Devisen

Solider Tankan kann den Yen nicht beflügeln

01. Oktober 2007 Viele asiatische Währungen gelten als unterbewertet. Auch der japanische Yen. Trotzdem zählt er am internationalen Devisenmarkt neben dem Dollarblock zu den schwächsten Währungen der vergangenen sechs Wochen.

War es im Rahmen der bekannten Kreditkrise zu einer deutlichen Korrektur der so genannten Carry Trades gekommen, so haben diese in den vergangenen Tagen trotz der anhaltenden Unsicherheit in weiten Teilen der Kreditmärkte eine Renaissance erlebt.

Der Yen zähl zu den schwächsten Währungen der vergangenen Wochen

Das zeigt: Entgegen der allgemeinen Erwartungen scheinen Anleger Risiken keineswegs zu scheuen. Sondern sie beleben in weiten Teilen die bekannten Strategien der vergangenen Jahre, die sich durch den Transfer von Mitteln aus Währungsräumen mit niedrigen Zinsen in jene, die hohe Zinsen und Renditeaussichten bieten, auszeichneten.

So kommt es, dass die türkische Lira in den vergangenen sechs Wochen knapp 22 Prozent gegen den Yen aufwerten konnte, gefolgt vom brasilianischen Real, dem Neuseelanddollar, dem australischen Dollar und nicht zuletzt auch der hoch spekulativen isländischen Krone und dem ungarischen Forint.

Ungeachtet struktureller Probleme und der auflaufenden Ungleichgewichte spielen einmal mehr vorrangig die Zinsdifferenzen und die Zinserwartungen eine Rolle. Dabei schlägt zeigt sich die japanische Wirtschaft vergleichsweise robust: Die Wirtschaftsstimmung in der japanischen Industrie hat sich in den drei Monaten Juli bis September entgegen den Erwartungen nicht eingetrübt. Offenbar haben die globalen Turbulenzen an den Finanzmärkten und die Krise am amerikanische Hypothekenmarkt das Vertrauen der japanischen Unternehmen nicht untergraben, geht aus dem von der Bank of Japan (BoJ) am Montag veröffentlichten Tankan-Bericht hervor.

Der Index für Großunternehmen der Industrie verharrte mit 23 auf dem Stand des vorigen Tankan-Berichts. Ökonomen hatten hingegen einen Rückgang auf 21 prognostiziert. Für die nächsten Monate sind die Erwartungen der Unternehmen uneinheitlich: Beim Report im Dezember erwarten die Industriebetriebe einen weiteren Indexrückgang auf 19, während für den Index im Dienstleistungsgewerbe ein Anstieg auf 21 vorhergesagt wird. Beobachter sagten, der überraschend stabile Tankan-Bericht spreche für eine weitere Zinserhöhung der japanischen Zentralbank in den nächsten Monaten.

Japanische Währung scheint der langfristigen Abwertungstrend gegen den Euro wieder aufzunehmen

Die Zentralbank hatte die Kreditkrise der vergangenen Wochen zum Vorwand genommen, eine zuvor geplante Zinsstraffung im September zu verschieben. Derzeit liegt der japanische Leitzins bei 0,5 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau in anderen Währungsräumen. Aus diesem Grund und auch auf Basis der Vermutung, das Land werde alles tun, um die durch die schwache Währung erzielbaren Wettbewerbsvorteile zu halten, dürfte kaum verwundern, dass Kapital aus Japan auf der Suche nach interessanteren Renditen abfließt. Das hält den Kurs unter Druck, vor allem auch gegen Währungen wie den Euro, der höhere Zinsen und entsprechende Zinserwartungen bietet. Der Euro hat in den vergangenen sechs Wochen gegen den Yen wieder knapp zehn Prozent abgewertet. Gegenwärtig deutet der fulminant wieder aufkommende Risikoappetit darauf hin, dass die japanische Währung zumindest gegen den Euro den langfristigen Abwertungstrend wieder aufnehmen wird.

Dabei planen die japanischen Großunternehmen für das am ersten April begonnene Fiskaljahr eine Steigerung ihrer Investitionen um 8,7 Prozent zum Vorjahr; im Juni hatten die Betriebe lediglich mit einer Steigerung von 7,7 Prozent gerechnet. In den jüngsten Quartalen war das Investitionswachstum einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die japanische Wirtschaft. Ähnlich wie die Spekulanten, gehen auch sie von einem anhaltend schwachen Yen aus. Die Erwartung: Der Dollar werden gegenüber dem Yen in diesem Fiskaljahr einen durchschnittlichen Wechselkurs von 115,20 Yen aufweisen. Im vorigen Bericht war noch ein Wert von 114,40 Yen genannt worden.

Grundsätzlich dürfte sich einerseits die Frage stellen, ob die japanischen Unternehmen angesichts ihr Gewinnsituation so tiefe Zinsen überhaupt brauchen. Andererseits liegt angesichts der Vermögensverhältnisse in Japan die Vermutung nahe, höhere Zinsen würden den Binnenkonsum beflügeln und damit das Land weniger abhängig vom Exportsektor machen. In diesem Sinne gäbe es gute Gründe, die politischen Druck auf Japan wie auch auf China zur Aufwertung ihrer Währungen stützen können. Allerdings werden die Märkte dazu neigen, immer wieder die bestehenden Zinsdifferenzen zu spielen, bis eine Aufwertung auch glaubhaft zu erwarten ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bank of Japan, FAZ.NET

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