Industriemetalle

Blei-Rally wirkt gut unterstützt

23. Mai 2007 Am Dienstag war Blei so teuer wie nie. An der Londoner LME kostete das giftige Metall, das vor allem in Batterien Verwendung findet, zeitweise 2.216 Dollar je Tonne.

Später gab der Preis etwas nach, am Mittwochvormittag waren je Tonne noch 2.075 Dollar zu zahlen. Seit Jahresbeginn hat unter den Industriemetallen nur Nickel noch stärker zugelegt.

Will China den Blei-Export drosseln?

Bleiglanz

Bleiglanz

Blei profitierte am Dienstag vor allem von der Ankündigung Chinas, auf den Export von raffiniertem Blei ab Juni eine Steuer von zehn Prozent einzuführen. Dies könnte die Blei-Knappheit verschärfen. „Der Markt befürchtet, dass China den Blei-Export drosseln will“, zitiert Bloomberg den Analysten William Adams von Basemetals.com, der auf eine lange Erfahrung an der LME zurückblicken kann.

Mitte Mai hatte die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) mitgeteilt, dass sie 2007 das fünfte Jahr in Folge ein Blei-Angebot erwartet, das die Nachfrage nicht decken kann. In diesem Jahr dürften etwa 50.000 Tonnen Blei fehlen, vermutet die Organisation.

Bleivorräte auf niedrigem Niveau

Der LME zufolge sind die Bleivorräte in denen von ihr autorisierten Lagerhäusern inzwischen auf 48.200 Tonnen gefallen. Das bedeutet einen Schwund von 54 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten.

Blei sehe von allen Industriemetallen aus technischer Sicht am besten aus, schreibt Edward Meir von Man Financial im jüngsten „Metals Report“ am Dienstag. Wenn Blei zwei Tage hintereinander über einem Niveau von 2.140 Dollar schließe, sei dies die nächste Unterstützung.

Bleiproduktion nimmt leicht zu...

ILZSG -Daten zufolge betrug die Blei-Minenproduktion im vergangenen Jahr 3,492 Millionen Tonnen, das sind gut zwei Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Allein im Januar dieses Jahres betrug die Minenproduktion 304.000 Tonnen, im Vorjahresmonat waren es nur 285.000 Tonnen gewesen.

Die Gesamtproduktion dagegen lag bei 8,024 Millionen Tonnen, das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Zu erklären ist der Unterschied zur Minenproduktion durch Recycling und Schrottverwertung.

... doch die Nachfrage übersteigt das Angebot

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres überstieg die Blei-Nachfrage das Angebot nach ILZSG-Daten um knapp vier Prozent. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Überschuss von mehr als drei Prozent gegeben.

Mennige - Gemisch aus Bleioxiden

Mennige - Gemisch aus Bleioxiden

Die Organisation berichtete jüngst von einem deutlichen Rückgang der chinesischen Exporte, was offensichtlich auf einen deutlich erhöhten Verbrauch in China selbst zurückzuführen sei.

Langfristig soll Blei ersetzt werden

Da Blei ein sehr giftiges Metall ist, wurde es in den vergangenen Jahrzehnten aus immer mehr Anwendungen verdrängt. Langfristig wird sich dieser Prozess vor allem aus umweltpolitischen Gründen fortsetzen. Ersetzt werden könnte Blei in einigen Anwendungen zum Beispiel durch Kunststoff, Zink oder Aluminium.

Verwendung findet Blei heute in erster Linie in Autobatterien (siehe Grafik). Damit hängt die Preisentwicklung natürlich zu einem guten Teil an der Konjunktur der Automobilbranche.

Solange die chinesische Wirtschaft robust bleibt, darf Blei wohl weiterhin als knappes Gut gelten. Langfristig bleibt abzuwarten, inwiefern es gelingt, Blei in weiteren industriellen Anwendungen zu ersetzen. Derzeit scheint die Blei-Rally aber fundamental gut unterstützt zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: GFDL, LME, www.kitco.com

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