Strukturierte Produkte

Ein weiterer Versuch, den GSCI auszutricksen

15. Juni 2007 Viele Anleger dürften von ihren Rohstoffinvestments in den vergangenen Jahren enttäuscht worden sein. Obwohl die Basispreise zulegten, verloren viele Open-End-Zertifikate an Wert, was vor allem am schwachen Dollar und an der oft negativen Rollrendite liegt, die aus dem „Rollen“ von einem Kontrakt in den nächsten resultiert (siehe auch: Open-End-Zertifikate auf Rohstoffe enttäuschen und Rohstoffe: Die Forwardkurve macht den Unterschied).

Nun gibt es immer wieder Versuche, „bessere“ Rohstoffindizes zu entwerfen, um von der Rollrendite nicht enttäuscht zu werden (siehe auch: CYD-Indizes konnten ihre Stärken noch nicht ausspielen). Außerdem verzichten einige Zertifikate auf den Rollmechanismus, indem sie auf Kontrakte fester Laufzeit wetten - häufig verbunden mit einer Kapitalgarantie (siehe auch: Rohstoff-Zertifikate: Zeichnen oder an der Börse kaufen? und Zertifikate als Zerobond mit kleinem Extra).

Damit werden Rollverluste vermieden, doch der Nachteil ist, dass der Anleger am Laufzeitende eine Auszahlung erhält, die auch dann vom aktuellen Rohstoffpreis abhängt, wenn sich dieser gerade im Keller befindet. Ein „Aussitzen“ einer kurzfristigen Spotpreis-Schwäche ist mit solchen Produkten also nicht möglich.

Kleiner Mindestkupon

Ein neues Zertifikat von Merrill Lynch kann als Versuch angesehen, diese Schwächen auszumerzen. Das „Rohstoff Alpha Garant Zertifikat“ zahlt nach der vierjährigen Laufzeit einen Mindestkupon von insgesamt vier Prozent.

Darüber hinaus hängt der Rückzahlungswert von der Outperformance ab, die der „Merrill Lynch Commodity Index Extra 01 Excess Return“ gegenüber dem „Goldman Sachs Commodity Excess Return Index“ (GSCI) erwirtschaften soll. An einer über vier Prozent hinausgehenden Outperformance nimmt der Anleger zu 150 Prozent teil. Zertifikate zu je 100 Euro plus maximal zwei Prozent Ausgabeaufschlag können bis 19. Juli gezeichnet werden (Isin DE000ML0BVE6).

Antizyklisches Rollen soll „Alpha“ bringen

Das „Alpha“, also den Zusatzertrag im Vergleich zum GSCI, soll der Merrill-Index über einen verbesserten Rollmechanismus erwirtschaften. Der GSCI mit seinem sehr großen Marktvolumen rollt seine Positionen über einen Zeitraum von fünf Tagen. „Dadurch bewegt er die Preise in den teils sehr illiquiden Kontrakten zu seinem Nachteil“, schreiben die Zertifikatemacher.

Der Merrill-Index ist zwar identisch zusammengesetzt, rollt aber vom zweiten in den dritten Monatsfuture, während der GSCI den erstfälligen Kontrakt verkauft und den zweiten kauft. Der Merrill-Index verkauft also dann, „wenn der GSCI die Preise durch den Kauf nach oben bewegt“, heißt es weiter. „Er handelt somit antizyklisch zum GSCI.“

Eigentlich kein Rohstoffinvestment

In der Vergangenheit ging diese Taktik auf. Das zeigt zum einen der Vergleich der Wertentwicklung, zum anderen die durchschnittliche Rendite von 12,7 Prozent im Jahr, die mit diesem Vorgehen laut Merrill Lynch erreicht worden wäre (siehe Grafiken).

Mit diesem Zertifikat ist der Anleger unabhängig von der volatilen Marktentwicklung und erhält außerdem einen kleinen Mindestkupon, der den Ausgabeaufschlag mehr als wettmacht. Doch er sollte einiges bedenken: Erstens darf er nicht damit rechnen, dass er sein Zertifikat während der Laufzeit im Frankfurter oder Stuttgarter Freiverkehr mit Gewinn verkaufen kann. So dürfte der Kurs wegen der Kapitalgarantie bei steigenden Renditen am Anleihenmarkt unter Druck geraten - unabhängig von der Entwicklung der Indizes.

Zweitens ist nicht ausgemacht, dass sich der GSCI auch in Zukunft mit einer so leichten Taktik austricksen lässt - zumindest was die Höhe der Rendite anbelangt. Schließlich wird Merrill Lynch nicht das einzige Investmenthaus sein, das dieses Phänomen auszunutzen versucht. Und drittens muss sich der Anleger darüber im Klaren sein, dass er sich mit diesem Zertifikat kein astreines Rohstoffinvestment ins Depot holt - schließlich ist die Rendite ja von Marktentwicklung unabhängig. Wer also an der Entwicklung der Rohstoffpreise teilhaben will, um sein Portfolio zu diversifizieren, sollte sich dieses Zertifikat nicht ins Depot legen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: Merrill Lynch

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