Energie & Rohstoffe

Einbruch an den Rohstoffmärkten signalisiert Rezession

03. November 2008 Die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten ist weiterhin für all' jene enttäuschend, die in den vergangenen Jahren unkritisch auf die Propaganda von Ökonomen und Banken vertraut hatten, die behaupteten, die Preise könnten nur weiter nach oben laufen.

Anleger, die sich bei Wetten auf steigende Preise nicht absicherten, müssen inzwischen deutliche Verluste hinnehmen. Wer nach den Preiseinbrüchen der Industriemetalle Nickel und Zink in den vergangenen beiden Jahren noch nicht aufgeweckt wurde, sollte spätestens durch den gewaltigen Preisauftrieb des Ölpreises noch in der ersten Hälfte des laufenden Jahres aufmerksam geworden sein.

Preisauftrieb bei vielen Rohstoffen war spekualtiver Natur ...

Bei allem Verdacht auf Knappheit: Diese Entwicklung ließ sich mit der realen Nachfrage an den realen Märkten nicht mehr erklären. Längst ist klar geworden, dass es sich um die letzten Zuckungen einer spekulativen Blase gehandelt hatte. Sie zeigte sich nicht nur darin, dass sich zu Spitzenzeiten große Teile der Öl-Terminkontrakte in wenigen professionellen Händen konzentriert hatten. Sondern sie wird nun auch daran deutlich, dass selbst die Ankündigung einer deutlich Produktionskürzung der Opec den Preisrückgang kaum bremsen kann.

Mancher Ölförderer ist inzwischen sogar gezwungen, ungeachtet aller Quoten bei sinkenden Preisen auf Teufel komm ´raus zu fördern, um die Budgets decken zu können, die in den vergangenen Jahren des scheinbar nicht endenden Booms rasch angeschwollen sind, decken zu können. Staaten wie Irak, Iran, Oman und Bahrain liegen längst unter Wasser. Ihre „Break-Even-Preise liegen deutlich über 70 Dollar je Barrel Öl.

Inzwischen ist jedoch klar geworden, dass die Nachfrage nach Öl aufgrund einer sich immer deutlicher abzeichnenden globalen Rezession weiter zurückgehen wird. Beinahe schon täglich kommen neue Konjunkturdaten herein, die die Schwäche der amerikanischen Konjunktur dokumentieren. So ist der am Montag veröffentlichte ISM Index für das verarbeitende Gewerbe für den Monat Oktober um 10,6 Prozent auf 39,9 gefallen. Das ist nicht nur der niedrigste Wert seit 26 Jahren, sondern der Index zeigt die wirtschaftliche Schwäche in allen Unterkomponenten.

Der Index für den Auftragseingang ging um 6,6 Prozentpunkte auf 32,2 zurück, der Produktionsindex ging um 6,7 Prozentpunkte zurück, der Beschäftigungsindex um 7,2 Prozentpunkte, der Exportindex um elf Prozentpunkte und der Preisindex sogar um 16,5 Prozentpunkte. Dagegen gingen Unterindizes für die Lagebestände leicht nach oben. Das heißt, die Unternehmen sind nicht nur mit einer schwachen Wirtschaft konfrontiert, sonder sie haben längst ihre Preissetzungsmacht verloren und befinden sich in einem deflationären Umfeld mit wachsenden Überkapazitäten.

... die nun den fundamentalen Rahmenbedingungen weicht

Die amerikanische Wirtschaft verzeichnete im dritten Quartal mit minus 0,3 Prozent die stärkste Kontraktion seit dem Jahr 2001. „Das verarbeitende Gewerbe, das dazu beitrug, die Rezession relativ milde zu halten, ist nun völlig weggebrochen. Wir müssen uns auf eine viel tiefere Rezession einstellen'“, erklärt Lakshman Achuthan, geschäftsführender Direktor am Economic Cycle Research Institute in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es wird mindestens so schlimm werden wie Anfang der achtziger Jahre, vielleicht sogar schlimmer.“

Längst sind auch ehemalige Rohstoffoptimisten, wie die Analysten von Goldman Sachs Group ins Lager der Realisten gewechselt. Die Gefahr einer starken weltweiten Abschwächung könne die Rohstoffpreise noch weiter drücken erklären sie nun, nachdem sie noch vor wenigen Wochen Ölpreise von bis zu 200 Dollar je Barrel prognostiziert hatten. Damals saß das Unternehmen auch auf riesigen Positionen, mit welchen sie darauf gewettet hatten.

Codelco, der weltgrößte Kupferminenbetreiber, sieht angesichts des Preiskollapses das Ende des Superzyklus für das Metall. Die Rückgänge bei den Rohstoffpreisen korrelieren mit Einbrüchen im verarbeitenden Gewerbe. Während der acht Monate andauernden Rezession von März 2001 sank der 22 Positionen umfassende Reuters-Jefferies CRB Index of Raw Industrials um 8,7 Prozent, während die Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten um 5,7 Prozent fiel. In der im Juli 1981 einsetzenden Rezession fiel der Index der Industrierohstoffe um 19 Prozent; die Industrieproduktion sackte um 7,1 Prozent ab.

Der Rückgang bei den Rohstoffen sowie die Konjunkturdaten signalisieren, dass die gegenwärtige Abschwächung mindestens 16 Monate anhalten und auch weltweit zu einer geringeren Dynamik führen wird, erwartet Achuthan. Die Konjunkturflauten von 1990 und 2001 dauerten acht Monate. „Wie gewöhnlich ist der Rohstoffindex dem Konsens voraus und signalisiert wie stark und wie lang diese weltweite Rezession sein wird“, erklärt Achuthan weiter.

Die Preiskorrektur im Energie- und Rohstoffbereich dämpft die Perspektiven der rohstoffreichen Staaten. Aus diesem Grund sind dort längst die Börsen in die Defensive geraten. Staaten, die eine schwache Finanzposition haben, mussten in den vergangenen Monaten auch die Abwertung ihrer Währungen hinnehmen.

So schwach die wirtschaftlichen Aussichten auch sein mögen, technische Zwischenerholungen scheinen nach den massiven Preis- und Kursverlusten der vergangenen Monate denkbar zu sein. Allerdings dürften sie nur für spekulative Anleger interessant sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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