29. November 2007 Chinas Wirtschaft wächst und wächst und wächst. Allerdings geht das nicht mit rechten Dingen zu. Das zeigt sich allein schon daran, dass die Währungsreserven des Landes massiv zunehmen.
China verfügt nach eigenen Angaben über Devisenreserven in Höhe von 1.455 Milliarden Dollar oder umgerechnet 984 Milliarden Euro. Dies sei der Stand Ende Oktober gewesen, sagte der Vize-Chef der staatlichen Planungs- und Entwicklungskommission, Zhang Xiaoqiang, am Donnerstag am Rande einer Konferenz in Peking. Chinas Handelsüberschuss, Hauptquelle für die Devisenreserven, hatte bereits nach den ersten neun Monaten dieses Jahres den Rekord aus dem Vorjahr gebrochen und betrug im September 185,7 Milliarden Dollar.
Stark wachsende Exporte, unflexible Währung - ein Widerspruch in sich
Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Tatsache, dass das Land seine Währung bis noch vor wenigen Monaten an den amerikanischen Dollar gebunden hatte und seitdem nur langsam und zögerlich aufwerten lässt. Das führt dazu, dass das es bei einer florierenden Exportwirtschaft mit deutlichen Exportüberschüssen am Devisenmarkt intervenieren muss, um den Wechselkurs auf dem angestrebten Niveau halten zu können. China kauft folglich Dollar, Euro oder andere Währungen gegen Yuan.
So nehmen die Devisenbestände rasant zu, während gleichzeitig auch immer mehr Einheiten der chinesischen Währung in den Markt fließen. Diese Konstellation führt einerseits dazu, dass China immer mehr Devisen sinnvoll anlegen muss. Auf der anderen Seite führt die wachsende Geldmenge im Binnenmarkt zu immer mehr Friktionen. Die Liquidität wird teilweise für sinnlose Investitionen in industrielle Überkapazitäten verschwendet. Auf der anderen Seite führt sie zu Inflation, sei es in Form steigender Verbraucherpreise - zuletzt machte sie sich vor allem bei Nahrungsmitteln bemerkbar, was zu sozialen Unruhen führen könnte - oder sei es in Form rasant steigender Börsenkurse oder Immobilienpreise. Längst sind die chinesischen Aktien und auch die Immobilien zum Teil massiv überbewertet.
Das sind jedoch nicht die einzigen Probleme. Denn da offensichtlich ist, dass die Währung angesichts der Handelsungleichgewichte unterbewertet ist, flossen in den vergangenen Jahren gewaltige spekulative Liquiditätsströme ins Land. Sie verstärkten die inflationären Effekte. Zum anderen reagieren jedoch immer mehr Handelspartner ungehalten auf den unfairen Wettbewerb, den China mittels der unterbewerteten Währung betreibt. Zuletzt beklagten sich vor allem die Europäer über diese Verhältnisse, da der chinesische Yuan mit dem fallenden Dollar massiv gegen den Euro abgewertet hat, obwohl die explodierenden Handelsüberschüsse Chinas mit Europa gerade das Gegenteil nahe legen würden.
China muss sich bewegen, um protektionistischen Konsequenzen vorzubeugen
Aus diesem Grund dürfte sich China in Frage der Handelsungleichgewichte und des Wechselkurses in irgendeiner Form bewegen müssen, um protektionistischen Konsequenzen vorzubeugen. So rechnen manche Marktteilnehmer damit, dass China den Yuan rascher als bisher gegen den Dollar wird aufwerten lassen als bisher. In diesem Rahmen würden auch andere unterbewertete Währungen Asiens mit aufwerten können, lautet die Vermutung und auch die Erwartung, nicht zuletzt auch den Yen.
Tatsächlich scheint sich China etwas zu bewegen. Das zeigte sich am Donnerstag an Meldungen, nach denen die Vereinigten Staaten und China sich nach langwierigen Verhandlungen auf einen Verzicht von handelsverzerrenden Subventionen geeinigt haben. Die chinesische Regierung erklärte sich zur Abschaffung von Steuervergünstigungen bereit, mit denen Exporte in die Vereinigten Staaten und andere Länder gefördert wurden, wie die amerikanische Handelsbeauftragte Susan Schwab am Donnerstag in Washington mitteilte. Die Vereinigten Staaten bemühen sich um einen Abbau ihres Handelsdefizits mit China, das im vergangenen Jahr den Rekordwert von 233 Milliarden Dollar erreicht hatte.
Fragt sich nur wie
Solche Vereinbarungen dürften auch mit anderen Staaten überfällig werden. Sie zeigen, dass die Entwicklung in China nicht nur über die unterbewertete Währung begünstigt wurde, sondern auch durch alle nur denkbaren Eingriffe in den Marktmechanismus, sei es durch Exportsubventionen oder andere planwirtschaftliche Preissetzungstendenzen. Sollten solche Effekte wegfallen, könnten vor allem die Staatsbetriebe Chinas rasch in Profitabilitätsnöte kommen, vor allem auch dann, wenn in diesem Fall die Börse unter Druck geriete. Dabei haben gerade auch die Kursgewinne an den Aktienmärkten in der Vergangenheit bei manchem Unternehmen den Gewinn optisch aufgepeppt.
Aus diesem Grund dürfte Peking kaum dazu neigen, die Währung rasch aufzuwerten, sondern zu anderen Maßnahmen tendieren, die das Wachstum der Handelsbilanzüberschüsse bremsen könnten. Möglicherweise führt die Sorge vor einer deutlicheren Korrektur an der chinesischen Börse auch dazu, dass ein Teil des heißen Kapitals abfließt. Das wiederum würde möglicherweise zusammen mit einem abnehmenden Handelsbilanzdefizit gegenüber Amerika den Dollar nach oben treiben und auf diese Weise zumindest das Verhältnis zu Europa etwas entspannen.
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Text: @cri
Bildmaterial: Economics@ANZ, FAZ.NET, Lombard Street Research, Reuters EcoWin, BNP Paribas