Ölmarkt

Ölanleger haben mit Verkäufen den Preisverfall ausgelöst

10. September 2008 Anleger, die mit Indexinvestments auf steigende Rohstoffpreise gewettet hatten, haben seit dem Ölpreisrekord vom Juli 39 Milliarden Dollar vom Terminmarkt abgezogen. Dies zeigt eine Studie des Hedge-Fonds Masters Capital Management. Index-Investoren seien für die Hausse am Ölmarkt und die inzwischen eingetretene Baisse in der Hauptsache verantwortlich, erklärt Michael Masters. Der Ölmarkt-Experte stand in diesem Jahr schon dreimal dem amerikanische Kongress Rede und Antwort.

Masters argumentierte, Beschränkungen im Handel mit börsen- und nicht börsengehandelten Terminkontrakten würden den Ölpreis auf 65 bis 70 Dollar je Barrel senken. Seine Erklärungen werden von den Abgeordneten zitiert, die mindestens 20 Maßnahmen zur Beschränkung von Spekulationen eingeführt haben.

Hedge-Fonds-Chef fordert gesetzliche Beschränkung für Investments in Rohstoff-Indizes

Der Grund für den Rückzug der Index-Investoren sei der Druck, den der Kongress auf die Rohstoffaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ausgeübt habe, schärfer zu ermitteln und anonyme Transaktionen zu begrenzen, so Masters. „Ich denke, es ist kein Zufall, dass die Gelder abgeflossen sind, nachdem der Druck so erhöht wurde“, sagte er im Interview mit Bloomberg News. Der Hedge-Fonds-Chef fordert eine gesetzliche Beschränkung für Investments in Rohstoff-Indizes.

Am elften Juli hatte der Ölpreis mit 147,27 Dollar je Barrel ein Rekordhoch erreicht. Bis zum Dienstag der laufenden Woche war er um rund 30 Prozent auf 101,74 Dollar je Fass gefallen. Am Mittwoch wird das Barrel Öl an der New York Mercantile Exchange zu 103,29 Dollar gehandelt, nachdem die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) eine Produktionsbeschränkung angekündigt hat, um auf diese Weise auf die schwächende Weltwirtschaft zu reagieren.

„Die Spekulanten, die die Preise nach oben getrieben haben, haben im Grunde auch die Luft aus der Blase gelassen“, kommentiert Fadel Gheit, Direktor Analyse bei Oppenheimer Capital in New York die Entwicklung. „Sie haben sich gesagt: Das war's, das Spiel ist aus. Wir setzen auf ein anderes Pferd.“

Die CFTC wird am Donnerstag einen Bericht veröffentlichen, der offenlegen soll, inwieweit Index-Investoren und der Handel die Rohstoffpreise beeinflusst haben. Die Aufsichtsbehörden dürften von den Banken der Wall Street fordern, regelmäßig ihre Positionen in Energie-Kontrakten am unregulierten Swap-Markt offenzulegen, verlautete aus informierten Kreisen.

JPMorgan, Goldman Sachs, Barclays und Morgan Stanley kontrollierten insgesamt 70 Prozent der Positionen an Rohstoff-Swaps. Die Swap-Händler halten die größten Positionen an Rohölkontrakten an der Nymex, erklärt Masters. Von den Banken war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Banken tätigen Swap-Geschäfte mit Fluglinien und Hedge-Fonds, um von Preisbewegungen bei Rohöl zu profitieren und gleichen auf diese Weise einen Teil dieses Risikos an Terminbörsen wie der Nymex aus.

Wer mit Angebot und Nachfrage argumentiert, soll die starken Preisschwankungen erklären

„Diese großen Finanzakteure sind die Hauptquelle für die dramatische und schädliche Preisvolatilität in jüngster Zeit geworden“, schrieb Masters in seinem Bericht. Allerdings trifft sein Bericht auch auf Kritik. Er habe keinen Zugang zu den Daten, die für seine Schlussfolgerungen nötig seien, bemängeln Investoren. Masters' Hedge-Fonds ist auf den amerikanischen Virgin Islands domiziliert. „Ebenso wenig wie Wettervorhersagen das Wetter beeinflussen, beeinflussen Energiespekulanten den Ölpreis“, erklärte Scott Talbott, Lobbyist für den Financial Services Roundtable, eine Investorenorganisation.

„Wer hier mit Angebot und Nachfrage argumentiert, soll mir bitte erklären, wie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage dafür sorgen kann, dass der Ölpreis im Januar noch bei 95 Dollar liegt, im Juni dann bei 150 und im September wieder bei 100“, hält Masters dagegen. Laut eigenen Angaben extrapoliert Masters seine Zahlen aus öffentlichen landwirtschaftlichen Daten. Aus diesen berechnet er Zahlen, die auch die Investments in Ölkontrakte enthalten.

Der von Masters gemanagte Hedge-Fonds hält Aktien der vier großen amerikanische Fluggesellschaften AMR, Delta Air Lines, US Airways Group und UAL, geht aus einer Pflichtmitteilung vom 30. Juni hervor. Airlines sichern sich gegen Ölpreisschwankungen ab und litten unter den starken Preisbewegungen.

Text: Bloomberg
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, IEA

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