Devisenmarkt

Kurzfristig dominiert die Risikoaversion

06. Juli 2009 Die Anleger werden risikoaverser. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen neigen sie nicht nur an den Börsen zu Gewinnmitnahmen, sondern neuerdings auch an den Energie- und Rohstoffmärkten und im Devisenbereich.

So gibt der Ölpreis alleine am Montag mehr als vier Prozent auf zuletzt 63,79 Dollar je Fass der Sorte WTI nach, während sich der Dollar auf breiter Front gegen beinahe alle Währungen weltweit robust entwickelt und der Yen sogar deutlich aufwertet.

Ölpreis gibt nach, Dollar und Yen werten auf

Die japanische Währung legt alleine am Montag 2,4 Prozent gegen die norwegische Krone zu, etwas mehr als zwei Prozent gegen den polnischen Zloty, zwei Prozent gegen das britische Pfund, gegen die schwedische Krone und die türkische Lira sowie 1,5 Prozent gegen den Schweizer Franken und gegen den Euro.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Im Vorfeld der anstehenden Veröffentlichungen verschiedener Unternehmensergebnisse rechnen die Anleger offensichtlich mit Enttäuschungen. Sollten sich Umsätze und Gewinne im Durchschnitt schlechter entwickeln als erwartet, würden sich auf diese Weise die optimistischen Wachstumserwartungen der vergangenen Wochen widerlegen lassen. Aus diesem Grund positionieren sich die Anleger zumindest kurzfristig defensiv.

Das heißt, sie verkaufen Positionen, die sie in den vergangenen Wochen aufgebaut hatten und sie tendieren dazu, Liquidität zu repatriieren. Solche Bestrebungen lassen Währungen wie die amerikanische und die japanische aufwerten, während die Währungen der Rohstoffstaaten und der Regionen, die die Folgen der Kreditkrise noch nicht voll verdaut haben, unter Druck geraten.

Zu letzteren zählen die Währungen Mittel- und Osteuropas und nicht zuletzt auch der Euro. Immerhin stehen nicht nur verschiedene Staaten Osteuropas wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand, sondern auch im Westen ist nicht alles Gold was glänzt. Staaten wie Irland, Spanien, Italien und Griechenland werden einerseits durch die geplatzten Immobilienblasen belastet. Auf der anderen Seite haben sie in den vergangenen Jahren dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit verloren, da sie ihre an sich schon schwachen Wirtschafts- und Finanzstrukturen nicht einmal in Ansätzen verbessert haben.

Europas Probleme sind noch lange nicht bereinigt

Selbst in Deutschland liegen die Probleme offen: Das Land ist zu einseitig ausgerichtet auf die Exportindustrie und zu abhängig von einer Automobilindustrie, die sich durch riesige Überkapazitäten und immer intensiver werdenden Preiswettbewerb auszeichnet. Die Konsumenten halten sich zurück, da sie erstens durch riesige, teure bürokratische Apparate belastet werden und weil sie aufgrund des Verschuldungswahns der öffentlichen Haushalte mit weiteren Belastungen rechnen müssen.

Dazu kommen die massiven Überkapazitäten im Finanzsektor, der wegen maroder Bilanzen - europäische Banken sind internationaler als amerikanische und haben bisher vergleichsweise wenige Abschreibungen getätigt - und berechtigter Sorgen über die wirtschaftlichen Aussichten der verbliebenen Kunden nur noch sehr restriktiv Kredite vergibt, obwohl er von der Zentralbank überaus generös und äußerst günstig mit Liquidität versorgt wird.

Über allem schweben die Diskussionen über das internationale Währungssystem, die beim anstehenden Treffen der Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten einen neuen Höhepunkt erreichen könnten. Im Vorfeld kam es zwar offiziell zu beruhigenden Äußerungen. Wo Rauch ist, lässt sich in der Regel jedoch auch ein Feuer finden. Tatsächlich ist nicht nur der Dollar ein Problem, sondern auch die kompetitiven Abwertungen verschiedener Staaten mögen eine Rolle spielen.

Insgesamt ist und bleiben die Märkte nervös. Rasche und abrupte Trendwechsel können wegen der wetterwendischen Stimmungen kaum überraschen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, UBS FX Strategy, UBX FX Strategy

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