19. Juni 2007 Mit der Effizienz und der Logik der internationalen Finanzmärkte ist das so eine Sache. Langfristig mögen sie theoretisch abgeleiteten Gleichgewichtsmodellen folgen, kurz- und mittelfristig können sie zum Teil dramatisch davon abweichen.
Das zeigt sich unter anderem am internationalen Devisenmarkt. Schließlich wird er nicht nur von rein marktwirtschaftlichen Faktoren dominiert, sie sich etwa aus dem internationalen Güter- und Warenverkehr ableiten, sondern in Zeiten einer globalen Vernetzung der Märkte spielen kurz- und mittelfristige eine wesentliche Rolle.
Kapitalströme spielen eine wesentliche Rolle
Gerade in den vergangenen Jahren scheint ihre Bedeutung zugenommen zu haben. Sie zeigt sich in ausgeprägter Form in den Mittelzuflüssen, die rohstoffreiche Länder wie Kanada, Australien, Russland oder auch die südamerikanischen Staaten verbuchen konnten. Die internationalen Anleger bauen offensichtlich darauf, dass der Rohstoffboom der vergangenen Monate Bestand haben und sowohl diese Staaten und vor allem die dort tätigen Unternehmen in diesem Bereich anhaltend prosperieren würden.
Sollte sich die Weltwirtschaft trotz der starken Abhängigkeit von der Kreditexpansion im Konsumentenbereich und trotz einer ausgeprägten Schwäche der amerikanischen Konjunktur weiterhin robust entwickeln, dürften solche Annahmen eine gewisse Berechtigung haben. Die Rohstoffpreise hätten allgemein bereits hohe Niveaus erreicht, und die Bestimmungsfaktoren des Angebots könnten in einigen Bereichen Kursrückgänge unter den aktuellen Stand verursachen. Infolgedessen behalten wir unsere Renditeprognose von 6,4 Prozent bei und empfehlen weiterhin, Rohstoffe neutral zu gewichten. Wir bleiben auch bei unserer Übergewichtung von Energie, schrieben beispielsweise die Analysten von Goldman Sachs in ihrem jüngsten Bericht.
Es spielen jedoch nicht nur Finanzströme eine Rolle, die von fundamentalen Überlegungen ausgelöst werden. Sondern in den vergangenen Monaten sind die so genannten Carry Trades zunehmend beliebter geworden. So werden Transaktionen von Anlegern in Währungsräumen mit vergleichsweise tiefen Zinsen genannt, die ihre Gelder auf der Suche nach attraktiveren Renditen ins Ausland transferieren. Zum Beispiel von Japan nach Neuseeland oder von der Schweiz nach Großbritannien. Immerhin liegt der Drei-Monatszinssatz in Japan bei 1,03 Prozent, während er in Neuseeland 8,37 Prozent beträgt.
... sei es aus fundamentaler oder aus spekulativer Motivation
So dürfte es kaum verwundern, dass inzwischen selbst japanische Hausfrauen auf Zinsdifferenzen spekulieren (siehe: Hausfrauen-Baisse des Yen). Von größeren, internationalen Anlegern gar nicht zu reden, die in Japan Kredite aufnehmen, um mit den aufgenommenen Mitteln weltweit spekulieren zu können. In den vergangenen Monaten haben sie nicht nur von den Zinsdifferenzen an sich profitiert, sondern die Strategien haben in ihrer Gesamtheit auch noch dazu geführt, dass Währungen wie der Schweizer Franken und der Yen an Wert verloren, während andere wie der Neuseeland-Dollar, die isländischer Krone oder auch der brasilianische Real deutlich aufwerteten. Das heißt, die Anleger konnten gleichzeitig von beiden Effekten profitieren.
Inzwischen versuchen jedoch immer mehr Staaten, die weitere Aufwertung ihrer Währung zu verhindern oder wenigstens zu bremsen. Denn starke Währungen haben zwar den Vorteil, dass die in Dollar gemessen teuren Rohstoffpreise nicht unmittelbar auf den Binnenmarkt durchschlagen. Auf der anderen Seite verlieren jedoch die Exportunternehmen an Wettbewerbsfähigkeit. Alleine schon aus diesem Grund stoßen die Währungstrends der vergangenen Jahre immer mehr an Grenzen.
Daneben werden jedoch auch die Ungleichgewichte im Welthandel immer größer. Sie zeigen sich in Form von Leistungsbilanzdefiziten in den Vereinigten Staaten und neuerdings in Europa, sowie in den rasch zunehmenden Währungsreserven in Asien und in den rohstoffreichen Staaten. Auch diese Entwicklungen lassen sich nicht ewig fortsetzen.
In diesem Sinne können die Währungstrends noch eine Weile laufen, wie sie laufen. Es fragt sich nur, was passieren wird, wenn sich die Verhältnisse verändern und wenn möglicherweise immer mehr Anleger aus ihren Strategien aussteigen wollen. Dann dürften massive Wechselkursbewegungen nicht ausgeschlossen sein. Sehr wahrscheinlich sorgen sie auch an anderen Finanzmärkten für Turbulenzen und können das eine oder andere Risikomanagement-System sprengen, das von tiefen Volatilität und relativ festen Korrelationen ausgegangen sein mag. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die Trends aufmerksam zu verfolgen. Denn wenn sie gefährdet werden, dürften Anleger rasch reagieren müssen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET