16. August 2007 Der Devisenmarkt wird von der Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht ausgelassen. Sie zeigen sich besonders ausgeprägter Form bei den Währungen, die in den vergangenen Jahren von der geringen Risikowahrnehmung und vom starken Renditehunger der internationalen Anleger profitiert beziehungsweise darunter gelitten hatten.
Auf der einen Seite sind das Währungen wie der Neuseeland-Dollar, die isländische Krone, der brasilianischer Real, der australischer Dollar, die türkische Lira oder auch der ungarische Forint. Sie alle hatten davon profitiert, dass die Anleger ohne große Rücksicht auf fundamentale Rahmendaten vor allem auf hohe Zinsen schielten und sich die entsprechenden Währungen ins Depot legten.
Finanzierungswährungen werden zurückgekauft
Auf diese Weise entstand im Markt ein Eigendynamik, die die meisten dieser Währungen hat im Trend aufwerten lassen. Das galt für den Neuseeland-Dollar gegen den Yen genauso, wie für den Euro gegen den Yen oder für die isländische Krone gegen den Schweizer Franken.
Denn diese Währungen, die im internationalen Vergleich auf der Anlageseite nur geringe Zinsen boten und auf der Kreditseite nur wenige verlangten, dienten als Finanzierungswährungen. In einem positiven Umfeld mit niedrigen Volatilitäten, niedrigen Risikospreads, starkem Hunger nach Krediten und in Verbindung mit zum Teil sehr laxen Kreditvergaberichtlinien ließen sich auf diese Weise alle nur denkbaren Anlage- oder Spekulationsstrategien umsetzen.
In den vergangenen Tagen hat sich jedoch am Devisenmarkt immer stärker die vom schwachen amerikanischen Immobilienmarkt ausgehenden Krisensymptome bemerkbar gemacht. Die Illiquidität vieler verbriefter Hypothekenkredite hat bei Anlegern und Banken zu einem gewissen Misstrauen geführt. Auf diese Weise wurde die Bereitschaft zur Kreditvergabe und damit die Liquidität an den Finanzmärkten eingeschränkt. Zwischenzeitlich war diese Tatsache so ausgeprägt, dass die Zentralbanken den Geldmarkt kurzfristig sogar fluten mussten. Das alleine kann schon zu denken geben.
Tatsächlich fühlen sich immer mehr Marktteilnehmer dazu genötigt, ihre Positionen an den verschiedenen Märkten zu reduzieren. Aus diesem Grund fallen die Börsen an verschiedenen Schwellenländern ebenso deutlich, wie die Rohstoffpreise und die Währungen, die in den vergangenen Jahren so deutlich nach oben gelaufen sind und die zum Teil extrem bewertet waren.
Sehr wahrscheinlich setzen sich entsprechende Tendenzen weiter fort
Gerade in den vergangenen Tagen kam und kommt es jedoch zu massiven Gegenbewegungen. Am deutlichsten zeigt sich das im Verhältnis zwischen dem Neuseeland-Dollar und dem Yen. Immerhin war dieses Währungspaar in den vergangen Wochen zum Lieblingsspekulationsobjekt selbst japanischer Hausfrauen und Rentner geworden, die sich auf diese Weise ihre Haushaltskasse aufgebessert haben. Nun geht allerdings der Schuss nach hinten los: Der Neuseeland-Dollar hat in den vergangnen fünf Wochen satte 18 Prozent verloren, alleine am Donnerstag 6,7 Prozent in Yen.
Das zeigt, dass viele Marktteilnehmer dazu übergegangenen sind oder gar dazu gezwungen wurden, ihre Risiken zu reduzieren. Sehr wahrscheinlich setzen sich entsprechende Tendenzen über ein breites Währungsspektrum hinweg weiter fort, da deutliche Währungsbewegungen bestehende Zinsdifferenzen überkompensieren. Aus diesem Grund werden festverzinsliche Anlagen in Fremdwährungen rasch unrentabel und zwingen die Anleger, sie zu schließen. Das wiederum löst weitere Währungstransaktionen aus, die auf diese Weise den Devisenmarkt bewegen können. So besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die Korrekturbewegungen am Devisenmarkt noch weiter fortsetzen können.
Über Repatriierungsströme scheint davon zumindest kurzfristig sowohl der Dollar profitieren zu können, in deutlich stärkerem Ausmaß jedoch der Yen. Im Gegensatz zum Dollar ist der Yen auch deutlich unterbewertet.
Anleger können auf die weitere Aufwertung des Yen gegen den Euro setzen, indem sie sich beispielsweise Euro-Yen-Puts oder entsprechende Zertifikate ins Depot legen. Allerdings sollten sie eingegangene Positionen möglichst permament im Auge behalten. Denn die Zinsdifferenz zwischen Euro und Yen ist zu gross (siehe auch: Yen-Käufer haben die Terminkurve gegen sich) und die Volatilität zu hoch, als dass man sich auf solchen Papieren ausruhen könnte.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Calyon/Bloomberg, FAZ.NET, UBS Foreign Exchange Strategy