Devisen

Schwacher Arbeitsmarkt schwächt den Dollar

03. August 2007 Im Rahmen der in den vergangenen Tagen aufgekommenen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten konnte sich der amerikanische Dollar zunächst etwas von seinen Rekordtiefs gegen den Euro und andere Währungen erholen.

Dafür dürften nach Ansicht von Marktteilnehmern intuitive Repatriierungsreflexe bei amerikanischen Anlegern verantwortlich sein, die in den vergangenen Jahren stark und zum Teil sehr risikoreich an den Finanzmärkten weltweit investiert haben. Sobald sie Risikopositionen reduzieren und ihre Gelder defensiver investieren, kann der Dollar davon zumindest phasenweise profitieren.

Fundamentaler Gegenwind für den Dollar

Auf der anderen Seite hat die amerikanische Währung aus fundamentaler Sicht deutlichen Gegenwind. Er erklärt sich einerseits aus Währungsüberschüssen in vielen Staaten, die mit den Vereinigten Staaten zwar massive Handelsbilanzüberschüsse erzielen, ihre Währungen jedoch mehr oder weniger fest an den Dollar gekoppelt haben. Das zwingt sie einerseits dazu, massiv zu intervenieren. Auf der anderen Seite jedoch sind sie zunehmend bestrebt, ihre Reserven zu diversifizieren, um sich auf diese Weise wenigstens zum Teil vor dem unübersehbaren Abwertungstrend der amerikanischen Währung zu schützen.

Das treibt den Euro und andere frei konvertible Währungen einseitig immer weiter nach oben. Es fragt sich nur, wie lange sich die betroffenen Staaten diese Währungsasymmetrie gefallen lassen wollen und können. Früher oder später dürfte es zu Gegenstrategien gegen den unnatürlich schwachen Yuan und vor allem auch gegen den Yen kommen, sofern es der Markt nicht selbst regelt.

In den vergangenen Jahren sprach zwar wenig dafür, da der Carry-Trade-Wahn niedrig verzinsliche Währungen immer weiter nach unten und höher verzinsliche Devisen immer weiter nach oben trieb. Allerdings zahlen sich solche Strategien nur in einem Umfeld mit niedrigen Risiken oder zumindest mit niedrigen Risikoerwartungen in Form niedriger Volatilitäten und Risikoprämien aus. Genau diese haben jedoch in den vergangenen Tagen im Rahmen der sich immer weiter ausbreitenden Kreditkrise ausgeweitet.

Es gibt starke Zweifel, ob sich die Lage in näherer Zukunft wieder beruhigen wird. Denn der Blick richtet sich auf die amerikanische Konjunktur, die in den vergangenen Jahren insbesondere vom unnatürlichen und inzwischen geplatzten Immobilienboom und vom den gigantischen Militärausgaben profitiert hat. Inzwischen hinterlässt jedoch die Krise im Immobilienbereich immer breitere Spuren in der amerikanischen Wirtschaft.

Schwache amerikanische Realwirtschaft ...

Die Produktionsseite ist schwach und dürfte sich angesichts der verhaltenen Auftragseingänge kaum bessern. Der Konsum geht zurück - auch hier ist angesichts der hohen Schulen der Haushalte, der vergleichsweise geringen Einkommen und der nun fehlenden Kaufkraftschöpfung aus steigenden Immobilienpreisen kaum eine Besserung in Sicht. Das zeigt sich alleine schon daran, dass die Ausgaben für Autokäufe in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen sind, während die „Halden“ unverkaufter Fahrzeuge bei den Herstellern deutlich zugenommen haben.

Die Situation am Häusermarkt dürfte sich in absehbarer Zeit kaum verbessern. Die Bestände unverkaufter Häuser werden immer größer, obwohl die Preise fallen. Gleichzeitig nehmen die Insolvenzen bei Hausbesitzern zu. Die Anzahl der in den kommenden Monaten zu erwartenden Zinserhöhungen lässt auch unter diesem Aspekt für die nähere Zukunft wenig Gutes erwarten.

Immerhin schwächelt auch der amerikanische Arbeitsmarkt, obwohl offizielle Zahlen in lange Zeit mithilfe statistischer Modelle schön gerechnet hatten: Im Juli fiel die Anzahl neu geschaffener Stellen mit 92.000 unerwartet schwach aus, die Arbeitslosenquote stieg von 4,5 auf 4,6 Prozent. Die Entwicklung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass das ominöse Birth/Death model nun plötzlich deutlich weniger theoretische Jobs ausweist, als es das in den vergangenen Monaten getan hat. Auch der ISM-Index für den Dienstleistungsbereich fiel etwas enttäuschend aus.

Nicht nur hier zeigt sich die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft, sondern auch in Form schwacher Auftragseingänge außerhalb der Luftfahrtindustrie und des Verteidigungsbereichs. In den vergangenen Jahren hat der Anteil des Produktionsbereichs am amerikanischen Inlandsprodukt stetig abgenommen auf zuletzt gerade noch etwa zehn Prozent. Wovon jedoch soll das Land leben und seine Defizite decken? Alleine von Boeing, vom militärischen Komplex, von den Banken - die Kredit induziert eine Vermögenspreisblase nach den anderen aufziehen - oder gar von den Servicejobs in den wie Pilze aus dem Boden geschossenen Schnellimbissrestaurants?

Auf dieser Basis dürfte es kaum verwundern, dass viele Marktteilnehmer unter der Hand in absehbarer Zeit mit einer lockereren Geldpolitik in Amerika rechnen. Genau diese Erwartungen dürften den Dollar in einem Devisenmarkt, der stark auf Zinsdifferenzen fixiert ist, weiter unter Druck setzen. Zu einer Gegenbewegung kann es allerdings dann kommen, wenn der Risikoappetit weiter zurückgehen und die amerikanischen Anleger zur Teilliquiditation ausländischer Wertpapierpositionen führen sollte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Gary Shilling/Bank of America, Gary Shilling/BEA, Gary Shilling/BEA & USCB, Gary Shilling/FED, Gary Shilling/James Kennedy, Gary Shilling/S&P 500, Gary Shilling/USCB

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