28. Dezember 2007 Von November 2005 bis April 2006 hat die isländische Krone einen massiven Abwertungsschub erlebt. Davon hat sie sich bis heute nicht wirklich erholt. Aktuell notiert sie mit 1,0952 Kronen für einen Euro nur um knapp sieben Prozent über den damals erreichten Tiefstkursen.
Immerhin aber hat sich die Währung auf diesem tiefen Niveau zuletzt stabilisiert. Allerdings kam es dabei immer wieder zu volatilen Ausschlägen. Und damit muss vermutlich auch weiterhin gerechnet werden. Denn die dafür verantwortlichen volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte existieren noch immer und werden nur nach und nach abgebaut.
Inflation und Leistungsbilanz als Schwachstellen
Unter Druck gerät die Krone dabei stets dann, wenn irgendwelche Krisen in der Welt zu einer abnehmenden Risikobereitschaft unter der Anlegerschaft führen. Denn dann erinnern sich die Investoren stets der Schwachstellen in der isländischen Volkswirtschaft (auf der Habenseite können ein im dritten Quartal auf 4,1 Prozent p.a. angezogenes Wirtschaftswachstum verbucht werden sowie ein Haushaltsüberschuss von in diesem Jahr vermutlich vier Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt). Und dabei handelt es sich mit der Leistungsbilanz und der Inflation primär um zwei Faktoren. So wird sich das Defizit in der Leistungsbilanz in diesem Jahr zwar voraussichtlich gegenüber 2006 deutlich verringern, mit einem Minus von 15 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt wird es aber nach wie vor sehr hoch ausfallen.
Zur Inflationsrate schreibt die österreichische Zentralbank in einer Studie, dass sich diese im Jahr 2007 nur selten an die obere Toleranzgrenze von vier Prozent zurückbewegte. Das eigentliche Inflationsziel von 2,5 Prozent p.a. werde vielmehr nun schon seit mehr als drei Jahren nicht erreicht. Auch im Dezember lag die Teuerungsrate mit 5,9 Prozent deutlich über diesem Zielwert. Preisdruck geht dabei von den stark steigenden Nominallöhnen (plus 8,1 Prozent p.a. im Oktober) und erneut höheren Inflationsraten im Bereich Wohnen aus. Und bei der RZB geht man wegen der vorherrschenden Rahmenbedingungen davon aus, dass selbst die maximal tolerierte Grenze von vier Prozent p.a. in den kommenden Monaten kaum erreicht werden kann. Nur bei weiterhin hohen Leitzinsen und einer steigenden Kronen könnte ab der Jahresmitte die Inflation in das definierte Inflationsband zurückkehren. Ein Erreichen des eigentlichen Inflationsziels von 2,5 Prozent p.a. wird von den Analysten der RZB frühestens Ende 2008 erwartet. Im Gesamtjahr sollte laut Prognose ein Durchschnitt von 4,5 Prozent erreicht werden können.
Engagements in Währung und Anleihen etwas für hart gesottene Anleger
Der Kampf gegen die Inflation dürfte die Notenbank dazu veranlassen, den Leitzins von derzeit 13,75 Prozent zunächst bis auf weiteres aufrecht zu erhalten. Das dürfte sich wegen dem damit verbundenen Zinsvorsprung aber auch stützend auf den Kurs der Krone auswirken. Im Falle von im Jahresverlauf sinkenden Inflationsraten könnten dann auch nach Einschätzung der RZB im zweiten Halbjahr Zinssenkungen beschlossen werden, welche den Leitzins bis Jahresende bis auf rund zwölf Prozent zurückführen könnten. Wenn bis dahin über steigende Aluminiumexporte das Leistungsbilanzdefizit gesenkt werden kann, könnte die Krone die Zinssenkungen ohne größere Blessuren überstehen. Zumal der Zinsvorsprung dann noch immer beträchtlich wäre.
So gesehen könnte es sich eventuell lohnen, auf eine sich graduell befestigende isländische Landeswährung zu wetten. Auch könnte es sich in diesem Fall lohnen, auf isländische Staatsanleihen zu setzen. Schließlich werfen diese derzeit etwa in Form der bis zum 17. Juni 2009 laufenden und einen Kupon von 13 Prozent aufweisenden Kronen-Anleihe der Landwirtschaftlichen Rentenbank (Isin: XS0333212016) eine Rendite von 13,3 Prozent auf. Doch wer sich auf dieses Spiel einlässt, braucht gute Nerven und muss im Bedarfsfall auch bereit sein, Positionen schnell glatt zu stellen. Denn es erscheint nicht zu gewagt zu sein, für die isländische Krone eine auch weiterhin volatile Kursentwicklung vorherzusagen.
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Text: @JüB
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