Devisenmarkt

Yen und Franken auf neuen Rekordtiefs

18. Juni 2007 Chart- und Markttechniker werden von fundamentalen Analysten immer wieder einmal aufgezogen. Langfristig zähle nur der Wert einer Anlage, charttechnische oder ähnliche Analyseansätze dagegen seien vergleichbar mit dem Lesen im Kaffeesatz und damit nutzlos, so ihr Argument.

Solche Argumente klingen vernünftig. Sie haben allerdings einen Haken: Sie lassen sich in der Realität immer wieder widerlegen. Typische Beispiele lassen sich schon seit Wochen am Devisenmarkt finden. So zum Beispiel die Kursentwicklung des Schweizer Frankens und des Yen gegen den Euro.

Yen und Franken werten im Trend gegen den Euro ab

Beide sind gemessen an Bewertungstheorien wie der Kaufkraftparität im Vergleich mit der europäischen Einheitswährung unterbewertet und müssten aus diesem Grund zumindest theoretisch an Wert gewinnen. Trotzdem werten sie schon seit Jahren im Trend gegen den Euro ab. Am Montag erreicht die japanische Währung mit 165,63 Yen je Euro ebenso ein neues Allzeittief, wie der Franken mit Kursen von bis zu 1,6636 Franken je Euro.

Die Erklärung dafür ist relativ einfach. Erstens fühlen sich die Marktteilnehmer in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit durch die Stabilität dieser Trends dazu ermutigt, sie immer weiter fortzuführen. Zum anderen spielt nicht nur die Bewertung an sich eine Rolle, sondern die Erwartung, wie sie sich in der Zukunft entwickeln wird. Und genau an diesem Punkt kommen sowohl die Zinsdifferenzen als auch die Zinserwartungen ins Spiel.

Da das Zins- und Renditeniveau sowohl in Japan als auch in der Schweiz deutlich tiefer ist, als jenes in anderen Teil der Welt, liegt bei Anlegern in der Schweiz und in Japan in einem Umfeld mit niedrigen Volatilitäten am Devisenmarkt die Überlegung, Gelder ins Ausland zu transferieren, um sie dort rentierlicher „arbeiten“ zu lassen. Ausländische Anleger refinanzieren sich günstig, um mit den Geldern zu spekulieren.

Solche Strategien haben vor allem die Währungen in Hochzinsländern wie Neuseeland, Australien, Südafrika, Brasilien oder der Türkei ohne Rücksicht auf die strukturellen Probleme der jeweiligen Länder nach oben getrieben. Selbst Interventionen der brasilianischen und neuerdings auch der neuseeländischen Zentralbank scheinen gegenwärtig dagegen nicht ankommen zu können. Sie schaden nicht nur nicht der Stimmung, sondern sie scheinen von den Anlegern geradezu als Kaufgelegenheiten wahrgenommen zu werden.

Europäische Zentralbank hält die Zinserwartungen „warm“

Aber nicht nur diese Staaten haben immer mehr Probleme mit dem relativ einseitigen Aufwertungsdruck. Sondern auch Europa. Die europäische Zentralbank hält die Zinserwartungen „warm“: Die Inflationsrate im Euro-Raum könnte nach den Worten von EZB-Ratsmitglied Nicholas Garganas in diesem Jahr höher ausfallen als bisher erwartet. „In Anbetracht des kräftigen Wachstums in der Euro-Zone ist ein stetiger Anstieg der Inflation in diesem Jahr zu erwarten. Die Gefahr einer unerwartet höheren Inflation in der Euro-Zone ist in diesem Jahr zu erkennen“, sagte der griechische Notenbankchef am Montag bei einer Pressekonferenz in Athen. Zudem bekräftigte er die jüngste Stellungnahme des EZB-Rates, wonach die Zentralbank das Nötige tun will, damit die Inflationsrisiken nicht Realität werden. Die EZB hatte in diesem Monat den Leitzins zum achten Mal seit Ende 2005 um 25 Basispunkte auf nunmehr vier Prozent angehoben. Sie wird nach Ansicht von Analysten mindestens noch einmal im September den Zins erhöhen, um die Inflation während des Aufschwungs im Zaum zu halten.

Diese Erwartung steht im Gegensatz zum Blick auf die Entwicklung in der Schweiz und Japan. Denn dort zeigen sich die Zentralbanken relativ zögerlich. So dürfte es kaum verwundern, dass die Anleger die in der Vergangenheit so erfolgreichen Strategien immer wieder „auffrischen“. Solche Tendenzen werden verstärkt durch Diversifikationsbestrebungen institutioneller Anleger. Die konjunkturelle Schwäche Amerikas ist dem Vertrauen in den Dollar nicht gerade förderlich. Da jedoch unterbewertete Währungen entweder einen unnatürlich tiefen Zins wie der Yen (siehe: „Japan hat eine falsche Geld- und Fiskalpolitik“, „Hausfrauen-Baisse“ des Yen und „G8 sollte über unterbewertete Währungen reden“) und der Franken bieten oder da sie an den Dollar gebunden sind, bleiben als „Aufwertungsventile“ nur der Euro und einige „kleinere“ Währungen. Fragt sich nur, wann die starke Währung in Europa die Konjunktur abwürgen wird, da die Exporte nicht mehr wettbewerbsfähig sein werden. Spätestens dann werden die gegenwärtig noch anhaltenden Trends brechen und über steigende Volatilitäten zu einer Konfusion an den Märkten führen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BNP Paribas/Reuters Ecowin, Daten: Bloomberg, Grafik: FAZ.NET, FAZ.NET, SNB, Grafik: FAZ.NET

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