Devisen

Europäische Währungen im Ausverkauf

22. Oktober 2008 Der Euro befindet sich im Ausverkauf. Nachdem er schon in den vergangnen Tagen deutliche Kurseinbußen gegen den Dollar hatte hinnehmen müssen, so verliert er am Mittwoch im frühen Handel mehr als zwei Prozent auf bis zu 1,2747 Dollar je Euro im bisherigen Tagestief. Das ist der tiefste Stand seit knapp zwei Jahren.

Der Kurs der europäischen Einheitswährung gibt nicht nur gegen den Greenback deutlich nach, sondern gegen den Yen sind die Kursverluste noch ausgeprägter. Gegen die japanische Währung gibt sie bis zu 3,7 Prozent nach auf bis zu 131,57Yen je Euro. Das ist der tiefste Stand seit April des Jahres 2004. Auch gegen den Schweizer Franken tendiert der Euro schwach.

Europäische Währungen neigen zur Schwäche - Ausnahme: Schweizer Franken

Das deutet auf die Fortsetzung der Liquidierungsbewegungen der vergangenen Wochen hin. Im Rahmen der Wirtschafts-, Kredit- und vor allem auch Bankenkrise bereinigen die Finanzunternehmen direkt ihre Positionen. Gleichzeitig reduzieren sie die Risiken, indem sie in einem volatilen Umfeld vergebene Kredite zurückrufen, nicht mehr verlängern oder indem sie von den Kreditnehmern zusätzliche Sicherheitsleistungen einfordern.

Insgesamt führt das zusammen mit der anhaltenden Verspannung an den Geldmärkten trotz der großzügigen Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken und auch mit Blick auf die schwachen konjunkturellen Aussichten zu Verkäufen an den Wertpapiermärkten einerseits und zur Umschichtung von Positionen am Devisenmarkt. Niedrig verzinsliche Währungen wie der Schweizer Franken, der Yen und nicht zuletzt auch der Dollar werden zurückgekauft. Dagegen werden hoch verzinsliche, überbewertete und „Problem behaftete“ Währungen wie der Euro verkauft.

Das Ende dieser Bewegungen ist noch nicht absehbar. Denn sie führt zu einer gewissen Eigendynamik. Diese zeigt sich gegenwärtig in ausgeprägter Form in Osteuropa. Dort stehen die Währungen quer durch die Bank deutlich unter Druck. Das dürfte kaum verwundern. Denn erstens wird sich die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund der konjunkturellen Schwäche in Westeuropa mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich abkühlen. Zweitens sind einige Staaten wirtschaftlich und finanzpolitisch angeschlagen. Das gilt insbesondere für Ungarn: Das Wachstum ist schwach, die Wirtschafts- und Finanzpolitik wenig überzeugend und die Verschuldung hoch. Besonders kritisch ist die starke Auslandsverschuldung, die sich zudem durch eine ausgeprägte Fristeninkongruenz auszeichnet.

Die ungarische Zentralbank versucht am Mittwoch zwar, mit einer überraschenden Leitzinserhöhung von satten drei Prozentpunkten auf 11,5 Prozent die schwache Währung zu stützen. Allerdings scheint das den Markt bisher nicht überzeugen zu können. Nach einem Kursverlust von acht Prozent in den vergangenen beiden Tagen verliert die Währung auch am Mittwoch knapp ein Prozent ihres Wertes gegen den Dollar.

Volatilität sorgt für eine gewisse Eigendynamik

Mit volatilen Wechselkursen führt diese Konstellation bei den Schuldnern zu Problemen, was sich wiederum bei den in die Geschäfte involvierten Banken negativ bemerkbar macht. Längst zeigen sich die Probleme bei den Banken Österreichs, Skandinaviens, Bayerns und anderen. Auch die Refinanzierungsposition vieler russischer Banken ist problematisch. Aus diesem Grund befinden sich die Währungen dieser Staaten in der Defensive.

Die Bewegungen wird überlagert durch zunehmende Zinssenkungserwartungen in Europa, und vor allem auch durch das abnehmende Vertrauen in den wirtschaftspolitischen Aktionismus in Europa. Diese Gemengelage dürfte den Euro und die übrigen europäischen Währungen bis auf weiteres belasten können. Gerade amerikanische Vermögensverwalter hatten in den vergangenen Jahren der Dollarabwertung massiv im Ausland investiert. Sie stellen in ihrer Gesamtheit die größten Vermögen weltweit dar. Ziehen sie ihre Gelder zurück, so bewegt das die Wechselkurse.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET

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