Devisenmarkt

Massive Umschichtungen am Devisenmarkt

06. Oktober 2008 An den internationalen Finanzmärkten geht es weiterhin drunter und drüber. Waren noch zu Jahresbeginn viele Analysten und Strategen optimistisch, so wird die Interpretation der fundamentalen Daten zunehmend geprägt von Rezessionsängsten.

Diese Sorgen werden überlagert von der Schwäche im Finanzbereich. Sie zwingt hoch verschuldete Banken, Unternehmen und Fonds dazu, ihre Verbindlichkeiten zu reduzieren und überall dort Kasse zu machen, wo die Märkte noch einigermaßen funktionieren. Auf diese Weise ist längst diesselbe Eigendynamik nach unten entstanden, die noch bis Mitte des vergangenen Jahres nach oben gewirkt hatte.

Das Aus für „Carry Trades“?

Wo sie enden wird, ist noch offen. In vielen Märkten sind die „positiven“ Exzesse der vergangenen Jahre noch nicht korrigiert worden. Auch nicht am Devisenmarkt. Dort zeigten sich die Kredit finanzierten Strategien aggressiver Anleger am ausgeprägtesten in Form der so genannten „Carry Trades“: Refinanzierung in Währungen mit niedrigen Zinsen und Investition der Mittel in jenen Märkten, die hohe Zinsen und Renditen versprachen.

Aufgrund der hohen Volatilität und des allgemeinen Verkaufsdrucks gehen solche Strategien längst nicht mehr auf. So werden immer mehr Anleger und Fonds gezwungen, ihre Positionen zu liquidieren und die erlöste Liquidität zu repatriieren.

Diese Gründe tragen dazu bei, dass der Dollar aufwertet und dass sich viele niedrig verzinslichen Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken von ihren Schwächen erholen. Dagegen stehen überbewertete Währung wie der Euro, der australische und der Neuseeland-Dollar unter Druck. Die europäische Einheitswährung hat am Montag am Morgen mit Kursen von bis zu 1,3542 Dollar den tiefsten Stand seit September des vergangenen Jahres erreicht.

Deutlich ausgeprägter ist die Korrektur jedoch gegen den Yen. Alleine am Montag geht es um bis zu vier Prozent nach unten auf bis zu 139,97 Yen je Euro. Das ist der tiefste Stand seit März des Jahres 2005. Seit Mitte des vergangenen Jahres ist der Euro-Yen-Kurs um etwas mehr als 17 Prozent gefallen.

Der Yen erholt sich gegen die gut gelaufenen Währungen der vergangenen Jahre

Die Kurskorrektur des Euro gegen den Yen ist jedoch noch harmlos im Vergleich zu den Abwertungen anderer Währungen. So hat die isländische Krone in den vergangenen Monaten 54 Prozent ihres Wertes gegen den Yen verloren, der südkoreanische Won 37 Prozent, die pakistanische Rupie 33 Prozent, der südafrikanische Rand mehr als 30 Prozent, der Neuseeland-Dollar 29 Prozent und die britische Pfund sowie der australische Dollar haben 25,4 und 23,6 Prozent gegen den Yen nachgegeben.

Im Moment ist nicht absehbar, wo diese Entwicklung noch hinführen wird. Fakt ist allerdings, dass Kursbewegungen dieser Art ihre Berechtigung haben, da sich die Wechselkurse im Rahmen des extremen Risikoappetits der vergangenen Jahre und auch im Rahmen der extrem tiefen Zinsen in Japan stark von vernünftigen Relationen entfernt hatten. Nun werden diese Exzesse abgebaut, wenn auch in gefährlich kurzer Zeit.

Auf diese Weise werden die globalen Wettbewerbsverhältnisse bereinigt. Immerhin hatte sich Japan in den vergangenen Jahren über eine künstlich tief gehaltene Währung im internationalen Handel Vorteile verschafft, statt die verfahrenen Verhältnisse im Binnenmarkt zu bereinigen. Auf der anderen Seite können neue Probleme entstehen. So scheinen sich in Staaten wie Island, Südkorea, in Teilen Osteuropas oder auch in Südafrika negative Prozesse selbst zu verstärken. Diese Schwächen die Währungen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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