Devisen

Tschechische Krone am Rekordhoch zum Euro

28. Dezember 2005 Die Entwicklung in den Schwellenländern sorgte in den vergangenen Monaten für Furore. Das gilt nicht nur für die Aktien- und die Rentemärkte, sondern zum Teil auch für den Devisenmarkt. Das zeigt sich alleine schon an der Tatsache, daß der brasilianische Real im laufenden Jahr unumstritten die stärkste Währung weltweit ist und war. Das gilt sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro.

Ähnlich sieht auch die Entwicklung der tschechischen Krone aus. Sie befand sich bis in den März des laufenden Jahres gegen den Dollar in einem langfristigen Aufwertungstrend, der bis auf ein Kurstief von 21,8067 Kronen je Dollar geführt hat. Den hat sie aufgrund der zwischenzeitlichen Dollarerholung zwar durchbrochen und auf bis zu 25,47 Kronen je Dollar nachgegeben. Aber das scheint es gewesen zu sein. Denn die Währung zeigt inzwischen Stabilisierungstendenzen.

Krone nagt am Rekordhoch zum Euro

Gegen den Euro sieht die Entwicklung noch eindrucksvoller aus. Denn mit einem Kurs von 28,94 Kronen je Euro liegt die Währung des mitteleuropäischen Landes nach wie vor nahe am noch vor wenigen Tagen erreichten Allzeithoch. Der im Februar des vergangenen Jahres wieder aufgenommene Aufwertungstrend ist nach wie vor in Takt.

Er dürfte einerseits gestützt und gestärkt worden sein durch die Wertentwicklung der Börsen und der Rentenmärkte der Region in den vergangenen Jahren. Sie wurden einerseits ausgelöst durch vorteilhafte Bewertungen einerseits und durch den EU-Konvergenzprozeß auf der anderen Seite. Er führte zu einer Öffnung der Märkte des Landes und insbesondere auch zu zum Teil massiven Direktinvestitionen aus dem Ausland.

Beides zusammen führte auch zu einer entsprechenden Nachfrage nach der Währung einerseits und zu einer nachhaltigen Gewinnentwicklung der Unternehmen des Landes auf der anderen Seite. Aus diesem Grund dürfte die Entwicklung der Währung auch weiterhin positiv betrachtet werden müssen, auch wenn die Aktien des Landes mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sicherlich keine Schnäppchen mehr sind.

Währung als wesentlicher antiinflationärer Faktor

Gleichzeitig wächst jedoch die Wirtschaft des Landes mit einem Plus von 4,9 Prozent zum Ende des dritten Quartals auf Jahres stärker als in Westeuropa, zum anderen erzielt es bei ausgeglichenem Budget einen Handelsbilanzüberschuß. Der Markt wird im Moment auch getrieben von Zinserhöhungsspekulationen. Die Zentralbank hatte den Leitzins im Oktober von einem Rekordtief von 1,75 auf zwei Prozent angehoben, ihn dagegen am 22. Dezember unverändert gelassen.

Die Notenbank rechnet im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 4,6 bis 5,1 Prozent und im kommenden mit einem Wachstum von 3,2 bis 4,7 Prozent. Gleichzeitig rechnet sie im kommenden Jahr mit einer Inflationsrate von drei bis 4,4 Prozent, bevor sie sich wieder abschwächen sollte. Einerseits dürfte die Zentralbank geneigt sein, die Preiserwartungen durch vorbeugende Zinserhöhungen zu dämpfen. Andererseits dürfte sie gleichzeitig auch weiterhin an einer starken Währung interessiert sein, solange sie die Exportaktivitäten nicht beeinträchtigt. Denn die starke Währung sei ein wesentlicher antiinflationärer Faktor, ließ die Zentralbank durchblicken. Insgesamt scheint wenig gegen die anhaltende Stärke der Währung zu sprechen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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