31. März 2008 An den Finanzmärkten geht es nun schon seit Wochen turbulent zu. Das gilt auch für den Devisenmarkt. Seit Beginn des Jahres mussten manche Währungen deutliche Kurseinbußen hinnehmen, die im Rahmen des allgemeinen Optimismus und des hohen Risikoappetits die vom März des Jahres 2003 bis Mitte des Jahres 2007 noch einen Höhenflug erlebt hatten, allen voran die hoch verzinsliche isländische Krone.
Auf der anderen Seite konnten viele Währungen aufholen, die zuvor von risikofreudigen Anlegern aufgrund der tiefen Zinsen als Finanzierungswährungen genutzt und verkauft worden waren. Dazu zählt der Schweizer Franken ebenso wie der japanische Yen. Der Yen war die Währung des vergangenen Quartals. Denn bis auf wenige Ausnahmen konnte er in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gegen beinahe alle Währungen weltweit aufwerten.
Deutliche Aufwertung des Yen gegen die Mehrheit der Währungen ...
Gegen die isländische Krone legte er 26 Prozent zu, gegen den südafrikanischen Rand 24,7 Prozent und gegen die Neue Türkische Lira etwas mehr als 20 Prozent. Die Kursbewegungen lassen sich aus dem allgemeinen Abbau riskanter Positionen ableiten, der von der um sich greifenden Kreditkrise ausgelöst wurde. Das Risiko der so genannten Carry Trades lässt sich daraus ableiten, dass Wechselkursturbulenzen selbst massive Zinsdifferenzen überkompensieren können. Was nützt es, wenn man in Island auf Sicht eines Jahres knapp 15 Prozent Zinsen erhalten kann, wenn die isländische Krone alleine im ersten Quartal gegen den Dollar 17, gegen den Euro 24 und gegen den Yen sogar 26 Prozent abwertet?
Faktisch war der Yen weltweit beinahe die stärkste Währung im ersten Quartal. Lediglich der Schweizer Franken, die tschechische Krone und der chilenische Peso konnten in den vergangenen Wochen gegen die japanische Währung leicht aufwerten. Die Aufwertung des Yen lässt sich nur durch eine veränderte Einschätzung der Lage durch Banken und Anleger erklären. Hatten sich internationale Anleger in der niedrig verzinslichen Währung refinanziert, um die Gelder an besser rentierlichen Märkten zu investieren, so brachten diese Mittelflüsse die japanische Währung lange Zeit unter Druck. Er wurde noch verstärkt durch die zunehmende Tendenz japanischer Anleger, auf der Suche nach einer interessanten Rendite Gelder ins Ausland zu transferieren.
In den vergangenen Monaten hatten sich diese Trends im Rahmen des abnehmenden Risikoappetits und aufgrund der restriktiveren Vergabe von Krediten ins Gegenteil verkehrt. Viele Anleger dürften wegen der hohen Volatilität der Märkte zur Reduktion ihrer Positionen gezwungen und zum Kauf von Yen gezwungen worden sein. Die auf diese Weise entstehende Aufwertungsbewegung widerspricht zunächst der fundamentalen Wirtschaftsentwicklung in Japan. Denn die Stimmung im Lande ist nicht die beste und vorlaufende Indikatoren zeigen sich vergleichsweise schwach.
... obwohl die wirtschaftliche Lage in Japan kaum überzeugen kann
Der Nomura Manufacturing Purchasing Manager's Index lag im Februar mit einem Stand von 49,5 auf dem tiefsten Stand seit Monaten, und der japanische Hausbau entwickelte sich im Februar schwach. Auf der anderen Seite zeigte sich die Industrieproduktion mit einem Minus von 1,2 auf Monatsbasis und einem Plus von 4,2 auf Jahresbasis vergleichsweise robust. Sollten die Exporte des Landes in die Vereinigten Staaten oder in die asiatischen Nachbarländer nicht so stark abnehmen, wie der Markt es gegenwärtig unterstellt, dürften japanische Aktien aufgrund der Bewertung reizvoll werden können. Das könnte dem Yen weiteren Auftrieb geben.
Nicht nur der Yen wertet auf, sondern auch der Euro. Mit 1,5805 Dollar je Euro liegt er am Quartalsende nahe am noch vor wenigen Wochen markierten Rekordhoch. Dafür ist die Dollarschwäche verantwortlich, die selbst immer mehr amerikanische Anleger zur Flucht aus der eigenen Währung verführte. Amerikanische Fonds haben in den vergangenen Jahren ihre Auslandsengagements verdoppelt und auf diese Weise neben den Zinserwartungen zur Dollarschwäche beigetragen. Allerdings könnte sich der Dollar erholen, sobald internationale Unternehmen aufgrund des schwachen Dollars ihre Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten verstärken und sobald die Anleger stärker als bisher auf die amerikanischen Exportwerte setzen, die vom schwachen Dollar profitieren.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, UBS FX Strategy