17. September 2007 Die Kurse am Devisenmarkt können sich schnell bewegen. Das zeigte sich in den vergangenen Tagen am Beispiel des britischen Pfunds. Konnte es noch bis vor wenigen Tagen von der anhaltenden Dollarschwäche einerseits und von der Zinserhöhungsphantasie andererseits profitieren, so ist das inzwischen vorbei.
Denn die Immobilienkrise, die die internationalen Anleger längst auf sinkende Zinsen in den Vereinigten Staaten spekulieren lässt, hat inzwischen auch Großbritannien erreicht. Sah es lange Zeit so aus, als ob die britischen Immobilienpreise trotz des bereits hohen Niveaus weiter steigen und die britische Zentralbank zu weiteren Zinserhöhungen zwingen würde, so sind diese Erwartungen inzwischen verflogen.
Mittelfristiger Aufwertungstrend gegen den Euro durchbrochen
Das macht sich beim Pfund längst bemerkbar. Die britische Währung ist inzwischen nicht nur wieder unter die Marke von zwei Dollar gefallen, sondern hat auch gegen den Euro den mittelfristigen Aufwertungstrend durchbrochen. Das dürfte angesichts der jüngsten Turbulenzen am britischen Immobilien- und Finanzmarkt kaum überraschen.
Am Freitag waren die Aktien zweier europäischer Finanzdienstleister aus dem Immobilienbereich in schweres Fahrwasser geraten: die des britischen Anbieters Northern Rock und die des deutschen Finanzierungsvermittlers Interhyp. Die Kurse brachen in London und Frankfurt jeweils um rund ein Viertel ein und zogen die übrigen Finanzwerte mit in die Tiefe.
Wie brisant die Lage zumindest in England ist, zeigt die Tatsache, dass die britische Notenbank Northern Rock zur Seite springen musste. Die Regierung in London stimmte am Freitag einer Finanzhilfe durch die Bank of England zu. Die genaue Höhe des Notfallkredits blieb unklar. Es handele sich um das Überbrücken eines vorübergehenden Liquiditätsproblems, hieß es optimistisch.
Wie weit dieser Optimismus tragen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Immerhin befindet sich die Aktie von Northern Rock auch am Montag in der Defensive. Am späten Vormittag liegt das Papier mit einem Minus von 28,4 Prozent bei 313,75 Pence und damit nur wenig über dem bisherigen Tagestief von 290 Pence.
Mervyn King führt sich ad absurdum
Es hat alleine in den vergangenen beiden Handelstagen mehr als die Hälfte seines Wertes verloren. Bei den Aktien von Bradford & Bingley sieht es nicht viel anders aus. Vor diesem Hintergrund und auch mit Blick auf die Tatsache, dass der britische Hauspreisindex in den vergangenen vier Wochen um 2,6 Prozent im Vergleich mit dem Vormonat gefallen ist, dürfte das Anlegern ebenso zu denken geben, wie das anhaltende Misstrauen der Banken untereinander. Keine scheint richtig einschätzen zu können, wer angesichts fallender Immobilienpreise in den Vereinigten Staaten und nun auch in Europa welche Risiken in seinen Büchern hat. Immerhin werden die Immobilienrisiken noch verstärkt durch jene, die aus dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen stammen.
In diesem Sinne dürfte das britische Pfund bis auf weiteres einen eher schweren Stand haben, selbst wenn die amerikanische Zentralbank den Leitzins deutlich senken sollte. Zudem schwindet auch das Vertrauen in Mervyn King, Gouverneur der britischen Zentralbank. Kaum hatte er gesagt, man dürfe Unternehmen und Anleger, die sich verspekuliert haben, nicht mittels Geldpolitik zu Hilfe kommen, so musste er schon Gelder für Northern Rock locker machen. Er führte sich auf diese Weise selbst ad absurdum. Auch charttechnisch bietet das Pfund mit dem Bruch unter die Marke von 2,014 Dollar und des Aufwertungstrends gegen den Euro kaum Phantasie.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, rightmove.co.uk
