Devisen

Türkische Lira - Korrekturen können Käufer reizen

12. Oktober 2007 Die Kursentwicklung der Neuen Türkischen Lira in den vergangenen Wochen war phänomenal. Kam es im Rahmen der durch die anhaltende, jedoch von den Anlegern nicht mehr ernst genommenen Kreditkrise zunächst zu einer deutlichen Unterbrechung der Aufwertungsbewegung gegen Dollar, Euro und vor allem auch gegen den Yen, so wurde die Zwischenkorrektur inzwischen längst mehr als überkompensiert.

Hatte die Lira beispielsweise vom dreizehnten bis zum 16. August gegen den Yen knapp 14 Prozent ihres Wertes verloren, so hat sie inzwischen wieder bis zu 26,5 Prozent zugelegt. Gegen den Dollar fiel der Kurs um bis zu 17 Prozent und gegen den Euro um bis zu 12,5 Prozent auf bis zu 1,6715 Lira je Euro in der Mitte der Woche, bevor er bis Freitag wieder um 1,6935 Lira je Euro zulegte. Ein fallender Kurs bedeutet im Verhältnis zum Euro und Dollar, dass die Lira aufwertet.

Mittelfristiger Aufwertungstrend ist intakt

Insgesamt ist der mittelfristige, wenn auch volatile Aufwertungstrend der türkischen Währung weiterhin intakt. Es wird ausgelöst durch die massiven Mittelzuflüsse, die die Schwellenländer allgemein in den vergangenen Wochen und Monaten verbuchen konnten. In der Türkei spielt zusätzlich die Tatsache eine Rolle, dass Ende Juli die islamisch-konservative AKP von Ministerpräsident Tayyip Erdogan die Parlamentswahl in der Türkei überraschend klar für sich entscheiden.

Erdogan kündigte an, er werde demokratische Reformen und die wirtschaftliche Entwicklung ebenso weiter vorantreiben wie die Gespräche zur EU-Mitgliedschaft. Unter der Regierung der AKP, der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, ist die Wirtschaft in der Türkei stark gewachsen. Die Aussicht auf eine weiter wirtschaftsfreundliche Politik führte zu weiteren Kapitalzuflüssen aus dem Ausland. Diese trugen dazu bei, dass unter anderem auch die Börsen des Landes immer weiter nach oben lief.

Der Rentenmarkt des Landes zeiht Kapital an, da er einerseits noch hohe Renditen bietet, andererseits die Aussicht auf fallende Zinsen. Auf der anderen Seite ist die Inflationsrate in der Türkei in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Erreichte sie noch im Januar des Jahres 2002 Werte von 73 Prozent und mehr, so lag sie Ende Juni des laufenden Jahres noch bei 8,6 Prozent. Nach einem deutlichen Anstieg in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres auf bis zu 11,7 Prozent befindet sei sich nun wieder auf dem Weg nach unten. Dazu dürfte unter anderem die Stärke der Währung beitragen, da sie den Preisauftrieb bei Energie und Rohstoffen abfedert und Importe günstiger macht. Faktisch scheint sich das Leistungsbilanzdefizit des Landes in den vergangenen Monaten insgesamt stabilisiert zu haben. Das spräche weiterhin für die Lira.

Kurzfristige Korrekturrisiken

Auf der anderen Seite nehmen zumindest kurzfristig die Risiken für einen Rückschlag zu. Alleine schon deswegen, weil die Währung in den vergangenen Wochen so gut gelaufen ist. Sie leiten sich aber auch unter anderem aus geopolitischen Aspekten ab, die im Zusammenhang mit einer möglichen militärischen Operation in Kurdistan zu sehen sind. Zum anderen rechnen beispielsweise die Analysten der BNP Paribas damit, dass die türkische Zentralbank intervenieren könnte, um die Geschwindigkeit der Währungsaufwertung wenigstens zu bremsen. Immerhin deuteten die Aktionen einiger lokaler Marktteilnehmer auf Tendenzen zu Gewinnmitnahmen in der Lira hin.

Allerdings würden sie dazu raten, eine Korrektur der Aufwertungsbewegung als Kaufgelegenheit für die Lira zu sehen. Immerhin habe die Zentralbank einen gewissen Spielraum für Zinssenkungen. Auf der anderen Seite würden die Methoden der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Türkei an europäische Standards angepasst. Das könne dazu führen, dass die Wachstumszahlen deutlich nach oben revidiert werden könnten. Das wiederum könnte sich positiv die Kreditqualität des Landes auswirken. Sollte es gar den Status „investment grade“ erlangen, könnte das weitere Mittelzuflüsse auslösen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, IMF, Reuters Ecowin Pro, BNP Paribas, Reuters Ecowin Pro, BNP Paribas, * 0.77 EURTRY+ 1 USDTRY

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