Schweiz

Franken und SMI-Index haben sich im abgelaufenen Jahr schwer getan

21. Dezember 2007 Ungewohnt schrille politische Töne waren zuletzt aus der sonst als Konsensgesellschaft bekannten Schweiz zu vernehmen. Speziell bei der Frage, wie mit den in der Schweiz lebenden Ausländern umgegangen werden soll, zeigten sich tiefe Gräber zwischen den unterschiedlichen Lagern. Und die Auseinandersetzungen gipfelten unlängst sogar in einer Abwahl des Regierungsmitglieds Christoph Blocher.

Ebenfalls turbulent ging es in den vergangenen Wochen bei den Schweizer Banken zu. Allen voran die UBS hat wegen der Kreditkrise mit großen Problemen zu kämpfen und das Eingeständnis des größten Schweizer Kreditinstituts, wonach man insgesamt rund 15 Milliarden Franken abschreiben muss, war schon ein echter Schocker. Alles das, zusammen mit den allgemein schwächelnden Weltbörsen trug dazu bei, dass der die 20 größten Standardwerte enthaltende SMI Index (mehr als ein Drittel der 20 Indexmitglieder sind Banken oder Versicherungen) aktuell mit 8.440 Punkten verglichen mit dem Stand zum Jahresende 2006 leicht im Minus liegt.

Bei den Nebenwerten fällt die Bilanz, wie der Blick auf den SMI Small Cap Index zeigt, zwar etwas besser aus, als echtes Erfolgsjahr wird das Börsenjahr 2007 aber nicht mehr in die Annalen der Schweizer Börse eingehen. Das anders als in den Vorjahren eingetrübte Bild lässt sich auch an den Charts erkennen. Die Aufwärtstrends sind ins Stocken geraten und es ist noch keineswegs ausgemachte Sache, dass die Kurse aus den jüngsten Seitwärtstrends nach oben und nicht nach unten ausbrechen werden.

Seitwärts bewegte sich zuletzt auch der Schweizer Franken, wobei es hier in den vergangenen Wochen sehr volatil zuging und unter dem Strich für dieses Jahr bisher eine kleine Abwertung gegenüber dem Euro von rund 1,61 auf 1,66 Franken zu Buche steht. Geprägt wurde das volatile Kursgeschehen jüngst vor allem von den Carry Trades. Der Schweizer Franken eignet sich zur Durchführung dieser Operation gut, weil dafür niedrige Zinsen die Voraussetzung sind und je nach dem, ob gerade Carry Trades auf- oder abgebaut werden, gab die Schweizer Landeswährung nach oder legte zu. Und nachdem die Schweizer Notenbank zuletzt wegen der Kreditkrise von ihren Zinserhöhungsplänen etwas abgerutscht ist, dürfte das Spiel der Carry Trades mit Hilfe des Franken auch noch eine Weile funktionieren. Deshalb sind die Chancen für einen Fortbestand des langfristigen Abwärtstrends zulasten des Franken gegenüber dem Euro höher als ein Trendwechsel.

Volkswirte relativ zuversichtlich für die Konjunktur in der Schweiz gestimmt

Daran ändern vermutlich auch die robusten volkswirtschaftlichen Gegebenheiten nichts, zumal diese auch in der jüngeren Vergangenheit nicht allzu viel bewirkten zugunsten des Franken. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen die heimischen Banken zu kämpfen haben, kann aber jedenfalls konstatiert werden, dass die Chancen derzeit nicht schlecht stehen, dass die Wirtschaft einigermaßen glimpflich davon kommen wird. Ermutigend ist beispielsweise, dass sich die Konsumenten im Oktober noch nicht in ihrer Kauflust bremsen ließen. Ganz im Gegenteil: Mit einem Anstieg von real 6,1 Prozent legten die Detailhandelszahlen sogar deutlich zu. Und basierend auf den vorliegenden Konjunkturzahlen gibt sich auch die Konjunkturforschungsstelle der ETH (Kof) bis 2009 für die weiteren Wachstumsaussichten optimistisch. Deren Frühindikator deutet in der Tat auf ein stabiles Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten hin und erwähnenswert ist auch, dass der viel beachtete Einkaufsmanagerindex PMI im November auf ein Dreimonatshoch geklettert ist. Die Industrieproduktion kletterte im dritten Quartal um deutliche elf Prozent und die Aufträge nahmen sogar um 16 Prozent zu.

Die Schweizer Industrie befindet sich somit in einer guten Verfassung und die Gewinnentwicklung zeigt in der Regel weiter nach oben. Als Stütze des Aufschwungs erweist sich neben den schon lange Zeit sehr niedrigen Zinsen (mit einem Leitzins von 2,75 Prozent ist dieser auch jetzt noch immer niedrig und bestimmt keine Bürde für die Wirtschaft) die rege Exportnachfrage, die sich wiederum zum Teil über den schwachen Schweizer Franken erklären lässt, der Exportwaren günstiger macht. Konkret legte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal gegenüber der Vorjahresperiode um 2,9 Prozent zu. Für das Gesamtjahr erwartet die Regierung ein Wachstum von 2,6 Prozent. 2008 soll die Konjunktur dann laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) um weitere 1,9 Prozent zulegen und für 2009 wird eine weitere Verlangsamung auf 1,7 Prozent erwartet.

