Devisen

Japan hält den Yen schwach

11. Oktober 2007 Die internationalen Börsen boomen und die Niedrig-Zinswährungen verlieren massiv an Wert. Das dürfte kaum verwundern, denn beide Effekte hängen zusammen. Anleger können sich bei anhaltend tiefen Zinsen in Japan und der Schweiz günstig verschulden und die Erlöse in höher rentierlichen Märkten investieren.

Nachdem die Anleger die Kreditkrise zumindest mental abgeschlossen haben und wieder voll auf Risiko setzen - die massiven Rückgänge bei den Volatilitätsindizes in den vergangenen Wochen sprechen für sich -, dürfte am Tag des „unverändert tiefen Leitzinses“ in Japan nichts näher liegen, als solche Strategien auszubauen. Die Kursverluste des Yens und es Schweizer Frankens in den vergangenen Tagen sind enorm. Der Franken verliert alleine am Donnerstag gegen den Euro ein halbes Prozent seines Wertes, der Yen sogar knapp ein Prozent.

Schwächer als der Yen ist nur die Währung Simbabwes, da dort die Hyperinflation grassiert

Die generöse und vor allem beinahe kostenlose Bereitstellung - der japanische Leitzins liegt bei 0,5 und der Drei-Monats-Yen-Libor bei einem Prozent - von Finanzmitteln in Japan hält die Renditen im eigenen Land tief und reizt nicht nur internationale Anleger zur Refinanzierung, sondern sie treibt selbst die eigenen Privatanleger auf der Suche nach Rendite immer mehr ins Ausland. So dürfte es kaum verwundern, dass der Schweizer Franken - auch im der Schweiz sind die Zinsen bei sehr hohem Preisniveau sehr tief - und der Yen zu den schwächsten Währungen weltweit gehören. Schwächer ist nur die Währung Simbabwes, da dort die Hyperinflation grassiert.

Die Inflation scheint in anderen Teilen der Welt zumindest gemessen an den offiziellen Indizes kein Problem zu sein. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob man diesen Indizes überhaupt glauben kann und wie sich die zunehmenden Handelsungleichgewichte und die massiv auflaufenden Währungsreserven weltweit längerfristig bemerkbar machen werden. Immerhin treiben sie schon seit Monaten die Energie-, Rohstoffpreise und nicht zuletzt auch die Börsen und andere so genannte Vermögenpreise deutlich nach oben.

Mit 80,49 Dollar je Barrel Öl erreichte der generische Brent-Future am Donnerstag Nachmittag ein neues Allzeithoch. Der langfristige Trend zeigt weiterhin nach oben. Der Preis für Blei hat seit Jahresbeginn sogar in Euro um 117 Prozent zugelegt, der Weizenpreis um 60 Prozent, selbst die Preise für Soja, Zinn, Raps, Gerste und Kupfer liegen deutlich über dem Niveau zu Beginn des Jahres.

Steigender Preis * gleiche Menge = steigender Umsatz = höherer Gewinn - schöne neue Börsenwelt

Die Rekordkurse an den Börsen wiederum lassen sich mit den hohen Preisen rechtfertigen, da die Umsatz- und Gewinne von Unternehmen steigern, obwohl sie möglicherweise mengenmäßig nicht einmal mehr verkaufen, als in der Vergangenheit. Denn Umsatz ist Preis mal Menge. Die Preiskomponente wird unter anderem über die Terminbörsen mitbestimmt. Das heißt, die Inflation zeigt sich über diese Schiene auch bei den Unternehmensergebnissen. Zumindest bei jenen Firmen, die sich in einem Verkäufermarkt befinden. Dazu zählen unter anderen die Energie- und Rohstoffunternehmen.

Andere, die deren Produkte kaufen müssen, werden mit steigenden Kosten konfrontiert. Sie müssen entweder rationalisieren oder einen Gewinnrückgang hinnehmen. Das gilt auch für Konsumenten, deren Löhne mit den Preissteigerungen nicht mithalten können. Entweder sie müssen den Gürtel enger schnallen, sich verschulden oder sich auf positive Vermögenspreiseffekte verlassen. Allerdings zeigt die Entwicklung am amerikanischen Immobilienmarkt sowie die lange schwelende Krise in Japan, dass man sich darauf nicht unbedingt verlassen sollte. Denn steigende Preise können längerfristig zum konjunkturellen Bumerang werden.

Das hält jedoch die japanische Notenbank nicht davon ab, die Hypothekenkrise als willkommenen Vorwand zu nehmen, um eine bereits angepeilte Leitzinserhöhung erneut zu verschieben. Sie beließ am Donnerstag den Schlüsselzins unverändert bei 0,5 Prozent. Auf diese Weise wird der Yen auf seinem unterbewerteten Niveau gehalten und die Preis treibende Liquiditätsmaschine erhält weiteren Schwung, nachdem die amerikanische Zentralbank sie mit einer Zinssenkung schon angeschoben hatte. Die Europäische Zentalbank ist auch zu expansiv, da sie mit einem zu stark aufwertenden Euro konfrontiert wird.

Auf dieser Basis dürften sich die gegenwärtigen Trends an den Finanzmärkten bis auf weiteres fortsetzen. Das heißt für die Devisenmärkte, Yen und Franken werden weiter abwerten, obwohl das fundamental überhaupt nicht gerechtfertigt ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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