12. August 2008 Der Ölpreis setzt nach den noch Anfang Juli erreichten Rekordpreisen seine Korrektur fort. Nach einem Minus von 1,25 Prozent kostet ein Barrel Öl der Sorte WTI am Dienstag noch 113 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Mai des laufenden Jahres.
Für die Korrektur machen Analysten und andere Marktteilnehmer zunehmend Gewinnmitnahmen von Spekulanten verantwortlich, obwohl sie sie zuvor nicht wahrhaben wollten. Auf der anderen Seite spielen jedoch auch fundamentale Faktoren eine Rolle.
Hohe Preise dämpfen die Nachfrage
Erstens dämpfen hohe Preise die Nachfrage zumindest in jenen Regionen, in denen sie ihre Wirkung entfalten können. Das gilt für die industrialisierten Staaten, die zudem mit konjunkturellen Schwächezeichen konfrontiert werden. So ließ die International Energy Agency (IEA) bei ihrem am Dienstag vorgelegten Oil Market Report ihre Nachfrageprognose für das laufende Jahr zwar unverändert bei 86,9 Millionen Barrel pro Tag. Auf der anderen Seite hat jedoch das Ölangebot im Juli zugenommen auf 87,8 Millionen Barrel pro Tag.
Die Agentur machte zudem ermutigende Zeichen mit Blick auf die Ölförderkapazitäten aus. So gingen Felder in Nigeria und Angola in die Produktion, während die Kapazitäten in Saudi Arabien deutlich gesteigert werden würden. Insgesamt nähmen die freien Produktionsmöglichkeiten auf diese Weise zu. Blieben andere Faktoren unverändert, sollte die Kombination zwischen schwächeren Wirtschaftsdaten und zunehmendem Angebot zu steigenden Lagerbeständen führen, heißt es. Allerdings gebe es dafür gewisse Risiken, wie der Blick auf die geopolitische Entwicklung in Georgien, die Schließung der Pipeline Baku-Tblisi-Ceyhan sowie Produktionsausfälle in Nigeria und Aserbeidschan zeigten.
Damit bleiben die IEA-Analysten vorsichtig, zumal sie in den vergangenen Monaten zur Argumentation neigten, die Ölversorgung könnte knapp werden. Das sieht die Opec, also die Organisation der Erdöl produzierenden Staaten anders. Nach jüngsten Aussagen falle der Ölpreis, weil es ein Überangebot gebe. Das erklärte zumindest Mohammad Ali Khatibi, Irans Opec-Beauftragter.
Dollarerholung gegen die Korrektur im Rohstoffbereich
Ein weiterer Faktor ist die Wertentwicklung der amerikanischen Währung. Nach einer jahrelangen Schwächephase erholte sie sich in den vergangenen Tagen unter anderem aufgrund der geopolitischen Ereignisse im Kaukasus und aufgrund der wirtschaftlichen Schwächezeichen in Europa und weiteren Teilen der Welt sowohl gegen den Euro als auch gegen viele der so genannten Rohstoffwährungen. Dieser Trend kann sich dann fortsetzen, wenn sich die Weltwirtschaft deutlicher abkühlte als bisher erwartet. Denn das würde die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen weiter zurückgehen lassen und amerikanische Anleger in Erwartung einer schwachen Entwicklung in den Auslandsmärkten dazu bringen, ihre Mittel zu repatriieren.
Der Ölpreis geriete gleich von zwei Seiten unter Druck: Erstens aufgrund der schwächeren Nachfrage. Zweitens würden Reize wegfallen, sich gegen den Wertverlust der amerikanischen Währung durch den Kauf von Energie- und Rohstoffkontrakten abzusichern.
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Text: @cri
Bildmaterial: EIA, EIA, BEA, UniCredit Global Research, FAZ.NET, IEA, IEA, UniCredit Global Research, UniCredit Global Research