18. Juli 2008 Die türkische Landeswährung ist am Freitag sowohl gegenüber dem Euro als auch zum Dollar auf den höchsten Stand seit März gestiegen. Ausgehend von einem im April markierten Jahrestief hat die Lira jeweils um rund zwölf Prozent zugelegt. Ungefähr die Hälfte des zuvor in diesem Jahr erlittenen Einbruchs ist damit wieder wettgemacht.
Die in den vergangenen Wochen gezeigte Stärke ist primär auf die Wende der Notenbank im Zinszyklus zurückzuführen. Am Donnerstag hat sie zum dritten Mal in drei Monaten die Leitzinsen erhöht, diesmal um 50 Basispunkte auf 16,75 Prozent. Das ist nicht nur der höchste Satz unter den großen Schwellenländern, sondern liegt auch deutlich über den Zinssätzen in den Industrienationen.
Der Renditevorsprung lockt Anlagen in den türkischen Anleihemarkt, was wiederum die Lira stärkt. In den kommenden Monaten könnte diese Stütze sogar noch etwas wichtiger werden, denn die restriktive Zinspolitik dürfte sich noch etwas fortsetzen.
Weitere Zinsschritte zu erwarten
Nach drei großen Zinsschritten in Folge gehen die Volkswirte der WGZ Bank zwar davon aus, dass nun die Zeit der kleineren Schritte angebrochen ist. Es wird aber noch mit einer Anhebung bis auf 17,25 Prozent gerechnet. Auf diesem Niveau könnte dann ein Schlussstrich gezogen werden.
Allerdings nur wenn die Lira nicht wieder signifikant unter Druck gerät. Genau diese Gefahr sieht man bei der WGZ Bank und verweist auf das unsichere politische Umfeld. Mit dem Verbotsantrag gegen die Regierungspartei AKP gestaltet sich die politische Lage derzeit in der Tat sehr ungemütlich.
Neben der Politik gibt es aber auch noch weitere Belastungsfaktoren, die gegen die türkische Landeswährung sprechen. Zu nennen sind vor allem die wachsenden Defizite in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt. Der hohe Ölpreis macht den Kampf dagegen für das stark auf Ölimporte angewiesene Land nicht gerade einfacher. Bis Mai war das Defizit in der Leistungsbilanz um 33 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar gestiegen. Der Broker Raymond Securities befürchtet man aufgrund dieses Anstiegs und seiner schwieriger werdenden Finanzierbarkeit mittelfristig Druck auf die Lira.
Inflationsprobleme
Neben den Defiziten können selbst die gestiegenen Leitzinsen, die sich zuletzt als Stütze erwiesen haben, auch negativ ausgelegt werden. Denn zum einen sind sie darauf zurückzuführen, dass die Inflationsrate mit 10,6 Prozent deutlich über dem von der Notenbank angestrebten Ziel liegt. Erst Anfang Juni revidierte die Notenbank das Ziel für 2009 von 4 auf 7,5 Prozent nach oben. Zum anderen dürften die höheren Leitzinsen die Konjunktur dämpfen.
Anleger, die auf eine weiter anziehende Lira wetten, können sich daher nicht sorgenfrei zurücklehnen. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit einer zunächst festen Lira aufgrund des Zinsausblicks relativ hoch. Doch wegen der aufgezeigten Probleme kann das Pendel auch schnell in die andere Richtung ausschlagen.
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Text: @JüB
Bildmaterial: F.A.Z.