Devisenmarkt

Am Devisenmarkt werden Risiken neu bewertet

18. März 2008 Die Turbulenzen der vergangenen Wochen an den internationalen Finanzmärkten zeigten sich auch an den Währungsmärkten. Anleger kalkulierten auf der einen Seite dramatische Zinssenkungen und auf der anderen die Liquidität fördernden Maßnahmen der amerikanischen Zentralbank ein. Aus diesem Grund verlor der Dollar in den vergangenen Wochen dramatisch an Wert gegen beinahe alle anderen Währungen.

Diese Entwicklung wurde gleichzeitig überlagert vom Bestreben der Anleger, ihre Risikopositionen zu reduzieren. Das führte dazu, dass sie die so genannten Carry Trades verminderten. Jene zeichnen sich durch die Strategie aus, sich in niedrig verzinslichen Währungen zu refinanzieren, um die aufgenommenen Mittel an höher rentierlichen Märkten zu investieren. Im Rahmen der bis Mitte des vergangenen Jahres dauernden allgemeinen Euphorie und dem Ausblenden der Risiken hatte sich das gelohnt.

Währungsbewegungen überlagern jede Zinsdifferenz

In der Zwischenzeit sind jedoch die Risiken klar geworden: Währungen wie die isländische Krone, der südafrikanische Rand, der südkoreanische Won oder auch der rumänische Leu haben seit Mitte des vergangenen Jahres gegen den starken Euro bis zu knapp 31 Prozent ihres Wertes verloren. Solche Währungsbewegungen überlagern beinahe jede nur denkbare Zins- und Renditedifferenz.

Auf diese Weise dürfte in den vergangenen Wochen mancher Anleger Verluste auf Fremdwährungsanleihen verbucht haben, auch wenn diese deutlich mehr Zinsen zahlen sollten, als entsprechende Papiere im Binnenmarkt. Solche Erfahrung werden zusammen mit restriktiveren Kreditkonditionen der Banken für spekulative Strategien dazu führen können, dass künftig fundamentale Risiken bei der Beurteilung von Anlagestrategien wieder eine stärkere Rolle spielen, als in den vergangnen Jahren der allgemeinen Hausse.

Inzwischen versuchen die Zentralbanken beinahe mit allen Mitteln, die Konsequenzen der Kreditkrise zu dämpfen. So senkt die amerikanische Zentralbank nicht nur massiv die Zinsen, sondern sie nimmt auch Wertpapiere dubioser Qualität als Sicherheiten für Kredite an Banken in Zahlung. Und die Europäische Zentralbank gibt sich zwar auf der Leitzinsseite angesichts einer drohenden Lohn-Preisspirale unnachgiebig. Auf der anderen Seite jedoch schleust sie zumindest seit Beginn des laufenden Jahres deutlich mehr Liquidität in die Finanzmärkte, als im Durchschnitt der vergangenen Monate.

Türkische Lira erholt sich kurzfristig, isländische Krone gibt weiter nach

Solche Operationen können gemeinsam mit technischen Faktoren dazu beitragen, dass die Börsen kurzfristig deutlich nach oben laufen werden. Sollten Anleger, die bisher auf fallende Kurse gesetzt hatten, zum Rückkauf ihrer Positionen gezwungen werden und sollte in diesem Rahmen die Stimmung wieder besser werden und zu einem höheren Risikoappetit führen, so ließe sich die möglicherweise entstehende Eigendynamik auf diese Weise erklären.

Sie würde sich sehr wahrscheinlich auch auf der Währungsseite bemerkbar machen. Leichte Ansätze zeigen sich schon am Dienstag. Beispielsweise daran, dass sich der südafrikanische Rand gegen den Euro nach den massiven Kursverlusten der vergangenen Wochen etwas erholen kann. Ähnliches gilt auch für die Neue Türkische Lira, die indonesische Rupie und nicht zuletzt auch den philippinischen Peso, den malaysischen Ringgit, den chilenischen Peso und den thailändischen Baht.

Allerdings sind das bisher nur kurzfristige Reflexe und Korrekturbewegungen zu den jüngsten Trends. Wie weit sie tragen können, wird sich erst noch zeigen müssen, da die Kreditkrise weitere Kreise ziehen dürfte. Trotz allem scheint es zu einer Neubewertung der Risiken gekommen zu sein. Das zeigt sich daran, dass die isländische Kone nach den massiven Abwertungen der vergangenen Woche auch am Dienstag etwas mehr als zwei Prozent gegen den Euro verliert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: EZB, UBS, FAZ.NET

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