Der Devisenmarktbericht

Spekulationen um Yen-Politik

27. Juni 2007 Er galt als "Mister Yen" - oder auch als "Mister schwacher Yen". Jetzt hat die japanische Regierung durchblicken lassen, dass ihr oberster Währungspolitiker Hiroshi Watanabe demnächst durch Nayuki Shinohara, den Chef der internationalen Abteilung im Finanzministerium, ersetzt wird. Prompt hat der Yen am Dienstag gegenüber den meisten großen Währungen an Wert gewonnen.

An den Devisenmärkten wird spekuliert, dass der Personalwechsel einen neuen Kurs in der japanischen Währungspolitik einleitet. Untermauert wird dies durch einen offenbar lancierten Medienbericht, in dem es heißt, das Finanzministerium halte eine weitere Abwertung des Yen für "nicht wünschenswert".

Kritik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich an japanischer Währungspolitik

Diese Töne sind neu. In den vergangenen Monaten hatte Tokio stillschweigend gebilligt, dass Spekulanten den Yen über sogenannte Carry Trades unter Abwertungsdruck gebracht haben. Watanabe habe "Carry Trades" als unproblematisch bezeichnet, berichtet Jörg Isselmann, der Chef des Devisenhandels bei der BHF-Bank in Frankfurt. Bei diesen Geschäften verschulden sich Investoren in Währungen mit niedrigen Zinsen wie dem Yen und legen die Mittel in höher verzinsten Devisen an. Watanabe verfolgte damit offensichtlich ein politisches Ziel: Der niedrige Yen-Kurs verschafft japanischen Unternehmen auf den Weltmärkten Wettbewerbsvorteile, treibt so das Wirtschaftswachstum an. Gemessen am realen effektiven Wechselkurs, sei der Yen inzwischen so billig wie zuletzt 1973, sagt Martin Schulz, ein Volkswirt beim Fujitsu-Forschungsinstitut in Tokio.

Tiefere Ursache der Yen-Schwäche ist, dass die japanische Zentralbank ihren Leitzins bei 0,5 Prozent hält - weil sie ein erneutes Abgleiten der Wirtschaft in die Deflation befürchtet. Das niedrige Zinsniveau veranlasst japanische Hausfrauen, Ersparnisse für die Altersvorsorge zum Beispiel in Neuseeland anzulegen, wo höhere Zinsen gezahlt werden. Gleichzeitig nutzen "Carry Trader" die niedrigen Zinsen, um billige Yen-Kredite aufzunehmen und diese Gelder in höher verzinsten Devisen wie Euro oder Dollar anzulegen. Beides drückt den Yen, lässt andere Währungen aufwerten. So ist der Euro am Freitag auf das historische Hoch von 166,94 Yen geklettert. Am Dienstag wurden knapp 166 Yen gezahlt.

Bank of Japan solle ihre Zinsen erhöhen

Der personelle Wechsel im Finanzministerium kommt nur wenige Tage nachdem die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die japanische Währungspolitik unverblümt kritisierte hatte. Das bestätigt eine Einschätzung vieler Fachleute: Die BIZ, bei der sich die Gouverneure der großen Zentralbanken jeden Monat zu vertraulichen Gesprächen treffen, ist - am Internationalen Währungsfonds (IWF) vorbei - der wichtigste Koordinator der Weltwährungspolitik geworden.

Der deflationäre Druck auf die japanischen Verbrauchspreise gehe zunehmend auf die allgemeine Verbilligung der Waren an den Weltmärkten zurück, halten die BIZ-Ökonomen den japanischen Argumenten entgegen. Deshalb habe das Risiko einer schädlichen Deflationsspirale abgenommen. Die Bank of Japan solle deshalb ihre Zinsen erhöhen. Dies umso mehr, als eine spekulativ getriebene starke Abwertung auch hohe Risiken berge. So erinnert die BIZ daran, dass der Yen im Herbst 1988 einmal binnen zwei Tagen zum Dollar um mehr als 10 Prozent aufgewertet hatte. Käme es demnächst zu einem ähnlichen Kurssprung, würde dies nicht nur den Spekulanten, sondern auch den Hausfrauen Einbußen bringen.

Schulz bezweifelt allerdings, dass Japans Regierung tatsächlich einen Kurswechsel will. Jedenfalls könne ihr nicht an einer deutlichen Erhöhung der Zinsen gelegen sein. Denn die Staatsverschuldung belaufe sich auf 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - die Zinslast sei schon auf dem aktuellen niedrigen Zinsniveau enorm. Demgegenüber geht Isselmann davon aus, dass eine Wende bevorsteht. Im August werde die Bank of Japan ihren Leitzins von 0,5 auf 0,75 Prozent anheben - und dies dürfte Carry Trades mittelfristig das Wasser abgraben. Zum Jahresende, meint Isselmann, werde der Euro deshalb 155 Yen wert sein, vielleicht auch nur 150 Yen - was einer Aufwertung von fast 10 Prozent entspräche.

Text: bf., F.A.Z., 27.06.2007, Nr. 146 / Seite 21
Bildmaterial: BIZ, FAZ.NET

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