16. November 2005 Eine frappierend divergente Entwicklung nahmen die Preise für Rapssaat in den vergangenen Monaten an den Warenterminbörsen in Frankreich und Kanada. Notierte die Saat zur Lieferung Mai 2006 an der Pariser Matif im Februar 2005 noch bei Preisen von 210 Euro je Tonne, so schloß sie am vergangenen Freitag über 240 Euro.
An der kanadischen Warenterminbörse WCE in Winnipeg jedoch begannen die Preise nach dem Sommerhoch bei rund 340 kanadischen Dollar zu fallen. Zuletzt notierte der kanadische Canola-Raps nur noch bei 277 Dollar. Währungseffekte spielen dabei zwar eine Rolle. Doch der Grund war vielmehr der, daß die mögliche goldene Zukunft in Europa des alternativen Kraftstoffes Biodiesel die Preise trieb. Hingegen orientiert sich kanadischer Raps weiter traditionell an den Sojapreisen, die die Ölsaatenmärkte aufgrund der schieren Produktionsgröße von jeher dominieren.
Politikschock am Wochenende
Doch der preistreibende Faktor Biodiesel mußte am Wochenende einen schweren Schlag hinnehmen. Denn die große Koalition hat unter anderem beschlossen, die Steuerfreiheit für Biokraftstoffe aufzuheben. Das hat zu großen Verunsicherungen am Rapsmarkt geführt. Zwar müssen Biokraftstoffe künftig anderen Kraftstoffen beigemischt werden, dennoch fallen die Raps-Futures an der Pariser Warenterminbörse Matif am Mittwoch den dritten Tag in Folge. Die Biodieselblase sei vorerst geplatzt, kommentierten Makler und Händler.
Damit hat die Verunsicherung am Markt für Rapssaat einen neuen Höhepunkt erreicht, die Zurückhaltung noch stärker zugenommen. Bereits zuvor war der Markt sehr schwach gewesen. Rückläufige Treibstoffpreise und fehlende Preisimpulse vom internationalen Ölsaatenmarkt hatten dazu geführt, daß die Ölmühlen ihre Nachfrage gedrosselt hatten, zumal die Transportkosten aufgrund des Niedrigwassers auf vielen Binnenwasserstraßen und den daraus resultierenden sogenannten Kleinwasserzuschläge deutlich angestiegen waren. Gleichzeitig ließen die Anbieter in Hoffnung auf weiter anziehende Preise die eingelagerte Ware liegen.
Nachfrage und Ernten steigen
Jenseits dessen zeigen sich auch die Rahmendaten am Markt eher uneinheitlich. Auf der positiven Seite erwartet der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) einen Ausbau der Verarbeitungskapazitäten der Ölmühlen für Raps in den nächsten Jahren von heute fünf auf bis zu sieben Millionen Tonnen. Die Produktionskapazitäten in der zweiten Verarbeitungsstufe, den Veresterungsanlagen, die aus Rapsöl Biokraftstoff herstellen, werden 2005 voraussichtlich von 1,2 Millionen Tonnen auf rund zwei Millionen Tonnen bis zum Jahresende 2005 steigen. 2006 rechnet der VDB mit einem weiteren Wachstum auf bis zu drei Millionen Tonnen.
Frankreich will sein Engagement für nachwachsende Rohstoffe verstärken, und durch Umsetzung eines Biokraftstoffprogramms soll der Anteil der Biotreibstoffe am gesamten Treibstoffverbrauch bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent erhöht werden. Geplant ist unter anderem, die steuerbegünstigten Produktionskapazitäten für Biodiesel und Bioäthanol erheblich auszuweiten und bis zum Jahr 2010 zu vervierfachen (Im Industriepark Höchst entsteht große Biodiesel-Anlage).
Auf der anderen Seite wird 2006 in Deutschland soviel Winterraps angebaut wie nie zuvor. Nicht zuletzt deswegen könnte auch die Ernte des nächsten Jahres in der EU um rund sechs Prozent steigen lassen. Auch in Indien rechnet man mit einer größeren Ernte von Ölsaaten, die die Importe des Landes mit der zweitgrößten Bevölkerung der Erde zumindest nicht steigen lassen dürfte.
Dominante Faktoren Soja und Politik drücken Preise
Latent schwebt über dem Rapsmarkt als Risikofaktor auch die Umstrittenheit des tatsächlichen ökologischen Potential von Rapsdiesel (Biodiesel: Gelbes Fett im Tank). Denn die vermehrte Produktion und Verwendung von Rapsdiesel steht im Ruf, zur vermehrten Entstehung von Ozonkillern, einer steigenden Versauerung des Bodens und dessen Belastung durch Pflanzenschutzmittel zu bewirken.
Der Politikschock des Wochenendes könnte insofern am europäischen Rapssaatenmarkt vorerst zu einer Trendwende führen und eine Zurück-Orientierung der Preise in Richtung des Sojamarktes bewirken. Entgegenwirken könnte dem nur eine rasche Klärung des Schicksals von Rapsdiesel in Deutschland. Noch steht nicht fest, wie hoch die Besteuerung ausfallen soll und ob Pflanzenöl ebenfalls unter die Regelung fällt. Derzeit wird mit einer Einführung Mitte des kommenden Jahres gerechnet.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET, UFOP, UFOP e. V.
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@dunnhaupt - bitte informieren Sie sich, bevor sie solche Falschaussagen treffen
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