01. April 2005 Die Währungen der Schwellenländer bestimmten im ersten Quartal des laufenden Jahres das Geschehen an den Devisenmärkten. So legte der rumänische Leu in dieser Periode gegen einen an sich schon relativ starken Euro etwas mehr als zehn Prozent auf zuletzt 36.540 Leu je Euro zu.
Nach einer lange anhaltenden Abwertungsphase hatte sich die Währung im vergangenen Jahr zunächst bei etwa 41.000 Leu stabilisiert, bevor sie im November des vergangenen Jahres in einen kurzfristigen Aufwertungstrend überging.
EU-Beitrittsphantasie hinterläßt gewisse Spuren
Die zweitbeste Währung gegen den Euro im ersten Quartal war die türkische Lira. Sie hat in den vergangenen Jahren von der Grundstruktur her eine ähnliche Entwicklung vollzogen wie der rumänische Leu. Mit dem Unterschied, daß es auf Grund der starken Verschuldung der Türkei im Jahr 2001 am Devisenmarkt ordentlich gekriselt hat. Das heißt, die Währung zeigte zwischenzeitlich eine deutlich größere Volatilität als andere.
Der Hintergrund für beide Entwicklungen dürfte ähnlich sein. Denn sowohl mit Blick auf Rumänien als auch auf die Türkei dürfte in den vergangenen Monaten eine gewisse EU-Beitrittsphantasie in Verbindung mit der Suche der internationalen Anleger nach hochrentierlichen Anlagen eine Rolle gespielt haben. Sie wurde zum Ende des vergangenen Jahres verstärkt durch die Zusicherung der EU, mit der Türkei unter bestimmten Voraussetzungen entsprechende Verhandlungen aufzunehmen.
Um diese Zusicherung zu erreichen, hatte das Land sein ganzes Prestige in die Waagschale geworfen und einige Reformen im Inneren angestoßen, um zu beweisen, wie ernst seine Absichten seien. Mittlerweile scheint es allerdings wieder zu einer gewissen Ernüchterung zu kommen. Das zeigt sich unter anderem daran, daß die Währung in jüngster Zeit wieder etwas nachgegeben hat.
Währungen von dynamischen Ländern dürften gefragt bleiben
Grundsätzlich dürften die Währungen in jenen Staaten mittelfristig gesucht bleiben, die bei einer anhaltenden Risikoneigung der internationalen Anleger und Investoren Aussicht auf Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig fallenden Preisen und Zinsen bieten. Denn solche Länder ziehen in der Regel nicht nur Direktinvestitionen an, sondern auch Anlagegelder. Wachstum und fallende Zinsen führen unter solchen Rahmenbedingungen zu steigenden Rentenmärkten, zunehmenden Unternehmensgewinnen und damit auch zu steigenden Börsen. Und darauf ziehen die Anleger nicht selten ab, sofern es nicht global zu atmosphärischen Störungen kommt. Beispielsweise durch steigende Zinsen im Amerika.
Auf der anderen Seite des Währungsspektrums befand sich im ersten Quartal der venezolanische Bolivar. Hier dürfte es nicht schwierig sein, die Gründe für den anhaltenden Abwertungstrend der Währung auszumachen. Denn sie liegen mit großer Wahrscheinlichkeit in der chaotischen und unberechenbaren Politik des Landes unter Quasi-Diktator Hugo Chavez.
Bei den Währungen wie dem chilenischen Peso, dem südafrikanischen Rand und auch dem brasilianischen Real scheint die Abwertung des vergangenen Quartals zunächst im Rahmen einer üblichen Fluktuation zu liegen. Allerdings dürfte insgesamt noch offen sein, ob beispielsweise die Zinserhöhungen in Brasilien die Währung stützen oder eher schwächen. Denn scheinen steigende Zinsen zunächst positiv zu sein, so könnten sie auch zu einer Abschwächung des Wachstums führen. Dabei spielen bei der Währungsprognose angeblich auch Wachstumsvor- und nachteile eine Rolle.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET