22. Januar 2008 An den internationalen Finanzmärkten ist es turbulent geworden. Nicht nur die massiven Kursverluste der vergangenen Tage an den Börsen sorgten für eine inzwischen sehr hoch gewordene Volatilität, sondern auch die drastischen Gegenmaßnahmen von amerikanischer Seite.
Dazu zählt nicht nur das von der Regierung vor wenigen Tagen angekündigte Konjunkturprogramm, sondern vor allem auch die überraschend vorgezogene deutliche Leitzinssenkung der amerikanischen Zentralbank. Sie schraubte den Leitzins am Dienstag um 75 Basis- oder 0,75 Prozentpunkte nach unten auf nun 3,5 Prozent.
Zinssenkung zur Rettung des amerikanischen Finanzsektors
Dieser Schritt soll wohl dem amerikanischen Finanzsektor helfen, der aufgrund der Kreditkrise und der immer größer werdenden Verluste im Immobilienbereich unter zunehmendem Stress steht. Ob diese Rechnung aufgehen wird, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Immerhin können manchem Anleger langsam Zweifel an der Solidität der amerikanischen Finanz- und Geldpolitik kommen, die sich offensichtlich von Vermögenspreisblase zu Vermögenspreisblase hangelt.
Sicher ist kurzfristig nur, dass diese Strategie den Dollar wieder in die Defensive gebracht hat, nachdem er in den vergangenen Wochen zumindest gegen den Euro Erholungsansätze gezeigt hatte. Am Dienstagnachmittag sind nach der amerikanischen Leitzinssenkung 1,4636 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können. Am Morgen noch hatte der Kurs bei 1,4365 Dollar gelegen.
Diese Entwicklung wird kurzfristig getrieben von der unterschiedlichen Zinsen in Europa und den Vereinigten Staaten einerseits und von der Erwartung, dass die amerikanische Zentralbank selbst nach der deutlichen Zinssenkung den Leitzins noch weiter senken werde. Inzwischen werden Einschätzungen herumgereicht, nach welchen er bis zur Mitte des laufenden Jahres auf dann noch zwei Prozent fallen könnte.
Unterschiedliche Zinsentwicklung in Europa und Amerika
Aus diesem Grund hat es den Anschein, als ob der Dollar gegen den Euro zumindest kurzfristig weiter ins Hintertreffen geraten könnte. Allerdings sieht es mittel- und längerfristig anders aus. Denn sollte sich die amerikanische Konjunktur tatsächlich so stark abschwächen, wie solche Aktionen unterstellen, so dürfte sie bremsende Wirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben, auch auf die europäische.
In diesem Rahmen würde sich sehr wahrscheinlich der Inflationsdruck in Euroland langsam legen und - zumindest bei vernünftiger Fiskal- und Lohnpolitik in europa - auf diese Weise den Druck auf die Europäische Zentralbank mindern, den Leitzins nach oben zu nehmen. So sollte der neuerliche Aufwertungsdruck auf die Europäische Einheitswährung von dieser Seite gedämpft werden. Immerhin rechnen inzwischen auch Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank mit einer konjunkturellen Abschwächung in Europa. Sie scheinen mit solchen Äußerungen den Aufwertungsdruck vom Euro nehmen zu wollen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET