Devisenmarkt

Anleger sichern den überbewerteten Austral-Dollar ab

07. August 2007 Bestimmten in den vergangenen Jahren sowohl die so genannten Carry Trades und die durch die zunehmende Nachfrage nach Energie und Rohstoffen ausgelösten Impulse die Trends an den Devisenmärkten, so haben sie aus Bewertungsgesichtspunkten zu manchem Extrem geführt.

Das zeigt sich unter anderem am Beispiel des australischen Dollars: Gemessen an Gleichgewichtsmodellen wie der Kaufkraftparität ist er im Vergleich mit dem amerikanischen Dollar massiv - sprich 35 Prozent - überbewertet. Ähnliches dürfte auch für andere Währungen gelten.

Aufwertungstrend des Austral-Dollar zeigt gewisse Ermüdungserscheinungen

So dürfte es kaum verwundern, dass die Aufwertungstrends der Neuseeland- und des australischen Dollars in den vergangenen Tagen aufgrund er aufgekommenen Turbulenzen an den Börsen und im Rahmen der allgemeinen Risikoreduktion Ermüdungserscheinungen zeigen. Der australische Dollar ist auf inzwischen 85,39 amerikanische Cents gefallen, nachdem er noch vor 14 Tagen Kurse von bis zu 88,36 amerikanischen Cents erreicht hatte. Das war der höchste Stand seit etwas mehr als 23 Jahren gewesen.

Auch gegen den Euro befindet sich der australische Dollar etwas auf dem Rückzug. Inzwischen sind 1,6125 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können. Am 25. Juli waren dafür noch 1,5531 australische Dollar notwendig gewesen, knapp vier Prozent weniger.

Gegenwärtig scheinen selbst anhaltende Spekulationen auf Zinserhöhungen in Australien die Währung nicht mehr richtig beflügeln zu können. Eine starke Mehrheit von Experten geht davon aus, dass die australische Zentralbank den Leitzins in der laufenden Woche aufgrund einer robusten Inflationsentwicklung um 25 Basis- oder um 0,25 Prozentpunkte auf dann 6,5 Prozent anheben wird.

Da auf der anderen Seite die amerikanische Zentralbank eher zu einer Zinssenkung als zu einer Zinserhöhung tendieren dürfte, scheint die Korrekturbewegung zunächst etwas verwunderlich zu sein. Denn die weiter aufgehende Zinsschere sollte doch den australischen Dollar weiter treiben. Allerdings gilt zu bedenken, dass entsprechende Erwartungen schon sehr weit im Markt enthalten sind.

Anleger sichern sich gegen eine Korrektur ab

Zudem spielt die Frage eine Rolle, wie weit das so genannte „Repricing“ der Risiken an den verschiedenen Märkten noch gehen wird. Denn eines ist klar: Aufgrund der Normalisierung der Risikoprämien im Kreditbereich ist die Liquiditätsversorgung nicht mehr so üppig, wie sie in den vergangenen Jahren war. Das zeigt sich alleine schon daran, dass inzwischen viele geplante Kredit finanzierte Übernahmen oder Aktienrückkäufe verschoben oder abgesagt wurden.

Gleichzeitig hat die zunehmende Volatilität auch die Carry Trades, also die Kreditaufnahme in einer Währung mit niedrigen Zinsen und die Investition in Wertpapiere in höher verzinslicher oder rentierlicher Währung, riskanter gemacht. So dürfte es kaum verwundern, dass in jüngster Zeit die Verkaufsoptionen auf den australischen Dollar sehr teuer geworden sind, vor allem gegen den Yen. Zehn-Delta-Puts erreichen für die Laufzeit eines Tages Volatilitäten von mehr als 26 Prozent, während Zehn-Delta-Calls auf eine Volatilität von 21 Prozent kommen.

Das zeigt, dass ein gewisser Absicherungsbedarf vorhanden ist. Er hat einerseits die Preise in Form der Volatilitäten nach oben getrieben. Andererseits kann er zur Korrektur der Währung beitragen. Denn Banken, die Puts verkaufen, sichern sich im Markt regelmäßig durch Delta adjustierte Verkäufe im Underlying ab.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, BNP Paribas, FAZ.NET

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