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres floss netto massiv Kapital aus dem Land ab und führte zusammen mit einer seit Jahren negativen Handelsbilanz zu einem ausgeprägten Zahlungsbilanzdefizit. Das macht sich schlecht, zumal durch die Abwertung auch die Bilanzen der stark verschuldeten Privathaushalte und Unternehmen belastet und die Inflation nach oben getrieben wird. Nach Informationen der isländischen Zentralbank lag die Inflationsrate im Februar bei 6,8 Prozent und damit bei steigender Tendenz deutlich über dem angestrebten Ziel von 2,5 Prozent.

Auf dieser Basis dürften weitere Zinserhöhungen kaum überraschen, da die Zentralbank bemüht ist, auf diese Weise das Vertrauen in die Währung wieder herzustellen. Kurzfristig mag das der Währung helfen, sofern spekulative und professionelle Anleger wieder vom Zinsvorsprung angelockt werden sollten. Der Privatanleger jedoch sollte sich fragen, ob er die damit verbundenen Risiken tragen möchte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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