29. April 2008 Der Euro erreichte im Rahmen des schon länger bestehenden Aufwertungstrends zwar noch vor wenigen Tagen ein Allzeithoch von 1,6018 Dollar. Neuerdings deutet allerdings einiges auf eine Kurskonsolidierung hin.
Am Dienstag liegt der Kurs immerhin knapp drei Prozent unter dem Hoch. Das mag angesichts der Kursexplosion zuvor zunächst nicht sonderlich bedeutend sein. Allerdings hat sich das makroökonomische Umfeld in den vergangenen Monaten verändert.
Kühlt sich die europäsiche Wirtschaft genügend ab, um den Preisauftrieb zu dämpfen?
Einerseits blickt die Europäische Zentralbank zwar weiterhin kritisch auf die Preisentwicklung in der Region. Auf der anderen Seite verdichten sich die Anzeichen darauf, dass sich das Wirtschaftswachstum im Euroraum künftig aufgrund Kreditkrise, der amerikanischen Wachstumsschwäche und ihren Auswirkungen abkühlen und auf diese Weise den Preisauftrieb dämpfen kann.
Der Ifo-Index deutete in der vergangnen Woche schon einmal darauf hin. Die europäischen Verbraucherpreise legten im April mit einem Plus von 2,6 Prozent auf Jahresbasis weniger stark zu, als befürchtet. Das könnte die gegenwärtige Haltung der Europäischen Zentralbank abmildern. Sie hatte in den vergangenen Monaten offensichtlich darauf gesetzt, dass die starke Währung das richtige Mittel sei, um den Preisauftrieb genügend zu dämpfen, ohne zu drastischeren Mitteln greifen zu müssen.
Inzwischen scheint der Devisenmarkt zunehmend darauf zu spekulieren, dass selbst die amerikanische Zentralbank den Zinssenkungszyklus bald beenden würde. Denn Zinssenkungen und Zinssenkungserwartungen schwächen den Dollar. Die Schwäche der Währung jedoch führt zu deutlich steigenden Energie- und Importpreisen, während der amerikanische Exportsektor und während die international stark präsenten Unternehmen des Landes davon profitieren. Nach einer Analyse der OECD lag die amerikanische Inflationsrate im März 2008 bei vier Prozent. Die Nahrungsmittelpreise sind um 4,7 Prozent gestiegen und die Energiepreise sogar um satte 17 Prozent.
Der schwache Dollar treibt in den Vereinigten Staaten die Preise
Das entzieht den amerikanischen Konsumenten unmittelbar Kaufkraft und schmälert auf diese Weise die Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung in den Vereinigten Staaten zusätzlich. Angesichts der Misere am Häusermarkt sind sie an sich schon verhalten. Um diese Entwicklung nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, dürfte die amerikanische Zentralbank daran arbeiten müssen, den Wechselkurs zu stabilisieren. Schon in den vergangenen Monaten haben einzelne Mitglieder des Zins bestimmenden Gremiums der amerikanischen Zentralbank gegen weitere Zinssenkungen gestimmt.
Nicht nur solche Faktoren spielen eine Rolle. Denn die amerikanische Wachstumsschwäche führt in Verbindung mit dem schwachen Dollar und der Kreditkrise dazu, dass die globalen, makroökonomischen Ungleichgewichte nicht mehr zu-, sondern eher abnehmen. Immerhin ist das amerikanische Handelsbilanzdefizit in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen, zumindest wenn man es um den Ölpreiseffekt bereinigt. Der Ölpreis ist zwar in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten massiv nach oben gelaufen. Allerdings ist der Markt angesichts des abflauenden Wachstums ebenso überhitzt, wie viele andere Rohstoffmärkte. Sollte auch hier die Korrektur einsetzen, würde auch das helfen, den Dollar zu stabilisieren. Immerhin wurde in der Vergangenheit ein Teil des Preisauftriebs in diesem Bereich mit dem schwachen Dollar begründet.
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Text: @cri
Bildmaterial: Dieter Rüchel, Dresdner Kleinwort Research, FAZ.NET, OECD
