06. August 2008 Die goldenen Zeiten für Platin-Käufer scheinen zu Ende zu gehen. Seit Wochenanfang hat sich der seit Wochen anhaltende Preisverfall in dem Edelmetall noch einmal beschleunigt, auch wenn die Notierung am Mittwoch um rund 4 Prozent auf 1623,50 Dollar je Unze in die Höhe ging. Doch im Mai notierte Platin noch bei rund 2300 Dollar und hielt die Marke von 2000 Dollar bis Mitte Juli. Seitdem ging der Kurs steil bergab.
Die Anzeichen verdichten sich, dass die Hausse an den Rohstoffmärkten zu Ende ist, urteilen die Analysten der Commerzbank in einer Studie. Sie vermuten, dass viele Investoren mittlerweile zu Verkäufen übergegangen sind, um ihre Positionen zu liquidieren - und aus dem Markt auszusteigen. Am Montag hätten diese vor allem Platin und Kupfer getroffen. Allein am Freitag und Montag verlor Platin rund 100 Dollar an Wert.
Industriekäufer bremsen Preisverfall
Solche Verkäufe sieht auch Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Edelmetall-Experte des Industrieunternehmens Heraeus in Hanau bei Frankfurt. Allerdings wurde der daraus entstandene Preisdruck seiner Beobachtung nach aufgefangen: Den aus ihren Positionen aussteigenden Investoren stellten sich jedoch Vertreter verschiedener Industriezweige vehement entgegen und kauften auf dem für dieses Jahr inzwischen relativ günstigen Niveau Platin in großen Mengen ein.
Dieses Mal noch konnte Industriekäufer somit einen schärferen Preiseinbruch verhindern. Doch längerfristig sind die Aussichten für das Edelmetall nicht günstig. Vor allem in der Autoindustrie wird Platin gebraucht. Dort werden sie in Katalysatoren eingebaut, damit die Abgase weniger giftig sind.
Im Zuge der schwachen Weltwirtschaft wird allerdings auch die Nachfrage nach Neufahrzeugen sinken - und damit wird der Platin-Bedarf weltweit zurückgehen. Der Absatzeinbruch auf dem amerikanischen Automarkt trifft somit auch jene Anleger hart, die auf einen Preisanstieg bei Platin setzen wollen. Um mehr als 13 Prozent fielen die Autoverkäufe in den Vereinigten Staaten im Juli und damit auf den niedrigsten Stand seit 1992.
Nachfrage der amerikanischen Autobranche geht zurück
Sollte sich auf dem amerikanischen Automarkt der Trend zu sparsameren und kleineren Autos bestätigen, trifft dies auch Platin-Spekulanten, da in kleineren Wagen weniger Platin benötigt wird. Um 30 Prozent könnte der durchschnittliche Hubraum in Amerika binnen weniger Jahre sinken.
Es ist durchaus möglich, dass der amerikanische Automarkt in diesem Jahr rund 20 Tonnen weniger an Platinmetallen konsumieren wird, meint Wrzesniok-Roßbach. Dies entspräche immerhin einem Fünftel der globalen Pluspositionen, die Spekulanten und Investoren in Platin und Palladium halten. Diese Menge kann deshalb auch nicht vernachlässigt werden, warnt der Edelmetall-Experte.
Manche Anleger vertrauen offenbar noch darauf, dass die politisch unsichere Lage in Südafrika und die Schwierigkeiten einzelner Minengesellschaften das Angebot an Platin verknappen könnten. Dies schließen viele Rohstoffanalysten auch nicht aus.
Milliardenschwere Übernahmeofferte
Dass sich auf der Angebotsseite noch viel tun kann, zeigte am Mittwoch das 10 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) schwere Angebot von Xstrata, den Platin-Produzenten Lonmin zu kaufen. Zwar hat die Lonmin-Führung das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen. Doch das Unternehmen kämpft derzeit mit Schwierigkeiten im operativen Geschäft und ist daher nicht in der stärksten Position, um den Angriff abzuwehren. Diese Offerte könnte jedenfalls eine neue Runde im Konzentrationsprozess der Rohstoffbranche einleiten.
Noch gibt es Analysten, die an eine neue Platin-Hausse glauben. Edelmetalle sollten davon profitieren, dass die Anleger vermehrt nach einem sicheren Hafen suchen werden, meinen die Experten der französischen Bank Natixis. Der Platinpreis könne wieder auf 2250 Dollar je Unze steigen.
Widerstand bei 1700 Dollar
Das sehen viele Experten jedoch viel skeptischer, vor allem auch mit Verweis auf die Charttechnik. Zwar liegt die nächste große Unterstützung erst bei 1450 Dollar. Aber schon bei 1700 Dollar dürfte Platin auf einen ersten Widerstand, den es zu überwinden gilt.
Selbst wenn der Preis zwischenzeitlich wieder die Marke von 2000 Dollar erreichen sollte, ist Vorsicht angebracht. Denn eine Wette auf Platin wird für die Anleger in diesen unsicheren Konjunkturzeiten auf jeden Fall riskanter.
Text: hlr.
Bildmaterial: F.A.Z., Reuters
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.084,00 $ | −1,94% |
| Silber | 16,93 $ | −1,86% |
| Platin | 1.421,00 $ | −0,63% |
| Palladium | 362,00 $ | −1,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,33 $ | −0,16% |
| Gas | 0,32 £ | −4,32% |
| Kaffee | 1,42 $ | −2,27% |
| Zucker | 25,77 $ | --% |
| Orangensaft | 1,33 $ | +2,50% |
| AMEX GOLD BUGS | 423,04 | +0,31% |
| AMEX OIL | 1.065,43 | +0,52% |
| Rogers International | 21,83 | +0,05% |
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Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 17:35 |
308,96 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 17:35 |
145,16 | 141,26 | 130,27 |
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