Stahl

Divergenz zwischen Stahlpreisen und Stahlaktien

27. März 2008 Die Lage an den internationalen Finanzmärkten ist aufgrund der Turbulenzen der vergangenen Wochen unübersichtlich geworden. Bei den Börsianern schlägt zwar immer wieder relativ rasch der Optimismus durch. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass die Anzahl der bärischen Börsenbriefe in den vergangenen Tagen rasch und deutlich abgenommen hat.

Auf der anderen Seite ist angesichts der hereinkommenden Daten unverkennbar, dass die Vereinigten Staaten sich mit großer Wahrscheinlichkeit in einer Rezession befinden. Diese dürfte deutlicher ausfallen und länger dauern, als das bisher erwartet wird. Aufgrund der weltwirtschaftlichen Verflechtung dürfte sich die restliche Welt davon kaum abkoppeln können.

Divergenz zwischen Entwicklung der Stahlpreis und der Kurse der Stahlwerte

Die im Rahmen der Kreditkrise zunehmende Wachstumsskepsis hat dazu geführt, dass zum Beispiel auch die Aktien der als zyklisch geltenden Stahlwerte deutliche Kurseinbußen hinnehmen mussten. Denn geht das Wachstum zurück, so lässt normalerweise die Nachfrage nach Energie- und Rohstoffen sowie nach Rohprodukten wie Stahl nach. Aus diesem Grund gerieten zumindest in der Vergangenheit die Rohstoffpreise in konjunkturellen Abschwungsphasen regelmäßig in die Defensive. In den vergangenen Tagen kam es zwar zu leichten Preiskorrekturen bei vielen Rohstoffen. Allerdings befinden sie sich nach wie vor auf einem hohen Niveau.

Ganz extrem ist schon seit Wochen die Divergenz zwischen Stahlpreisentwicklung und der Kursentwicklung der Stahlwerte. Sie lässt sich nach einer Analyse der Credit Suisse aus der Tatsache ableiten, dass das Wachstum der Stahlangebots von 5,6 Prozent in den vergangen zehn Monaten deutlich hinter dem Trendwachstum der Nachfrage zurückbleibt. Selbst wenn es zu einer Abkühlung der volkswirtschaftlichen Entwicklung komme, könne die Nachfrage nach Stahl aufgrund der Infrastrukturinvestitionen in den Schwellenländern um sieben Prozent zunehmen.

Bieten die optisch günstig aussehenden Aktien Kursfantasie?

Bei Stahl gebe es ein strukturelles Angebotsdefizit, das den Sektor relativ „rezessionssicher“ mache. Aus diesen Gründen seien die Stahlwerte attraktiv bewertet und böten Anlegern selbst in einem volatilen Umfeld gewisse Reize. Besonders interessant seien die Aktien von Salzgitter (KGVe's: 7,9 und 8,3 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr), Thyssen-Krupp (KGVe's: 8,5 und 7,9) sowie von Voestalpine (7,8 und 7,7). Auch die Papiere von Vallourec (9,2 und 8,7) seien noch reizvoll, heißt es in der Studie.

Dazu passen die jüngsten Meldungen vom zuständigen Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung WSM, nach denen die Auftragseingänge der deutschen Stahl- und Metallverarbeiter um 10,6 Prozent zulegten. Für das Jahr 2008 stellte der WSM ein weiteres Plus der Produktionsleistung um etwa vier Prozent in Aussicht. Die gut gefüllten Auftragsbücher der größten Kundenbranchen Automobil- und Maschinenbau, die aktuelle Kapazitätsauslastung und die eigene, sehr gute Auftragslage ließen mindestens für das erste Halbjahr eine stabile Geschäftsentwicklung erwarten, hieß es weiter.

Möglicherweise sind solche Einschätzungen angesichts der schweren Krise in den Vereinigten Staaten etwas optimistisch. Nicht nur das Wachstum kann enttäuschen, sondern die Unternehmen können oft gestiegene Energie- und Rohstoffkosten nicht unmittelbar an ihre Kunden weitergeben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Datastream, Credit Suisse, FAZ.NET

 

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