Devisenmarkt

Dollar kratzt an alten Rekordtiefmarken

Der Dollar - wenig gefragt.

Der Dollar - wenig gefragt.

11. September 2007 Der Dollar will derzeit offenbar an alte Rekordtiefs anknüpfen. Am Dienstag notierte der Greenback schwach wie selten zuvor. Am Abend kostete der Euro 1,3825 Dollar. Das ist nur noch wenige Ticks entfernt vom bisherigen Allzeithoch: Am 24. Juli waren für die europäische Gemeinschaftswährung 1,3852 Dollar zu bezahlen.

Der Aufschwung wird befördert von gegenläufigen Entwicklungen dies- und jenseits des Atlantiks. Im Euroraum geht der Zinstrend tendenziell nach oben, in Amerika nach unten.

Warten auf die Fed

Am kommenden Dienstag steht die Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank Fed an. Von ihr erwarten die Finanzmärkte eine Zinssenkung. Die überraschend schlechten amerikanischen Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag haben diese Einschätzung noch bestätigt. Statt der bereits eingepreisten 25 Basispunkte sagen mehrere Investmentbanken nun sogar eine Zinssenkung um 50 Basispunkte voraus.

Dagegen dürfte die Europäische Zentralbank wieder auf den alten Zinskurs - nach oben - einschwenken. Nach Bundesbank-Präsident Axel Weber sprach sich auch EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark trotz der nervösen Finanzmärkte für eine erneute Anhebung des Leitzinses aus. „Niemand hat gesagt, dass wir eine weitere Zinserhöhung aufgegeben haben“, sagte Stark. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, hatte Weber die jüngste EZB-Entscheidung kommentiert, wegen der Finanzkrise auf die lange signalisierte Zinserhöhung zu verzichten.

„Recht bullisches“ Umfeld

Mit Blick auf die unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklungen in Amerika und Europa konstatieren Analysten ein „recht bullisches“ Umfeld für den Euro-Dollar-Kurs. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich dieser Trend die nächsten Wochen noch fortsetzen wird und dabei neue Euro-Dollar-Höchststände erreicht werden“, erwartet Valentin Hofstätter von der Wiener Raiffeisen Zentralbank. Als Ziel peilt er eine Marke von 1,40 Dollar pro Euro an.

Zumindest mittelfristig dürfte die Rally damit fürs Erste abgeschlossen sein. Analysten wie Hofstätter erwarten keine nachhaltigen Niveaus über 1,40 Dollar. Der Markt habe für Amerika bereits zu viele Zinssenkungen eingepreist, und die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten sollte „mit zwei blauen Augen, aber ohne Rezession“ davonkommen, heißt es.

Der amerikanische Konsument soll es richten

Ein Indiz dürften amerikanische Wirtschaftsdaten am kommenden Freitag liefern. Dann sollen, hoffen die Experten, ein robustes Konsumwachstum und eine leichte Erholung des Konsumentenvertrauens zeigen, „dass der amerikanische Konsument immer noch lebt“. Und das wirkt, zumindest kurzfristig, stützend für den Dollar.

Auch die Schweizer Großbank UBS erwartet auf kurze Frist, dass sich der gebeutelte Greenback erholt. Der Dollar sei „überverkauft“, heißt es in einer Studie, und werde in den kommenden drei Monaten mehr als vier Prozent zum Euro zulegen. Risikoscheu dränge amerikanische Anleger, Gelder „nachhause“ zu transferieren. Unterm Strich erwarten 43 von der Agentur Bloomberg befragte Devisenexperten zum Jahresende einen Euro-Kurs von 1,36 Dollar.

Amerikanische Anleihen büßen Renditevorteil ein

Andererseits machen Währungsstrategen wie Tony Morriss von der Australia & New Zealand Banking Group in Sydney eine anhaltende Schwäche für den Dollar aus: „Wenn die Fed dabei ist, die Zinsen möglicherweise aggressiv zu senken und die EZB zumindest das Niveau hält, sieht es so aus, als ob sich die Zinsdifferenz zugunsten des Euro bewegt.“ Amerikanische Anleihen hatten vergangene Woche ihren Renditevorteil erstmals in drei Jahren eingebüßt. Zweijährige Staatspapiere rentierten drei Basispunkte niedriger als gleich lang laufende deutsche Titel.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @tih
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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