Edelmetalle

Gold ist charttechnisch gefährdet

Einige Zentralbanken berichteten jüngst von Goldverkäufen

Einige Zentralbanken berichteten jüngst von Goldverkäufen

14. Juni 2007 Als „Ikarus der Woche“ bezeichnet Wolfgang Wrzesniok-Rossbach vom Metallhändler Heraeus das Gold in einer aktuellen Studie. In den vergangenen Tagen habe das Edelmetall zunächst einen Höhenflug absolviert, um kurz danach deutlich zu korrigieren.

Als Gründe für den jüngsten Höhenflug nennt Wrzesniok-Rossbach die Meldung der Europäischen Zentralbank, die zwar einiges Gold verkauft habe, aber betonte, dass sie keine weiterreichenden Pläne in dieser Hinsicht mehr habe. Auch ein höherer Rohölpreis und ein zeitweise schwächerer Dollar hätten stützend gewirkt.

„Käufer und Spekulanten halten sich zurück“

„Angesichts dieser Faktoren ist die Notierung für Gold in der ersten Woche dieses Monats auf einen Höchstkurs von nahezu 674 Dollar je Unze gestiegen“, heißt es in der Analyse. „Das Unvermögen, über dieses genannte Niveau hinaus zuzulegen, sorgte dann allerdings für Gewinnmitnahmen.“ Der sinkende Ölpreis und ein wieder erstarkender Dollar besorgten den Rest.

„Noch vor dem vergangenen Wochenende fiel der Preis deshalb um mehr als vier Prozent auf ein neues Dreimonatstief bei 645,50 Dollar je Unze. Die sich hieran anschließende Erholung hielt nicht lange an, weil sowohl physische Käufer wie auch Spekulanten sich noch immer zurückhalten“, heißt es weiter.

Zentralbanken auf der Verkäuferseite

Mit dem Preisverfall habe das Edelmetall eine extrem wichtige charttechnische Unterstützungslinie durchbrochen, die seit September 2005 Bestand gehabt habe: „Sollte dieser doch eher überraschende Einbruch nicht schnellstens revidiert werden, ist nicht auszuschließen, dass das gelbe Metall den Tiefstkurs vom März bei 635 Dollar, und im schlimmsten Fall sogar das Jahrestief testet, das Anfang Januar bei 608 Dollar je Unze erreicht worden war.“ Unterstützung könnte zwar von einem Anstieg der physischen Nachfrage kommen, doch davon sei bislang nicht viel zu sehen.

Die EZB sei nicht die einzige Notenbank, die Gold verkauft habe. Auch die Spanier und die Österreicher hätten ihre Bestände reduziert. „Die jüngsten Verlautbarungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zentralbanken im vergangenen Jahr die selbst gesteckte Obergrenze bei den Verkäufen in Höhe von 500 Tonnen pro Jahr nicht einmal erreicht hatten“, schreibt Wrzesniok-Rossbach. „Stattdessen wurden lediglich 395 Tonnen Gold abgegeben. Und es sieht so aus, als ob auch in diesem Jahr das Limit wieder nicht erreicht werden würde.“

Steiler Aufwärtstrend gebrochen

Nach Veröffentlichung des Heraeus-Berichts hat sich der Goldmarkt etwas beruhigt. Inzwischen kostet die Feinunze wieder mehr als 650 Dollar. Trotzdem: Ein stabiler, steiler Aufwärtstrend ist gebrochen. Jetzt stellt sich die Frage, ob sich bald ein neuer charttechnischer Pfad etabliert. Sonst droht eine deutliche Korrektur, die eventuell erst auf dem langfristigen, flacher verlaufenden Aufwärtstrend einen Halt finden würde (siehe Chart).

Für Anleger bleibt Gold trotzdem interessant - vor allem als Portfolio-Versicherung für unruhige Börsenzeiten. Die mittelfristigen Aussichten sind außerdem nicht die schlechtesten (siehe auch: Vieles spricht für mittelfristig neue Rekorde beim Goldpreis). Doch dürfte aktuell nicht der beste Zeitpunkt sein, um über ein Neuengagement nachzudenken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET, GFMS, Bloomberg, REUTERS

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