Zitat: "Wir werden nicht in ein Zeitalter des Mangels eintreten, solange wir eine Politik betreiben, die Innovationen und das Marktwachstum fördert". Ein Redakteur von Business Week wird nicht ein Zeitalter des Mangels vorhersagen, dann hätte er seinen Job verfehlt. Aber auch er kann nicht wegargumentieren, daß bestimmte Ressourcen in einer vorläufig noch begrenzten Welt nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.
Mal angenommen, das Mangelproblem an sich könnte mittels Innovationen und Marktwachstum tatsächlich behoben werden, das größere Problem bliebe und würde ebenfalls weiter wachsen: die ungleiche Entwicklung der Wohlfahrt innerhalb der Gesellschaften und zwischen den Nationen, und zwar als Konsequenz eben desselben marktwirtschaftlichen Wachstumsprinzips. Dieser Prozeß ist in vollem Gange und mit freiem Auge gut erkennbar. Die 'invisible hand' richtet es nicht.
Die Frage ist, wann der Punkt erreicht wird, wo die Wohlstandsgewinne relativ Weniger gegenüber dem Rest das System so instabil machen, daß es kippt. Und ob ein solches Kippen in der Globalisierungsphase noch reversibel ist.
Von den Menschenopfern, die das bereits heute kostet, reden wir bei alldem noch nicht.
Malthus wollte niemals die Bevölkerungsentwicklung insgesamt beschreiben, sondern ausschließlich das Verhalten der Arbeiterschaft. Und seine Ableitungen sind auch nicht falsch, sondern sie werden von anderen Entwicklungen überlagert. Heute sagt man meistens Innovation dazu, weil man das Problem auf Seiten der Industrie sieht. Früher hätte man von Verfeinerung des Geschmacks geredet. Bei steigendem Einkommen macht der Arbeiter nicht mehr Kinder, sondern er verfeinert seine Konsumgewohnheiten. Aber was braucht man zum Konsumieren ? Freizeit. Wenn Papa den ganzen Tag im Werk schafft, hat er keine Zeit, um Golf zu spielen. Dann macht er eben Kinder. Die läßt er für sich Nahrungsmittel konsumieren, während er auf der Arbeit ist. So kommt der Malthus zustande.