16. Oktober 2008 Die Finanzkrise hat ein neues Opfer gefunden. So wie es aussieht, hat es den Forint erwischt. Am Donnerstag kann die ungarische Landeswährung zwar gegenüber dem Euro um gut zwei Prozent auf 265,69 Forint zulegen. Aber die rasanten Kursverluste der vergangenen Tage sind damit noch lange nicht wieder wett gemacht. So war die Notiz am Vortag in der Spitze bis auf knapp 273 Forint gestiegen. Die Abwertung von rund 7 Prozent in der Spitze ensprach dem höchsten Tagesverlust seit der Euro-Einführung im Jahr 1999.
Auf dieser Kursbasis belief sich der seit Ende September erlittene Abschlag auf 12,3 Prozent. Und seit dem am 18.07. markierten Rekordhoch bei 228,25 Forint summierten sich die Verluste sogar auf 19,1 Prozent. Auch der lokale Aktienmarkt steht gehörig unter Druck (Minus zwölf Prozent am Mittwoch und weitere Kursverluste von merh als sechs Prozent am Donnerstag) und der Handel mit Staatsanleihen brach zeitweise komplett zusammen.
Erklären lassen sich die spekulativen Attacken gegen den Forint mit der im Zuge der Kreditkrise stark gestiegenen Risikoaversion der Anleger. Das Land ist anfällig, weil sich der volkswirtschaftliche Datenkranz zwar verbessert hat (das Haushaltsdefizit sinkt in diesem Jahr vermutlich auf 3,4 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt nach rekordhohen 9,2 Prozent im Jahr 2006), aber noch immer nicht frei von Schwächen ist.
Volkswirtschaftliche Schwächen bieten Angriffsflächen
Sorgen bereiten insbesondere die hohe Verschuldung des Landes sowie der Zustand des lokalen Banksektors, der stark von ausländischem Geld abhängt. Vor diesem Hintergrund sackten die Aktien des Marktführers OTP Bank am Mittwoch gleich um 15 Prozent ab. Man sorgt sich um den Zustand der Bankbranche, erklärt Devisenstrategin Antje Präfcke von der Commerzbank. Es ist zwar nicht die gleiche Situation wie in Island, aber Währungen wie der Forint, der mexikanische Peso, die türkische Lira und der südafrikanische Rand sind eben anfällig für solche Ängste.
Die externe Verschuldung belief sich Ende des zweiten Quartals auf 117 Milliarden Euro, wovon fast 90 Milliarden auf Fremdwährungen entfielen. Damit sei Ungarn dem Fremdwährungsrisiko wesentlich stärker ausgesetzt als andere Länder in der Region, sagt Kai Stukenbrock, Analyst von Standard & Poor's. Die Nettoverschuldung des Bankensektors im Verhältnis zu den Leistungsbilanzeinnahmen belief sich Ende des Jahres 2007 auf 26 Prozent.
Die Verantwortlichen basteln eifrig an Stützungsmaßnahmen
Auch die Ratingagentur Standard & Poor's hackte am Donnerstag erneut auf den erwähnten Schwachstellen herum und kündigte an, dass das Fremdwährungs-Rating von BBB+ vermutlich auf creditwatch negativ gesetzt wird. Die Ratingagentur begründete ihre Entscheidung mit dem gestiegenen Druck auf den Finanzsektor und einem möglichen Anstieg der Staatsschulden. Das von der Regierung verabschiedete Rettungspaket für den Finanzsektor werde auf seine Effektivität und die Kosten überprüft. Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei rund 67 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Im Kampf gegen die Angriffe auf den Forint hilft die Europäische Zentralbank der ungarischen Notenbank inzwischen mit bis zu fünf Milliarden Euro aus. Der Kredit soll die Versorgung des angeschlagenen ungarischen Finanzmarktes mit frischem Geld sichern. Doch Experten gehen davon aus, dass die ungarische Notenbank weiter Hilfen benötigen wird Dieses Geschäft mag die Lage ein wenig verbessern, aber es wird wahrscheinlich nicht ausreichend angesichts der Vielzahl von Problemen, vor denen wir stehen, sagte Gergely Suppan von der Takarekbank. Die ungarische Notenbank hatte angekündigt, mit einem sehr komplexen Paket auf die angespannte Lage reagieren zu wollen. Auch der Internationale Währungsfonds soll in die Aktion eingebunden werden. Die Regierung hat zudem am Ende der Vorwoche bereits einen Zwölf-Punkte-Plan als Antwort auf die weltweite Finanzkrise vorgelegt. Der Plan sieht unter anderem einen beschleunigten Abbau des Budgetdefizits vor.
Volatilität dürfte zunächst hoch bleiben
Stabilisieren wird sich die Lage aber vermutlich erst dann, wenn auch das weltweite Finanzsystem wieder zu einem Gleichgewicht zurückfindet. Wie hochgradig nervös die Marktteilnehmer derzeit sind, zeigt sich auch daran, dass Ungarn ausgerechnet zu einem Zeitpunkt attackiert wird, in dem das Land 2008 möglicherweise erstmals in der Lage sein wird, die Maastricht-Kriterien zu erfüllen. Wenn sich die Spekulanten aber in schwierigen Zeiten aber erst einmal ein Opfer auserkoren haben, dann gibt es eben oft nur schwer ein Entrinnen.
Mit zunächst anhaltenden Turbulenzen rechnen auch die Analysten bei der österreichischen Raiffeisen Research. So schätzt Zoltán Török die Lage wie folgt ein: Die eingeleiteten Gegenmaßnahmen der Regierung adressieren die wichtigsten Probleme und können dabei helfen, die schwierige Situation zu überwinden. Dazu wird es aber nötig sein, dass die allgemeine Panik an den Finanzmärkten der Schwellenländer nachlässt. Lokale Maßnahmen alleine können da keine Wunder vollbringen. Kurzfristig ist nicht mit einer plötzlichen Verbesserung zu rechnen, vielmehr dürfte die ungewöhnlich hohe Volatilität noch eine Weile anhalten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.104,50 $ | +1,77% |
| Silber | 17,30 $ | +2,37% |
| Platin | 1.456,00 $ | +4,22% |
| Palladium | 377,00 $ | +6,20% |
| Rohöl Brent Crude | 76,10 $ | +0,86% |
| Gas | 0,33 £ | 0,00% |
| Kaffee | 1,39 $ | −2,76% |
| Zucker | 0,27 $ | --% |
| Orangensaft | 1,32 $ | −0,26% |
| AMEX GOLD BUGS | 438,37 | +0,39% |
| AMEX OIL | 1.077,20 | +0,60% |
| Rogers International | 22,36 | −0,04% |
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Aktien-Index23.12.2009 13:00 |
1405,08 | 1350,70 | 1296,93 |
Performance-Index23.12.2009 17:35 |
309,39 | 298,41 | 284,02 |
Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
145,73 | 141,42 | 130,49 |
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