21. November 2007 Die anhaltende Aufwärtsbewegung des Rohölpreises und die Annäherung an die magische Marke von 100 Dollar je Barrel Öl der Sorte West Texas Intermediate verblüfft immer mehr Marktteilnehmer. Denn fundamental scheint sich diese Entwicklung, die am Mittwoch auf Spitzenpreise von bis zu 99,29 Dollar je Barrel im Januarkontrakt der New York Mercantile Exchange führten, nicht begründen zu lassen.
Die amerikanische Rohöllagerbestände seien in der vergangenen Woche zwar wider Erwarten um 1,1 Millionen Barrels gefallen und die Benzinvorräte befänden sich weiterhin in einer Seitwärtsbewegung. Das Niveau der Heizöl- und Diesellagerbestände sei jedoch trotz des kräftigen Rückgangs um 2,4 Millionen Barrel relativ hoch, heißt es beispielsweise von Seiten der Analysten der Deka Bank.
Es gibt theoretisch genug Gründe für fallende Ölpreise
Die Reaktion des Ölpreises auf Marktnachrichten, wie zum Beispiel auf die Fed-Minutes vom Dienstagabend, verdeutlichten, dass der Ölmarkt im Moment stark dazu neige, alle nur denkbaren Nachrichten in Richtung Preisanstiege auszulegen. Dabei gäbe es genug Gründe für fallende Ölpreise. Immerhin hat die amerikanische Zentralbank ihre Wachstumsaussichten nach unten genommen und damit indirekt das bestätigt, was vorlaufende Indikatoren ebenso schon länger andeuten, wie die konsolidierenden Preise von Basismetallen.
Selbst die Positionierung an den Terminmärkten scheint nicht eindeutig zu sein. Denn kaum hatte man in den vergangenen zwei Wochen einen starken Aufbau der Netto-Long-Positionierung der Spekulanten gesehen, der endlich zur Rohölpreisentwicklung passte, fiel die Netto-Long-Positionierung überraschend und vor allem auch überraschend stark zurück . Aus diesem Grund fällt es schwer, Argumente zu finden, die belegen könnten, dass der Markt von spekulativen Kräften und nicht von der fundamentalen Angebots- und Nachfrageentwicklung getragen wird.
Ist der Ölpreis ein Indikator für eine allgemeine Dollarinflation?
Auf der anderen Seite wird nur ein kleiner Teil von Energie und Rohstoffen an den Terminbörsen direkt gehandelt oder gar gelagert. Aus diesem Grund sind solche Daten grundsätzlich kritisch und mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Denn sie sind nur bedingt dazu inter der Lage, eine verlässliche Aussage zu treffen.
Längst scheint der Ölpreis ein politischer Preis geworden zu sein. Einerseits mag er Bedenken widerspiegeln, geopolitische Ereignisse in Form von terroristischen Attacken, einer militärischen Intervention der Türkei im Irak oder ein Angriff auf Iran könnten zu einer plötzlich und deutlichen Verknappung des Angebots führen. Beispielsweise durch die Blockade der Straße von Hormuz, durch die große Teile des im Nahen Osten geförderten Öls transportiert werden.
Auf der anderen Seite dürften auch Argumente nicht von der Hand zu weisen sein, nach welchen Ölförderer bei fallendem Dollar das Angebot bewusst knapp halten, um auf diese Weise die fallende Dollar-Kaufkraft durch steigende Preise auszugleichen. Nicht nur die Kaufkraft ließe sich auf diese Weise wahren, sondern auch die noch im Boden belassenen Reserven erhielten so einen höheren Dollarwert. Insgesamt kann der Ölpreis möglicherweise als Indikator für eine allgemeine Dollarinflation dienen.
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Text: @cri
Bildmaterial: BP, Deka, F.A.Z., FAZ.NET, IEA