Agrarrohstoffe

Kakao wird im Trend teurer

05. Juli 2007 Nach einer Seitwärtsbewegung in den Jahren 2004 bis 2006 ist der Kakaopreis in den vergangenen Monaten nach oben ausgebrochen und hat mittlerweile einen Aufwärtstrend etabliert.

Ausgehend von einem Zwischentief bei 797 Pfund je Tonne hat der Preis an der Terminbörse Liffe in London inzwischen 42,4 Prozent auf zuletzt 1.135 britische Pfund je Tonne am Donnerstag. Weitere Preissteigerungen dürften nicht auszuschließen sein.

Geopolitische Turbulenzen in Westafrika ...

Diese Entwicklung ist auf geopolitische Turbulenzen in Westafrika zurückzuführen. Das mag zunächst viele überraschen, denkt man doch gemeinhin, Kakao werde vor allem in Südamerika angepflanzt. Das ist allerdings nicht richtig. Denn die meisten Kakaobohnen wachsen an der Elfenbeinküste.

Mit 1,286 Millionen Tonnen erntete das westafrikanischen Land im Jahr 2005 mit weitem Abstand die größte Menge an Kakao, gefolgt von Indonesien mit 610.000 Tonnen, Ghana mit knapp 600.000 Tonnen, Nigeria mit 441.000 Tonnen, Brasilien mit 236.000 Tonnen, Kamerun mit 178.000 Tonnen, Ekuador mit knapp 94.000 Tonnen und Togo mit 50.000 Tonnen. Insgesamt kamen im Jahr 2005 34 des gesamten Kakaos der Welt von der Elfenbeinküste. Die vier größten Kakaoländer kommen zusammen auf knapp 80 Prozent der Weltproduktion. Brasilien produzierte als fünftgrößter Pflanzer weltweit und als größter Anbauer Südamerikas gerade einmal 6,3 Prozent der Gesamternte.

Aus diesem Grund ist es zumindest für die Kakaoverarbeiter und damit für die Preisentwicklung wichtig, was in Westafrika vor sich geht. An der Elfenbeinküste gab es nach Agenturberichten vor wenigen Tagen einen Raketenangriff auf den jetzigen Ministerpräsidenten des Landes und ehemaligen Rebellenführer, Guillaume Soro. Drei Personen wurden dabei getötet, Soro blieb unverletzt. In Nigeria dagegen, dem viertgrößten Anbauer weltweit kam es zu Streiks, in deren Rahmen die Häfen des Landes für mehrere Tage geschlossen waren.

... sowie Angebotsdefizit im laufenden Jahr

Solche Vorkommnisse sorgen, vor allem wenn sie mehr oder weniger gleichzeitig auftreten, gerade an den an sich schon volatilen Rohstoffmärkten für Unsicherheit. Diese wiederum führt zu steigenden Risikoprämien, also zu steigenden Preisen. Gleichzeitig geht der Markt davon aus, dass die Ernte in Indonesien, dem zweitgrößten Kakao-Produktionsland, im laufenden Jahr nur 540.000 Tonnen betragen wird, nach 590.000 Tonnen noch im vergangenen Kalenderjahr.

Aufgrund der boomenden Weltwirtschaft nimmt der Wohlstand zu und führt zu veränderten Ernährungsgewohnheiten. Das macht sich auch bei Süßigkeiten bemerkbar. Sie sind gefragt, vor allem wenn sie aus Schokolade hergestellt werden. Nicht umsonst laufen die Aktien von spezialisierten Unternehmen wie Barry Callebaut und Lindt & Sprüngli schon länger im Trend nach oben. Das führt dazu, dass nach Schätzungen der International Cocoa Organization die Nachfrage nach Kakaobohnen im laufenden Jahre das Angebot um bis zu 125.000 Tonnen übertreffen kann.

So kann es kaum verwundern, dass inzwischen auch mit einiger Wahrscheinlichkeit auch die Trend folgenden Spekulanten auf die Kursbewegung aufgesprungen sind. Sie dürften den Preis unter Umständen noch deutlich weiter nach oben treiben können. Spekulieren ließe sich darauf unter anderem mit Kakao-Optionen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAO, FAZ.NET, GFDL

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