Devisenmarkt

Forint relativ stark gegen den Euro

27. Mai 2008 Am Devisenmarkt trennte sich in den vergangenen Wochen und Monaten die Spreu vom Weizen. Währungen wirtschaftlich angeschlagener Staaten wurden und werden verkauft, selbst wenn die Zentralbanken des betreffenden Landes die Zinsen erhöhen oder wenn andere Maßnahmen zur Stabilisierung der Entwicklung getroffen werden.

Das gilt für Island ebenso, wie für Südafrika und die Türkei. Die Kurse ihrer Währungen gerieten in den vergangenen Tagen nach einer Zwischenerholung wieder unter Druck. Bisher gilt das allerdings nicht für den ungarischen Forint. Denn dieser hat seit Februar gegen den Euro rund acht Prozent zugelegt auf zuletzt 244,14 Forint je Euro.

Zentralbank konzentriert sich auf die Inflationsbekämpfung

Auf der einen Seite dürften dazu die kürzliche Abschaffung des Handelsbandes, die Konzentration der Zentralbank auf das primäre Ziel der Inflationsbekämpfung und nicht zuletzt auch drei Leitzinserhöhungen seit Ende Februar von 7,5 auf zuletzt 8,5 Prozent beigetragen haben.

Die Zinserhöhungen dürften angesichts der Preisentwicklung nicht verwundern. Denn die Inflationsrate lag im April mit 6,6 Prozent auf Jahresbasis deutlich über dem mittelfristigen Ziel der Magyar Nemzeti Bank von drei Prozent. Die Zentralbank geht in ihrer aktuellen Lagebeurteilung davon aus, dass die Preisentwicklung aufgrund von Preisschocks, die sowohl von Binnen- als auch von internationalen Faktoren ausgingen, im laufenden und auch im kommenden Jahr deutlich über dem Ziel liegen könnte. Das gälte vor allem dann, wenn sich das Lohnwachstum weniger stark mäßigen würde, als bisher angenommen. Die durchschnittlichen Bruttolöhne sind im März auf Jahresbasis um 9,9 Prozent gestiegen.

Auf dieser Basis scheinen weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen zu sein, obwohl sich die Wirtschaft allenfalls verhalten entwickelt. Die industrielle Produktion Ungarns legte im März mit einem Plus von 4,3 Prozent weniger deutlich zu als erwartet, der Einzelhandel ging um 3,7 Prozent zurück - jeweils auf Jahresbasis. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal auf Jahresbasis um 1,6 Prozent. Die Zentralbank geht davon aus, dass das Wachstum im laufenden Jahr bei 2,2 Prozent liegen wird, nach 1,3 Prozent im vergangenen Jahr.

Opposition fordert Neuwahlen und möchte Steuern senken

Auf der anderen Seite konnte das Land in den vergangenen Monaten die Handelsbilanz ausgleichen. Premierminister Ferenc Gyurcsany äußerte sich am Dienstag optimistisch, eine Mehrheit für das geplante Budget zu finden, obwohl er mit der sozialistischen Partei eine Minderheitsregierung bildet. Diese werde bis zum nächsten Wahltermin im Jahr 2010 halten, erklärte er optimistisch. Die Opposition dagegen fordert vorgezogene Neuwahlen. Sie stößt nach jüngsten Umfragen auf eine Zustimmungsrate von 42 Prozent, während die regierenden Sozialisten auf gerade einmal 19 Prozent kommen.

Die Opposition möchte alle Staatsausgaben auf den Prüfstand stellen, um Raum zu schaffen für Steuersenkungen, um auf diese Weise die Wirtschaft anzukurbeln. Genau darauf scheinen die Marktteilnehmer am Devisenmarkt gegenwärtig zu spekulieren, indem sie den Forint kaufen. Skeptiker halten dagegen: „Politische Unsicherheiten, völliger Stillstand bei Reformen und die nach wie vor sehr schwachen Fundamentaldaten unterstützen den derzeitigen Forintkurs nicht. Mit einem Ende der Zinserhöhungen könnte dies wieder verstärkt in den Fokus der Investoren kommen“ erklären beispielsweise die Experten der RZB in Wien. Mit dieser Einschätzung lagen sie jedoch zumindest in den vergangenen Wochen daneben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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