23. Juli 2008 Die Preise von Energie- und Agrarrohstoffen korrigieren. Inzwischen liegt der Erdgaspreis knapp 27 Prozent unter dem noch vor wenigen Tagen erreichten Hoch und 25 Prozent unter dem Niveau, auf dem er noch zu Beginn des laufenden Monats gelegen hatte.
Der Kohlepreis hat inzwischen 24 Prozent nachgegeben, der von Mais knapp ebenso viel, jener von Äthanol knapp 20 Prozent und der von Öl der Sorte WTI liegt ebenfalls deutlich tiefer als noch vor wenigen Tagen. Angesichts des Preisverfalls stellt sich die Frage, wo denn die Nachfrage geblieben sein mag, die den Ölpreis zum Beispiel auf 200 Dollar je Fass treiben sollte, wie es noch bis vor kurzem hieß.
Scheinargumente können jede Marktbewegung erklären
Spielten Spekulanten bisher angeblich keine Rolle, so nähmen sie nun Gewinne mit und trügen auf diese Weise zur gegenwärtigen Korrektur bei. Auch hier lässt sich die Frage stellen, wie sie Gewinne mitnehmen können, falls sie vorher den Preis gar nicht nach oben getrieben haben sollen.
Plötzlich wird der starke Dollar für den Preisrückschlag verantwortlich gemacht - obwohl die amerikanische Währung mit 1,5755 Dollar je Euro alles andere als stark ist und in den vergangenen Wochen gar nicht mehr richtig mit den Ölpreis nach oben gelaufen war.
Ebenso plötzlich spielen auch die Sorgen über Versorgungsengpässe keine Rolle mehr. Nachdem offensichtlich sonst keine Gründe mehr für einen Preisauftrieb gefunden werden, haben seltsamerweise auch die Wetterverhältnisse keinen Einfluss mehr: Sogar der Hurrikan Dolly fliegt an den sensiblen Versorgungseinrichtungen vorbei.
Plötzlich trägt die Erkenntnis, dass die Ölnachfrage aufgrund der schwachen amerikanischen Wirtschaft, der schwindenden Kaufkraft und nicht zuletzt auch aufgrund der erhöhten, wenngleich weiterhin subventionierten Preise in vielen Schwellenländern nachlassen dürfte. In den vergangenen Wochen haben immerhin die Lagerbestände in den Vereinigten Staaten zugenommen. Tatsächlich sollte man jedoch gerade diese Zahlen mit einer gewissen Vorsicht genießen, da sie wenig aussagekräftig sind.
Große Frage: Wird der Rohstoffhandel stärker reglementiert?
Mit einiger Wahrscheinlichkeit tragen zur jüngsten Preiskorrektur jedoch zur Entscheidung anstehende Diskussionen im amerikanischen Senat bei, wonach spekulative Aktivitäten im Rohstoffbereich begrenzt werden könnten. Viele bestreiten zwar, dass diese zum Preisauftrieb beigetragen hätten. Andere jedoch argumentieren, ohne Spekulation läge der Ölpreis allenfalls bei etwa 80 Dollar. Vor entsprechenden Maßnahmen dürften Gewinnmitnahmen kaum überraschen, wird danach doch die Handelbarkeit möglicherweise eingeschränkt.
Nach Informationen der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der amerikanischen Aufsichtsbehörde für die Rohstoffterminmärkte des Landes, ist die Zahl der offenen Kontrakte in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Das wollen zwar viele noch nicht als Indiz für zunehmende Spekulationen werten. Allerdings hat auch das Volumen der außerbörslich gehandelten Rohstoff-Kontrakte in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Darauf deuten zumindest die Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hin. Aus diesem Grund zeigen die CFTC-Zahlen wahrscheinlich nur die halbe Wahrheit.
Sollte der Rohstoffhandel tatsächlich eingeschränkt werden, dürfte zumindest die Dynamik der Preisentwicklung nachlassen, in welche Richtung auch immer sie wirken möge. Vorerst dürften die Preise zumindest im Energie- und Agrarbereich aufgrund des überzogenen Auftriebs der vergangenen Jahre eher fallen als steigen
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET