21. November 2007 Die allgemeine Dollarschwäche ist schon seit Wochen kaum noch zu übersehen. Inzwischen gibt die amerikanische Währung nicht nur gegen den Euro nach, sondern immer mehr auch gegen den bislang mit extrem niedrigen Zinsen schwach gehaltenen Yen.
Am Dienstag liegt die japanische Währungen im Verhältnis zum Dollar mit einem Plus von 1,5 Prozent bei 108,4 Yen. Gegen den starken Euro legte sie über Nacht knapp 1,4 Prozent auf 160,49 Yen zu. Gleichzeitig war es an der Mehrheit der asiatischen Börsen zu deutlichen Kursverlusten gekommen. Der japanische Topix gab 2,08 Prozent auf 1.439 Zähler nach, der Hang Seng Index verlor 4,15 Prozent auf 26.618 Zähler, der Kospi gab 4,5 Prozent nach und die indische Börse liegt im späten Handel mit einem Minus von 3,5 Prozent bei 18.600 Sensex-Punkten.
Beide Entwicklungen hängen zusammen. Die Börsen werden durch die jüngste Einschätzung der amerikanischen Zentralbank in die Defensive gebracht, nach welcher die amerikanische Wirtschaft höchsten um 2,5 Prozent wachsen könne, ohne inflationär heiß zu laufen. Das dürfte Zinssenkungshoffnungen und damit indirekt die Wachstums- und Gewinnerwartungen der Anleger dämpfen können. Aus diesem Grund tendieren sie dazu, ihre Risikopositionen abzubauen und die so genannten Carry Trades zu reduzieren.
Davon profitieren gegenwärtig die niedrig verzinslichen Währungen wie der Schweizer Franken und vor allem auch der japanische Yen. Daneben gibt es auch noch andere Gründe, die für die japanische Währung sprechen. So ist sie sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro massiv unterbewertet. Das macht sie vergleichsweise attraktiv. Gleichzeitig drängen in China sowohl externe Faktoren als auch interne Faktoren auf eine raschere Aufwertung des Yuan hin: Handelsbilanzüberschüsse führen in Verbindung mit dem unflexiblen Wechselkurs zu Interventionen am Devisenmarkt und massiv wachsenden Devisenreserven.
Die Reserven wiederum treiben im Binnenmarkt Vermögenspreise und Inflationsraten nach oben und sorgen für Fehlinvestitionen. Um solche Entwicklungen zu bremsen dürften administrative Maßnahmen alleine nicht mehr reichen, sondern der Markt dürfte es über eine raschere Anpassung des Wechselkurses richten müssen. Wertete China seine Währung rascher als bisher auf, so erhielte auch Japan mehr Spielraum als bisher, den Yen aus Wettbewerbsgründen nicht mehr so tief halten zu müssen.
Im Gegenteil. Plötzlich könnte die japanische Zentralbank den Leitzins anheben können, bei den Sparern des Landes die Zinseinkünfte zunehmen lassen und auf diese Weise indirekt den Binnenkonsum stärken. Dieser Effekte würde die Belastungen der Exportunternehmen durch einen stärkeren Yen mehr als überkompensieren. Gleichzeitig ließen sich Argumente abschwächen, Japan verfolge mittels des Wechselkurses eine merkantilistische Wirtschaftspolitik, die japanischen Automobilunternehmen künstlich gefördert und ihnen in den Vereinigten Staaten und auch in Europa zu einer unnatürlich starken Marktstellung verholfen hat.
Ein weiteres Argument für die Aufwertung der Währungen in Japan und auch China lässt sich vom hohen Ölpreis ableiten. Je schwächer der Dollar wird, desto restriktiver dürften die Ölanbieter werden. Auf diese Weise können sie den Ölpreis zumindest in Dollar weiter nach oben laufen lassen, um ihre Kaufkraft bei fallendem Dollar zu wahren. Solche Argumente lassen sich aus der Tatsache ableiten, dass der Ölpreis weiterhin nach oben tendiert, während die Preise von Basismetallen konsolidieren und auf diese Weise eine Abschwächung der Weltkonjunktur andeuten.
Fakt ist insgesamt, dass der Dollar zu Schwäche neigt. Diese hat er lange Zeit vor allem gegen den inzwischen längst deutlich überbewerteten Euro und wenige andere Währungen gezeigt. Die relative Bewertung, die Positionierung an den Terminmärkten und weitere logische Argumente deuten jedoch inzwischen auf das Aufholen der asiatischen Währungen hin. In diesem Rahmen dürfte auch der Yen weiter aufwerten können und müssen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: CFTC, Bloomberg, Dresdner Kleinwort Research, FAZ.NET