Gleichzeitig werden die Inflationsgefahren als begrenzt bezeichnet. Für das laufende Jahr wird ein Anstieg der Verbraucherpreise um lediglich 0,7 Prozent prognostiziert. Für 2008 wird eine Beschleunigung der Jahresteuerung auf 1,6 Prozent erwartet, für 2009 aber bereits wieder ein Nachlassen auf 1,0 Prozent. Bricht die Wirtschaft nicht ein, sondern bleibt sie auf einem soliden Wachstumskurs, dann wäre das natürlich ein guter Nährboden für eine wieder bessere Kursentwicklung bei den Aktien im Jahr 2008. Das gute Image der Schweizer Unternehmen hat mit den Problemen der Banken zwar etwas gelitten. Insgesamt werden Gesellschaften aus der Schweiz von den Anlegern aber nach wie vor als hervorragend geführt und international aufgestellte Gebilde durch gewunken. Und in der Tat gibt es in den Bereichen Industrie, Nahrung, Pharma, Finanzen, Energie viel Schweizer Unternehmen, die von der Globalisierung der Wirtschaft und dem Konsum- und Infrastrukturboom in den Schwellenländern profitieren.

Bewertungen vertretbar - charttechnische Kaufsignale fehlen aber noch

Auch die Bewertung bewegt sich mit einem KGV von rund 13, welches die im SMI vertretenen Unternehmen im Schnitt aufweisen, in einem vernünftigen Rahmen. Das Bewertungsniveau ist damit im internen Vergleich so niedrig wie seit zwölf Jahren nicht mehr und auch international betrachtet kann sich diese Kennziffer durchaus sehen lassen. Wie attraktiv zudem auch gerade Schweizer Nebenwerte eingeschätzt werden, zeigt sich an dem anhaltenden Interesse ausländischer Investoren an einem Einstieg bei Schweizer Unternehmen. So hat die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Focus Capital gerade erst ihre Beteiligungen am Wasch- und Wärmetechniker Schulthess und am Tiefkühlbackwarenhersteller Hiestand weiter ausgebaut und in beiden Fällen einen Anteilsbesitz von 28 Prozent der Aktien gemeldet. Und auch die neuerdings offensiver am Markt agierenden Staatsfonds aus China, Russland und dem Nahen Osten machen keinen Hehl aus ihrem Interesse an dem einen oder anderen Unternehmen aus der Schweiz. An der UBS hat sich bekanntlich bereits ein Investor aus Singapur beteiligt.

Trotz dieser Pluspunkte dürfte es zunächst noch harzig bleiben am Schweizer Aktienmarkt. Zumindest solange, wie das Denken der Anleger von der Kreditkrise und den damit verbundenen möglichen negativen Folgen bestimmt wird. Noch keinen neuen Kursaufschwung verkünden auch die Charts, die sich bei den Indizes mit intakten Seitwärtstrends präsentieren. Aber auch bei der Durchsicht des Kurszettels auf Ebene der Einzelwerte fällt auf, dass es aktuell nur wenige Titel mit einem unangetasteten langfristigen Aufwärtstrend gibt. Vor diesem Hintergrund erscheint es am sinnvollsten, vor einem Neueinstieg erst auf entsprechende charttechnische Kaufsignale zu warten. Und wer dennoch unbedingt schon jetzt agieren will, sollte sein Augenmerk am ehesten auf defensive Titel richten. Die Analysten bei Sal. Oppenheim trauen dem SMI im nächsten Jahr lediglich einen Anstieg bis auf 9.200 Punkte zu. Stimmt diese Prognose, würde sich der mit einem Aktienengagement stets verbundene Aufwand nicht besonders lohnen.

Auch Wetten für oder gegen den Franken sind vermutlich nicht wirklich lohnend. Am wahrscheinlichsten erscheint momentan eine auch in den kommenden Monaten seitwärts gerichtete Kursentwicklung. Die Kursausschläge dürften dabei volatil bleiben und sich wie schhon zuletzt vor allem daran orientieren, ob die Marktteilnehmer an einen Fortbestand der Carry Trades glauben und wie die Einschätzung zur weiteren Zinspolitik der Schweizer Notenbank lautet. Wegen der Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren konjunkturellen Entwicklung dürften zunächst keine weiteren Zinserhöhungen mehr anstehen. Erst wenn sich zeigen sollte, dass die Kreditkrise überstanden ist, könnte es wieder zu Zinserhöhungen kommen. Die Volkswirte bei der österreichischen Zentralbank sehen den Leitzins beispielsweise bis Ende 2008 auf 3,25 Prozent steigen. Auf Basis dieser Annahme sehen sie den Franken zum Euro Ende 2008 bei 1,63 Franken notieren, was nicht allzu weit weg vom aktuellen Niveau wäre.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET, Raiffeisen Resaerch, Raiffeisen Research

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