20. Oktober 2008 Führte die internationale Geld- und Finanzpolitik schon zur starken Verschuldung, zu makroökonomischen Ungleichgewichten und letztlich zur laufenden Finanzkrise, so scheinen die politischen Akteure nichts daraus gelernt zu haben.
Denn wie die Blinden geben sie rund um die Welt Garantien aus, schießen Gelder in die maroden Finanzunternehmen und senken die Zinsen. Selbst Indien und Vietnam schlossen sich dieser Bewegung an. Am Montag senkte die indische Zentralbank den Leitzins zum ersten Mal seit dem Jahr 2004 völlig unerwartet um einen Prozentpunkt von neun auf acht Prozent. Vor wenigen Tagen hatte sie schon begonnen, den Mindestreservesatz nach unten zu schrauben.
Zinssenkungen in Indien und Vietnam ...
Die Zentralbank scheint sich nicht daran zu stören, dass die Wachstumsrate der Großhandelspreise deutlich über dem Leitzins liegt und dass die Währung auf diese Weise weiter geschwächt wird. Seit Beginn des laufenden Jahres hat die Rupie gegen den Dollar schon deutlich abgewertet, der Kurs stieg von 39,25 auf zuletzt 48 Rupien je Dollar. Gegen den Euro setzt die Währung Indiens den langfristigen Abwertungstrend fort.
Hinter der Währungsbewegung stehen Kapitalabflüsse. Sie wurden von der hohen Inflation in Indien, aber auch von Liquidierungsbewegungen ausgelöst, die wiederum von der Lehman-Pleite und dem damit verbundenen Rückgang des Risikoappetits ausgelöst wurden. Marktteilnehmer rechnen zumindest kurzfristig mit weiteren Kursverlusten der indischen Währung. Das klingt nicht unplausibel, dürfte das Ziel darin liegen, die Wettbewerbsfähigkeit der indischen Wirtschaft aufrecht zu erhalten.
Die Rupie dürfte erst dann wieder einen gewissen Rückhalt erhalten, wenn der Risikoappetit wieder zurückkehrt und die Anleger wieder zum Kauf von Schwellenländeraktien animiert. Wann und in welchem Ausmaß der Fall sein wird, ist angesichts der anhaltenden Volatilität kaum abzuschätzen. Fakt ist jedoch, dass in den vergangenen Wochen einige Schwellenländerfonds massive Verluste erlitten haben und geschlossen werden. Dazu zählt beispielsweise der Schwellenländer-Hedge-Fonds von Millenium Global Investments.
... obwohl die Inflationsraten hoch sind
Ähnlich sieht es in Vietnam aus. Dort war die Inflationsrate in den vergangenen Monaten dramatisch angestiegen. Trotz allem senkt die Zentralbank nun den Leitzins von 14 auf 13 Prozent, um auf diese Weise gegen die abflauende Wirtschaft vorzugehen, wie es heißt. Dabei wertet die Währung des Landes nicht nur langfristig ab, sondern von März bis Juni war sie massiv unter Druck geraten.
Beide Zinssenkungen zeigen, dass die Länder ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit um beinahe jeden Preis - kompetitive Abwertung - halten wollen, statt auf eine solide Entwicklung im Binnenmarkt zu setzen. Dabei macht sie gerade die Abhängigkeit vom internationalen Handel und von den internationalen Finanzströmen anfällig für Turbulenzen der aktuellen Art.
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Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET